Hoffnungsbilder

„Wann reißt der Himmel auf? Auch für mich, auch für mich. Wann reißt der Himmel auf? Sag mir wann, sag mir wann?!“
Und diese Frage kehrt immer wieder, liebe Gemeinde.
Nachzuhören in dem Lied „Himmel auf“ von der Gruppe ‚Silbermond‘.

In diesem Stück geht es um zwei Menschen. Silbermond beschreibt uns, wie diese beiden in ihren Zwängen und Süchten gefangen sind. Und nur noch eines wollen: Raus!
Und die sich selber fragen: Haben wir nicht auch das Recht auf ein kleines bisschen Glück? Auf das Licht am Ende des Tunnels?

Ich kann solche Wünsche gut verstehen.

Und das Licht am Ende des Tunnels, das ist ein starkes Bild. Genauso, wie der aufreißende Himmel.

Hoffnungsbilder.
Und es tut gut, solche Bilder zu haben.

„Wann reißt der Himmel auf? Auch für mich. Sag mir wann, sag mir wann?!“

Wann und wie geht es denn weiter mit mir?
Und wird es gut sein, wenn es weitergeht?

Wo ist der, der solche Fragen beantworten kann?

Welche Antwort kann mir helfen?
Mir und der Gemeinschaft, in der ich Halt finde und zuhause bin?
Das sind durchaus aktuelle Fragen – aber neu sind sie nicht.

Ich lese für uns eine fast 2.000 Jahre alte Antwort aus dem 10. Kapitel des Hebräerbriefes:
„Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“ (Hebr 10,23-25)

Dieser Brief wurde etwa dreißig bis vierzig Jahre nach dem Tod Jesu geschrieben.
Und dass der Himmel aufreißt, das haben sich die Menschen noch wortwörtlich vorgestellt. Sowohl der Verfasser als auch die Empfänger.
Der Himmel wird sich öffnen – und das ist nicht mehr lange hin. „… dass sich der Tag naht, formuliert der Verfasser des Briefes an die Hebräer.

Und wenn dieser Tag gekommen ist, dann wird aus dem weit geöffneten Himmel der Herr wiederkommen. Und Gericht halten. Auf diese Ankunft haben die Menschen gewartet. Damit haben sie fest gerechnet.
Seine Ankunft.
Ihr Advent.

Wie sehr sich dieser Advent von dem unsrigen unterscheidet, können wir uns leicht vorstellen.
Wer auf das Weltgericht wartet, der verbringt seine Zeit nicht mit Lebkuchen und Punsch auf dem Weihnachtsmarkt.

Stattdessen ist das angesagt, was uns der Verfasser an die Hand gibt: festzuhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht zu wanken. Außerdem aufeinander Acht zu haben und einander zu ermahnen. Wobei das griechische Wort für „ermahnen“ durchaus auch mit „trösten“ übersetzt werden kann.

Das ist ein ganz anderer Advent, oder?

Liebe Gemeinde, Advent als Ankunft des Herrn, als Ankommen Jesu.
Und es ist für meine Adventsstimmung ein gewaltiger Unterschied, ob ich auf die Wiederkehr des Weltenrichters warte – oder auf das Christkind.

„Dann haben die früher eben anders geglaubt! Die Zeiten ändern sich nun einmal!“, wäre ein möglicher Einwand.
Und da ist ja durchaus etwas Wahres dran.

Aber damit möchte ich den Text nicht abtun und beiseite schieben. Es käme mir dann so vor, als würde ich mich davonstehlen. Und um das herumdrücken, was der Hebräerbrief mir mitgeben kann für meinen Advent 2013.

Sollen die Weihnachtsmärkte doch bleiben, wie sie sind. Da bin ich auch gerne mal. Und schenken macht ja auch Freude.

Zusätzlich möchte ich aber auch ein bisschen etwas von der Ernsthaftigkeit aus dem Advent des Hebräerbriefes in meine Zeit hinüberretten.
Das festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht zu wanken. Außerdem aufeinander Acht zu haben und einander zu ermahnen bzw zu trösten.

Das Bekenntnis der Hoffnung.
Bilder der Hoffnung zu haben, so etwas brauchen wir. Davon bin ich fest überzeugt. Und es tut gut, über solche Bilder zu reden.

Wenn ich für meine Hoffnungsbilder nach Worten suche, dann mache ich sie mir noch stärker bewusst, als wenn ich so unbestimmt vor mich hinhoffe.
Ein ganz starkes Bild habe ich noch vom vergangenen Sonntag: „Und Gott wird abwischen alle Tränen.“ (Offb 21,4) Ja, das ist eine meiner Hoffnungen.

Ein zweites Hoffnungsbild steht bei dem Propheten Jesaja aufgeschrieben und heißt so: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt.“ (Jes 60,1)

Hoffnungsbilder.

Carola Moobach hat wunderschön zusammengefasst, was mir wichtig ist:
Das wäre schön auf etwas hoffen können
was das Leben lichter macht und leichter das Herz
das gebrochene ängstliche
und dann den Mut haben die Türen weit aufzumachen
und die Ohren und die Augen und auch den Mund
nicht länger verschließen
das wäre schön
wenn am Horizont Schiffe auftauchten
eins nach dem anderen
beladen mit Hoffnungsbrot bis an den Rand
das mehr wird immer mehr
durch Teilen
das wäre schön
wenn Gott nicht aufhörte zu träumen in uns
vom vollen Leben einer Zukunft für alle
und wenn dann der Himmel aufreißen würde ganz plötzlich
neue Wege sich auftun hinter dem Horizont
das wäre schön

(Carola Moobach, Lobet die Eine. Schweige- und Schreigebete, Mainz 2000)

Hoffnungsbilder.

Liebe Gemeinde, die Hoffnung, von der wir erzählen, wird dadurch nicht kleiner. Ganz im Gegenteil.

vielleicht gibt es jemanden, dem Sie von Ihrem Hoffnungsbild erzählen möchten.
Nachher, zuhause. Oder morgen.
Hoffnungsbilder.

Aufeinander achten und trösten – und an meiner Hoffnung festhalten. Und davon zu erzählen.
Und der Himmel reißt auf.
Auch für mich.
Auch für dich.

Amen.

Predigtlied:
Mache dich auf
ODER
O Heiland, reiß die Himmel auf
ODER
Orgelimpro über „Himmel auf“ von Silbermond

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