Gott kommt auf die Erden …

Liebe Gemeinde,

bei allem vorweihnachtlichen Trubel in diesen Tagen sind die Menschen doch freundlich. Noch gestern wünschte mir die Kassiererin im Supermarkt – während ich meine Waren in den Einkaufswagen zurücklegte – ein schönes Wochenende. Ich antwortet ihr: „Danke. Und Ihnen einen fröhlichen 4. Advent.“

Denn, Freude kommt in diesen letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest auf. – Freude auf den, der da kommt.

Im AT, im Buch des Profeten Jesaja, haben wir davon gehört:
Aufmerksame und gleichzeitig sehnsuchtsvolle Wächter auf der Burg erwarten die Wiederkehr des Königs.
Lange, zulange war er nicht da. – Doch nun: die Fanfaren der Herolde hört man schon. Auch wenn der mächtige Tross des Königs noch nicht zu sehen ist …
… und um ehrlich zu sein: nie zu sehen sein wird.

Denn das ist es ja, wenn Jesus kommt:
Stall anstatt Palast
Krippe anstatt Seidenkissen
Hirten statt Paradesoldaten.

Aber viel stärker als Prunk und Macht,
sind doch diese Sehnsüchte und die Freude.
Sie bewegen …
… sie bewegen mich und uns in diesen Tagen.

Federleicht und doch erdverbunden sind die Füße der Freudenboten. Fast als ob sie mit ihrer Botschaft die Erde streicheln würden.
Land und Leute werden verwandelt.
Es dauert nicht mehr lange – euer König kommt.

Beschwingt sage ich der Frau an der Kasse:
Gott kommt auf die Erden – und lächle sie an.
Ich genieße die Sonne
auch wenn sich viele Schnee wünschten …
und summe: „wie schön sind deine Strahlen …“

Ich möchte allen Mutlosen unter die Arme greifen,
denn ich weiß: „er ist gerecht, ein Helfer wert.“

Und dann, den Lichterschmuck am Haus als Begrüßung sehen, für den, der da komm – denn: „mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt.“

Nicht der mächtige Klang der Fanfaren beim Kommen des Königs,
dann schon eher der leichte Gesang der Engel in Bethlehem,
ganz sicher aber das strahlende Lächeln des Kindes,
das ist das, was uns bewegt.

Die stille tragende Freunde, nach langer Zeit der Entbehrung – Jesaja verkündet sie. Die Zeit der Zerstörung – sie hat ein Ende, denn Gott kommt nach Hause.
Zwar gibt es noch manchen Trümmerhaufen. Auch damals als Jesaja so hoffnungsvoll die frohe Botschaft verkündete, war das so: sozialen und religiöse Spannungen in Jerusalem waren zu spüren,
und die Lösungen der Probleme waren und sind nicht von heute auf morgen zu erwarten,
doch zum ersten Mal überwiegt die Hoffnung,
denn Gott kommt nach Hause.

Gott kommt nach Hause. – Auch zu uns. Da auch in manchen Trümmerhaufen:
– zu dem Mädchen, von dem sich der Partner gerade getrennt hat und für die Weihnachten im Augenblick total finster ist.
– zu dem alten liegenden und leidenden Mann, der sich als Weihnachtsgeschenk wünscht, endlich sterben und zu seiner Frau zu können.
– zu dem Studenten, der zum 3x die Klausur versemmelt hat und nun vor dem Abbruch seines Studienganges steht.
Und was macht Gott?
Der kommt nicht allein nach Hause, sondern bringt seinen ganz menschlichen Sohn mit – und der kann
zu dem Mädchen sagen:
– ich bin bei dir … alle Tage …
und zu dem alten Mann:
– kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid …
und zu dem Studenten:
– versinke nicht in Traurigkeit

… und all dies sagt der Sohn auch durch Menschen, die auf die Hoffnung bauen, die er bringt.

Denn es gibt sie doch auch, diejenigen, die es leicht im Leben haben,
die dankbar sein können für jeden Tag.
Die die Adventszeit wie einen Schatz genießen. – Und die davon geben können.
Sie verschenken Zeit, für ein Gespräch,
ein zärtlich-begleitendes Streicheln,
den Blick für einen Sonnenaufgang oder den tiefen vollen Mond.

Sie tragen und können tragen, weil sie von ihrer Hoffnung getragen werden:
Gott kommt auf die Erden.
So leben sie die frohe Botschaft. So leben sie christlichen Glauben.

Lasst uns diese Botschaft weitertragen und die Hoffnung teilen:
– und im Gebet für jeden Tag den Gott schenkt danken,
denn wir wissen: Gott ist gegenwärtig.
– und dann das Ganze sehen, und nicht nur das Leid eines einzelnen Tages,
denn wir wissen: Gott ist uns Freund.
– und für die erwachenden Kräfte der Hoffnung und des Glaubens danken,
da wir spüren: Gott kommt auf die Erden.

Advent ist doch so viel mehr als nur der 24. Dezember.

denn Gott kommt auf die Erden – und bleibt allezeit.

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