Wir sehen sie wieder!

Liebe Schwestern und Brüder!
Wir glauben, hoffen und wissen in unserem Innersten, dass wir sie wieder sehen, unsere Angehörigen.
Es ist unser sehnlichster Wunsch.
Irgendwann, wenn die Zeit kommt, wenn wir von dieser Welt in die andere hinüber müssen. Und wir werden sie dort wieder treffen. Da , wo sie jetzt unsichtbar für uns weiterleben in Gottes Nähe. In der Ewigkeit Gottes, im religiösen Himmel, dort werden wir eines Tages sie wieder sehen. Im Leben der der neuen Welt
Das ist wahrlich kein geringer Trost bei aller Trauer, seelischer Erschöpfung und allem unwiederbringlichem Verlust von Liebe und menschlicher Nähe.
Wir sehen sie wieder, denn Sie sind jetzt in der Nähe Gottes, er hat sie geholt in seine Nähe; dort, wo der himmlische Friede ist, die Erlösung und das neue, ganz andere Leben. Dort, wo das Leben der kommenden Welt ist, wie es am Ende des Nicänischen Glaubensbekenntnisses so verheißungsvoll heißt.
Das IST KEIN GERINGER Trost und auch im Verständnis unserer Religion, dem Christentum, keine billige Vertröstung auf ein besseres und schöneres Leben im Jenseits bei aller Trauer, Ohnmacht, Angst, Sorge und Verzweiflung, die viele heute hier und jetzt plagen und innerlich unruhig machen.
Wir sehen sie wieder. Wir sehen uns wieder. Das ist unsere starrköpfige Hoffnung und unser unbändiger Halt und Anker der Hoffnung gegen die Sinnlosigkeit und Absurdität des Todes und die Ohnmacht, die der Tod ins uns durch den Verlust eines geliebten Menschen erzeugt.
Denn es ist eben ein Merkmal der Trauer und des Verlusts;
Ohnmacht, Verzweiflung und die Absurdität des Lebens auszuhalten und aushalten zu müssen. Das ist traurig, bitter und manchmal schwer zu ertragen. Am Meisten schmerzt der Verlust: Kein Gespräch mehr, kein Hallo mehr, kein „Ich liebe dich“ oder „pass auf dich auf“, „sei behütet und komm wieder!
Nichts dergleichen. Das geht an die innere Substanz und raubt einem, wenn es nach dem Trauerschock sich langsam ins Bewusstsein setzt, manchmal vor Trauer, Ohnmacht und Wut den Verstand.
Diese Leere und Einsamkeit über den unwiederbringlichen Verlust lähmt die Lebensenergie. Wieso das alles, warum muss ich das aushalten, was soll das. O könnte ich Sie oder Ihn nur wieder einmal im Arm halten, mit ihm oder ihr sprechen: Ich würde viele dafür geben.
Doch sie sind tot und sie sind weg. Weg aus unserem mit den Augen erfassbaren Leben. Sie sind gegangen in die andere Welt, in Jenseits und wir bleiben hier im Hier und Jetzt, im Diesseits.
Und so hören wir die Worte Jesu an die Auferstehungsleugner der Sadduzäer:
29 Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ihr irrt euch, weil ihr weder die Schrift noch die Kraft Gottes kennt.
30 Denn nach der Auferstehung heiraten die Menschen nicht mehr, sondern sind wie die Engel im Himmel.
31 Was nun die Auferstehung der Toten überhaupt betrifft: Habt ihr jenes Wort, das Gott zu euch sagt, nie gelesen:
32 ›Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs‹?
Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden! «
Gott ist kein Gott der Toten! heißt es in und mit Jesu Worten an die Auferstehungsleugner von der Gruppe der Sadduzäer, die zur seiner Zeit lebten.
Gott ist das Leben und macht alles neu.
In seiner unendlichen Liebe und Nähe ist alles anders und neu.
Es gibt einen neuen Himmel und eine neue Erde, wie es im 21.Kaptitel der Offenbarung heißt!
Und die Tränen werden abgewischt und der mächtige Feind, der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Schmerz noch Geschrei werden jemals sein.
Gott macht alles neu nach dem Tod! Das Alte das Menschliche und das Irdische werden vergehen und alles wird neu, anders und besser?!
Das klingt irgendwie phantastisch, wunderbar und doch unglaubwürdig.
Und doch, liebe Schwestern und Brüder, haben es unsere Vorfahren geglaubt. Es ist unzählige Mal und über Jahrhunderte vor und über den Gräbern verkündigt worden.
Er, unser Gott, das Alpha und Omega, macht durch Jesus Christus alles neu.
Nichts ist mehr so wie es war. Für den Verstorbenen wird alles neu.
Diese Nachricht, dass alles neu wird, dass unser Gott die Auferstehung von den Toten und neues Leben bei ihm schenkt und unseren verstorbenen und toten Angehörigen mit neuem, einem andern Leben beschenkt und auferweckt, haben unsere Vorfahren unter Tränen, mit Klagen und mit Seufzern geglaubt, so wie sie es jetzt auch spüren und empfinden.
Diese unsere Vorfahren haben geweint und geschluchzt, sie haben geseufzt und auch gezweifelt, genauso wie wir, aber sie haben dieser starrköpfigen und gegen jeden Verstand und jede Vernunft verkündigten Hoffnung geglaubt.
Gott macht alles neu!

Ich sehe auch die Seufzenden, Klagenden und Weinenden in meinen Orten vor mir. Ich sehen diejenigen unter ihnen, die tief trauern und deren emotionales und psychisches Leid beim Tod der geliebten Angehörigen innere Betäubung und tiefen Seelenschmerz hervorruft. Ich sehe die Leere und Einsamkeit und die innere Lähmung, auch die unsägliche Antriebslosigkeit, die von der Trauer ausgelöst wird.
Und doch hören wir die Worte Jesu, der verkündigt, dass es unseren Verstorbenen gut geht. Sie haben keine Schmerzen mehr, die der Krebs hervorrief. Sie haben keine Tränen mehr in den Augen, die die Angst vor dem Tod auslöste, wenn sie ihn bei vollem Bewusstsein erlebten. Auch die Angst vor dem Verlust von Liebe, Partnerschaft und Kinder sind verschwunden. Und die Angst, der Zweifel und die Tränen vor dem, was kommen mag, in der erhofften anderen Welt.

Dagegen verkündigt und dafür verkündigt unser Herr Jesus.
Gott macht alles neu. Keine Tränen werden mehr sein, im neuen Himmel. Er macht alles neu.

Und je mehr ich diese phantastische Botschaft höre, desto tiefer dringt sie über meinen Verstand in mein Herz ein.
Wie schön muss die Welt sein, in der es kein Leid, Geschrei und Schmerz mehr gibt. Wo es keine Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung, kein Krieg und kein Elend mehr gibt!
Dort auf der anderen Seite sind nach der festen Hoffnung und Zuversicht jetzt unsere Toten, an die wir uns am heutigen Ewigkeitssonntag besonders erinnern.
Der Tod ist tot und besiegt von Gott. Das ist die Botschaft des heutigen Sonntags.
Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!
Liebe Schwestern und Brüder, der Tod nahm und nimmt uns zwar die, die wir lieben und die wir auch noch bräuchten, aber er tötet nicht unsere Erinnerung und unsere Liebe für sie. Das ist eine Tatsache.
Der Tod nimmt uns nicht die Liebe für die, die wir liebten und lieben.
Die Erinnerung ist eine mächtige innere Kraft und Stimme, die über den Tod hinaus wirkt. Und die Erinnerung in und mit Liebe überdauert die Trauer.
Die Erinnerung ist ein emotionaler Schatz, der uns Kraft gibt und Mut, mit allem Schweren fertig zu werden.
Und wenn diese Erinnerung mit Liebe und sehnsüchtigem Trennungsschmerz verbunden ist, dann ist der Sieg der Liebe garantiert, denn die Liebe ist stärker als der Tod wie es im Hohen Lied (8) der Liebe im AT heißt.
Jemanden lieben oder ihn geliebt zu haben heißt, sich an ihn zu erinnern und in für Ewigkeit im Herz zutragen. Das ist schön und tröstlich.
Und die Erinnerungen an die gemeinsame geschenkte Lebenszeit, das Glück und die Freude der Liebe und Partnerschaft,
das Glück und die Freude der Elternschaft oder an den Enkeln oder die Dankbarkeit für die Liebe und Fürsorge durch die verstorbene Oma oder den Opa gehen tief und bleiben. Wer will sie uns nehmen?!
In unseren Gedanken und Erinnerungen dürfen und können wir uns frei bewegen. Und nicht nur im Sinne schwelgerischer und verklärender Erinnerungen unserer geliebten, aber verstorbenen Angehörigen, auch ihre Ecken und Kanten, ihre charakterlichen Unebenheitenund das Schwere und Anstrengende werden uns bewusst bleiben.
Doch die langmütige Liebe bleibt geduldig und das menschliche Gedächtnis bewahrt meistens das Gute. Man findet seinen Frieden mit den Ecken und Kanten der Verstorbenen. Die Liebe verzeiht auch manche Ungerechtigkeit. Liebe heilt auch Wunden und Schmerzen, denn die Liebe ist stärker als der Tod.
Die Liebe hört nie auf und auch die Erinnerung an die Liebe, die wir von unseren Verstorbenen empfangen haben.
Nochmals: Dabei spricht der Tod aber über unsere christliche Existenz nicht das letzte Wort. Der Tod verliert seinen Schrecken und seine Macht durch die Gewissheit der Auferstehung.
Auch und obwohl der Tod uns menschlich immer wieder neu tief erschüttert, wie jeder, der schon selbst schwer getrauert hat, leidvoll und schmerzlich berichten kann.
Natürlich werden durch die hoffende Gewissheit auf die Auferstehung Trauer, Angst, Abschiedsschmerz, Klage und manchmal sogar Verzweiflung nicht einfach weggewischt. Aber der Glaube an die Auferstehung kann jedem und jeder von uns, der oder die um einen Verstorbenen trauert und weint, genügend Kraft geben, manche Träne des Leides abzuwischen. Wobei gerade die Tränen in der Trauerzeit sehr wichtig sind, weil sie die Seele reinigen, der Trauer Kontur geben und den Schmerz lösen. Weinen löst den Schmerz und die aufgestaute Verzweiflung. Weinen reinigt die Seele und ist für einen gesunden Trauerprozess notwendig und verlangt von weniger betroffenen Angehörigen ein hohes Maß an Geduld und Sensibilität. Meines Erachtens zwei entscheidende Formen von Liebe, die immer wieder im Miteinander von Menschen eingeübt werden müssen.
Und so wünsche ich allen, die in dieser Zeit um einen geliebten Menschen trauern und weinen, dass Gott sie in ihrer Trauer tröste, ihnen gute und liebe Menschen schicke, die ihnen durch Wort und Tat wirklichen Trost und Zuspruch spenden. Menschen, die wieder Licht in das finstere Tal der eigenen Trauer bringen.
Menschen, durch die Gott alle Tränen abwischen wird. Sei es durch die Enkel oder durch das geduldige Zuhören von Nachbarn und Freunden.
Unsere Verstorbenen sind nun in Gottes Hände übergeben, wo sie jenseits unserer Zeit- und Lebensumstände durch die in Jesus Christus geschehene Auferstehung in Gottes Ewigkeit weiterleben.
Schließen möchte ich die Predigt mit einem Gebet, das dem Kirchenvater Augustin zugeschrieben wird. Es heißt:
Der Tod ist nichts
Ich bin nur auf die andere Seite hinüber gegangen.
Ich bin ich und du bist du.
Was wir füreinander waren,
das sind wir immer noch füreinander.
Ruf mich mit dem Namen,
mit dem du mich immer gerufen hast.
Sprich zu mir, wie du immer
zu mir gesprochen hast.
Nimm keinen anderen Ton an,
nimm keine ernste oder traurige Miene an.
Lach weiter darüber,
Bete, lache, denk an mich. Bete mit mir.
Mein Name soll im Hause weiter genannt werden,
wie er immer genannt wurde,
ohne Emphase, ohne einen Schatten
Das Leben bedeutet immer noch das,
was es immer bedeutet hat.
Das Leben ist immer noch, was es immer war.
Der Faden ist nicht durchgeschnitten.
Warum sollte ich nicht mehr in deinen Gedanken sein
nur weil du mich nicht mehr siehst?
Nein, ich bin nicht weit, ich bin nur
auf der anderen Seite des Weges.
Siehst du, alles ist gut.
Du wirst dein Herz wiederfinden und du wirst darin auch die Zärtlichkeit wiederfinden. Augustinus
Amen

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