Singt das Lied der Hoffnung

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – die Fans des Bundesligisten machten sich Mut angesichts eines Blickes auf die Tabelle. Der Abstieg war eigentlich nur noch theoretisch, nach den Spieleindrücken der Saison aber nicht praktisch noch abzuwenden. Aber so lange da rechnerisch immer noch etwas zu machen war, so lange es auch konkrete Beispiele aus der Bundesligageschichte dafür gab, dass dies noch zu schaffen war, wollten sie die Hoffnung nicht aufgeben, – denn wer die aufgibt, der hat schon verloren.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“- so machten sich die Läufer und Sandsäcketräger bei den vergangenen Hochwassern an Elbe oder vor Jahren an der Oder Mut, wenn auch alle Prognosen das Bersten und Brechen der Deiche ankündigten und es dann nur noch „Land unter“ geheißen hätte.
Aber die Hoffnung verlieh ungeahnte Kräfte, wenn schon nicht Flügel, und so kämpften sie bis zum Schluss und behielten mit ihrer Hoffnung Recht !
Wer aufgibt zu hoffen, der ist schon aufgegeben.
Es lebt sich schlecht ohne Hoffnung – ohne Hoffnung, dass es gut ausgehen kann und gut ausgehen wird, ohne Aussicht darauf, dass es auch anders sein kann als Tag für erlebt und erlitten.
Es lebt sich schlecht und ich wage zu behaupten: es stirbt sich schwer ohne Aussicht auf Hoffnung, auf ein gutes Ende und einen darauf folgenden ebenso guten Anfang.
Es gilt in diesen Tagen und Wochen des Advents das Loblied der Hoffnung ganz neu und ganz anders zu singen. Denn die Hoffnung der Anhänger des einen Vereins muss ja die Enttäuschung und Verzweiflung eines anderen automatisch mit sich bringen, einer muss absteigen, nicht alle Hoffnungen können in Erfüllung gehen und auch mit manch anderem Deich kann auch Hoffnung brechen oder in den Fluten ertrinken, ohne das damit dann aber wirklich alles schon in Frage gestellt ist.
Aber unser Glaube an den lebendigen Gott ohne Hoffnung ist inhaltlseer, gegenstandslos und trügerisch.
Die Frage „Was glaubst du denn?“ ist annähernd identisch mit der Frage „was oder worauf hoffst du denn?“
Und Hoffnung muss sich an Erfahrungen, Einsichten und Erwartungen festmachen.
Auf langen Winter wird der Frühling kommen, darauf kann ich zurecht hoffen, auch wenn die trüben Novembertage mir alle Kraft abverlangen. Meine Geduld und Ausdauer wird belohnt werden !
Auf die schlaflosen Stunden der Nacht wird das Licht des neuen Morgens fallen, so war es immer und so wird es immer sein, solange die Erde sich dreht und Gott uns einen neuen Tag schenkt.
Wenn mir der Glaube schwer fällt, kann ich auf die Erfahrung der Vergangenheit pochen und noch ein wenig aushalten, dann wird es geschafft sein!
Hoffnung ist das Lebenselixier und die Kraft des Glaubens.
Hoffnung ist die angemessene Antwort auf die Erfahrung Gottes.
Der große Theologe der Hoffnung in der Gegenwart, Jürgen Moltmann, dessen Theologie der Hoffnung im nächsten Jahr fünfzig Jahre alt wird, singt eindrücklich dieses Lied der Hoffnung und schreibt: „ christliche Hoffnung ist die Kraft der Auferstehung aus den Versagungen und den Niederlagen des Lebens. Sie ist die Kraft der Wiedergeburt des Lebens aus den Schatten des Todes. Sie ist die Kraft zum neuen Anfang, wo durch Schuld Leben unmöglich gemacht wurde. Denn sie ist Geist vom Geist der Auferstehung des verratenen, misshandelten und verlassenen Christus. Durch seine göttliche Auferweckung von den Toten wurde jenes ausweglose Ende Christi am Kreuz auf Golgatha zu seinem wahren Anfang.“ ( Im Ende – der Anfang S.9)
Große Worte vom Gipfel des Glaubens, von Ostern aus, zurückgeschaut gesprochen, wenn Tod und Auferstehung nicht mehr ferne Zukunft, sondern durchlebte und geschenkte Gegenwart sind.
Aber wir stehen jetzt noch ganz am Anfang. Wir feiern den ersten Advent, beginnen zu warten inmitten der Nacht, umgeben vom Dunkel, dass alle und alles sich nach Erlösung sehnt, trotz der vielen Glücksmomente, die uns im Lebensalltag beflügeln und von denen viel häufiger erzählt werden müsste, damit unsere Hoffnung Nahrung erhält und nicht erlöscht.
Unsere Hoffnung steckt noch in den allerersten Anfängen, zaghaft wie ein erstes Licht am Adventskranz und sie will sich erst noch ausbreiten, wird größer mit jedem Licht, bis es am Ende der Nacht durchbricht und aus allen Ecken und Enden erschallt: „durch der Engel Halleluja, tönt es laut von fern und nach; Christ der Retter ist da“
Das besondere der Adventshoffnung ist, dass sie nicht vertröstet. Sie sagt nicht: es wird schon alles gut werden – wenn nicht hier, dann dort, wenn nicht in diesem Leben, dann in der zukünftigen Welt.
Natürlich hoffe ich auf ein Leben und ein Bleiben im Lichte und in der Gegenwart Gottes. Aber schon heute hoffe ich, dass mir dieses Leben und dieses Licht entgegenkommen.
Advent heißt ja nicht so sehr: ich warte auf ein besseres Jenseits.
Advent heißt: Gott kommt mir entgegen. Er kommt mit seiner Zukunft auf mich zu, in mein Leben, in meinen Alltag, in meine Freude und in meine Not. Ich darf ihm entgegeneilen, weil er sich mit offenen Armen längst auf mich zubewegt.
Gott kommt.
Dies Hoffnung gilt es in den nächsten Wochen für das Leben durchzubuchstabieren. Und diese Hoffnung wird und ist für viele Menschen als Erwartung und Erfahrung sehr konkret.
Sie erleben Gott als Licht im Dunkel ihres Lebens, wie ein Kerze auf dem Adventskranz, und halten an ihm fest. Und sie erleben ihn als Brot für die Welt ihres Alltags und werden in ihrem leiblichen und in ihrem Lebenshunger hoffentlich gesättigt mit Brot und sinnvoller Arbeit.
Deshalb beginnt in jedem Jahr mit der Aktion Brot für die Welt eine Bewegung, mit der Hoffnung konkret in das Leben unzähliger Menschen wandert und viele so Hoffnung teilen, die im Leben nährt.
Auch wir sammeln in den nächsten Wochen und teilen damit unsere Hoffnung sehr konkret mit, wir halten wie der Hebräerbrief es sagt fest am Bekenntnis unserer Hoffnung, weil das nicht still im einsamen Kämmerlein existieren kann, sondern mutige Tat werden will. Denn Gott tut etwas für uns, er tut alles für uns, in dem er Mensch wird und zu Menschen kommt: „Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde“
Ich glaube wir haben in den nächsten Wochen viel zu erwarten.
Und ich meine es so doppeldeutig, wie es jetzt klingt:
Kann ich mehr erwarten, als das Gott kommt?
Wohl kaum, also, was für eine Frage!
Und sie dürfen in den Gemeinden, in den Städten und Dörfern um uns herum in der beginnenden Adventszeit viel erwarten.
Bei vielen Feiern, Gottesdiensten und Konzerten wird Gottes Kommen allen wieder und wieder angesagt und alle werden wieder und wieder eingeladen: wie ist das wunderbar anzuschauen und anzuhören.
Bedarf es da eigentlich noch der ausdrücklichen Einladung oder Ermahnung des Predigttextes, die Gemeinschaft der Hoffnung und des Glaubens in den Gemeinden nur ja nicht zu verlassen?
Eigentlich nicht, wo es doch so laut von fern und nah klingt.
So lasst uns also festhalten am Bekenntnis der Hoffnung: Gott kommt!
Seien sie herzlich eingeladen, wo in den nächsten Tagen und Wochen diese Hoffnung mit allen Sinnen gefeiert wird.
In dem Sinne: einen gesegneten Advent!
Amen

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