Mehr Licht!

Predigt P. Musiolik 24. Nov 2013 Ewigkeitssonntag Mt 25,1-13
„Mehr Licht!“

Schau doch bitte noch mal her, sitzt meine Frisur auch richtig?

Also ich finde, vorher sahst du besser aus. Außerdem wird die Pracht nicht lange halten. Na ja, wenn es weiter so windstill bleibt, hast du vielleicht Glück Und wenn es noch dunkler wird, erledigt sich der Fall von selbst.

Wenn es doch endlich so weit wäre! Mir tun schon die Beine weh vom langen Stehen!

Du hättest ja nicht mitkommen müssen! Deine kleine Schwester wäre bestimmt gern als Brautjungfer eingesprungen!

Ich bin ja schon still, du hast ja ganz recht. Dabei sein ist alles! Was für eine Ehre, dem Bräutigam zu geleiten auf dem Heimweg in sein Haus. Alle haben mich beneidet, daß ich zu den 10 gehöre. Wo bleibt er nur so lange? Es wird schon dunkel! Na prima, dann kommen unsere Lampen so richtig zur Geltung. Wann geht es denn los, ich war noch nie auf so eine große Hochzeit eingeladen!

Also paß auf, Kleine: Wenn ihr hinten vom Ende der Straße den Ruf hört, „Der Bräutigam kommt“ dann ist es bald soweit. Dann würde ich die Lampe anzünden oder wenigstens alles vorbereiten. Ich hoffe, ihr anderen seid alle gut ausgerüstet. Ihr da hinten, wo habt ihr eigentlich eure Ölkannen?

Nun tu mal nicht so wichtig! Wir waren schon auf einigen Hochzeiten. Die Krüge mit dem zusätzlichen Öl sind nur überflüssiges Gepäck. Wir teilen uns das schon richtig ein. Kümmert euch um eure Angelegenheiten, ihr braucht uns nicht zu belehren!

Wie ihr meint! Wir haben jedenfalls vorgesorgt!

Warum dauert das denn diesmal so lange? Ich verliere langsam die Lust!

Denk einfach an das gute Essen hinterher. Vielleicht darfst du sogar mit dem Bräutigam tanzen!

Ach, das wäre himmlisch. Ich werd verrückt vor Aufregung. Ich finde diese Warterei richtig spannend.
Wie spät ist es eigentlich? So lange hat es ja noch nie gedauert! Wisst ihr was? Wir hocken uns da vorn auf die Steine und dösen ein bischen. Die andern rufen doch bestimmt laut genug, da wachen wir sofort wieder auf! Klar, das ist ein Jubeln und eine Musik, das überhört keiner. Ah, ist das hier schön gemütlich!

Mir fallen schon die Augen zu…He, wie spät ist es? Der Mond steht über den Hügeln! Es ist gleich Mitternacht! Ob die Hochzeit ausgefallen ist? Vielleicht wurde das Fest in letzter Minute abgesagt! Und wir sind die letzten, die das erfahren. Alle werden uns auslachen, daß wir stundenlang umsonst gewartet haben!

Sei doch still! Horch, hört ihrs auch? Da ruft doch jemand: „Der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!“
Toll, nichts wie los!

He, nicht so aufgeregt! Du hast echt keine Ahnung. Erst wenn alle Lampen kräftig brennen, gehen wir geordnet los.
Schon gut, das krieg ich schnell hin. Hilfe, meine Lampe will nicht brennen!

Du musst mehr Öl nehmen.

Ich hab nichts mehr. Ersatz hab ich auch nicht! Guck nicht so, ich hab keine Schuld, das waren die anderen, die haben gesagt, schlepp dich bloß nicht mit der Ölkanne ab wie die Übervorsichtigen. So hilf mir doch.

Also gut, steck deine Lampe an meiner an! Aber dann gibts keinen Nachschub mehr!

Danke. Toll, jetzt brennen all unsere Lampen. Oh, wie romantisch! Jetzt aber los.

Geht doch langsam, bei dem starken Wind brennt die Fackel zu schnell runter.

Gleich sind wir da, da vorn noch um die Kurve – nanu, wo ist denn Bräutigam? Er müsste doch schon hier sein?

Nur keine Aufregung! Das kann alle möglichen Gründe haben. Vielleicht verabschiedet er sich noch von der Familie der Brau. Das kann schon mal sehr langatmig werden. Vviele Glückwünsche, viel Geschmeichel. Es zieht sich etwas hin, aber er ist auf dem Wege, kein Problem.

Du hast gut reden, du hast ja noch Öl. Das Tuch an meiner Fackel ist bald aufgebrannt, ich muß es austauschen und neu tränken. Und ihr wohl auch gleich. Können wir Euer Öl nicht aufteilen?

Bist du verrückt? Am Ende geht dem ganzen Zug nach und nach das Licht aus, und wir sind jahrelang das Gespött im Dorf. Ich hör sie schon reden: Judith, die glutvolle, aber nur für eine halbe Nacht! Besser ein Fackelzug zu fünft als wenn wir gleich alle im Dunkeln stehen! Lauft schnell zum Kaufmann, heute nacht sind doch alle auf den Beinen. Aber beeilt euch!…

Liebe Gemeinde, mich erinnert der Zwischenfall bei der Hochzeitseskorte an einige Konfirmandenfreizeiten. Da haben wir manchmal am letzten Abend noch eine Nachtwanderung gemacht mit einem Fackelzug. Bei Konfis ist es oft ähnlich wie bei den Jungfrauen. Es gibt törichte und kluge Konfirmanden. Die einen können es gar nicht erwarten, ihre Fackel anzuzünden. Noch vor dem Losgehen wedeln sie mit ihnen herum wie ein Feuerschlucker, statt sie ruhig von oben nach unten abbrennen zu lassen. Ei, geil, guck mal, meine Fackel ist die hellste. Nach 5 Minuten ist der Zauber vorbei. Natürlich haben wir immer einen Vorrat dabei, aber eine zweite Fackel gibt es erst auf dem Rückweg, wenn das Freizeitheim in Sichtweite ist.

Nun wird von Konfirmanden nicht unbedingt erwartet, daß sie sich mit Fackeln auskennen. Im Gefolge eines Brautzuges aber müssen alle Requisiten dabei sein. Denn Brautjungfen ohne Lampen, das war in bibl. Zeit die Blamage schlechthin. Total peinlich wie ein Holzfäller ohne Axt. Ein Fischer ohne Netz. Ein Reiter ohne Pferd. Brautjungfern ohne Licht. Habt ihr das schon mal gehört?

Die ersten Zuhörer dieses Gleichnisses haben wohl kräftig gelacht, als Jesus diese Hochzeitsgeschichte erzählt hat. Nur bei dem Schluss sind auf einmal alle still geworden. Als die Stimme hinter der verschlossenen Tür ertönt: Wahrlich, ich kenne euch nicht!

Es ist die Stimme dessen, der uns vor der größten Torheit unseres Lebens bewahren will. Heute ist der rechte Tag, diesen ernsten Ton anzustimmen. Denn das Kirchenjahr geht anders zu Ende als das weltliche Jahr. Wo mit lautem Geböller und Geknalle, mit Comedy und Sterndeuterei das Alte Jahr ins Neue hinübergleitet nach dem Motto: Auf ein neues, the same procedure als every year.

Der Ewigkeitssonntag oder Totensonntag erinnert uns daran, daß unser Leben einmal zu Ende geht. Die Welt dreht sich nicht immer weiter, alle Jahre wieder. Einmal geht das alles hier zu Ende. Auch die Gnade Gottes geht einmal zu Ende. Zwar ist das Wort des ewigen Lebens unvergänglich. Aber die Stunde, die uns dahin ruft, geht vorüber.

Denn viele hören das Evangelium – und glauben ihm nicht. Sie bekommen den Ruf des Herrn schon mit (so wie ihn alle 10 Frauen im Gleichnis mitbekommen) und doch nehmen sie das nicht richtig ernst. Was tun sie denn? Sie essen und trinken, sie arbeiten und haschen nach dem Glück dieser Welt. Und dann kommt der Tod und stellt sie vor den ewigen Gott. Nach ausgezeichnetem Leben und gutem Essen. Kann man so in die Ewigkeit gehen?

Wie sieht das überhaupt aus in der Ewigkeit? Die Welt kann sich darunter gar nichts vorstellen. Sie sagt „Totensonntag“ blickt also nur zurück. In der Kirche blicken wir nach vorne.

Aber auch da war lange Zeit Hoffnung und Trost Mangelware. Den Leuten wurde Angst gemacht mit dem jüngsten Gericht und der Hölle.

Jesus redet anders von der Ewigkeit. Er vergleicht sie mit einer Hochzeit. Wir haben richtig gehört. Mit einer Hochzeit! Da wird ordentlich Wein eingeschenkt, nicht nur ein Glas. Da wird das Tanzbein geschwungen. Da wird gelacht, gescherzt. Die Leute sind so richtig ausgelassen, die Sorgen des Alltags haben keinen Platz. Jesus nimmt als Beispiel das fröhlichste irdische Beisammensein um zu beschreiben, wie herrlich der Himmel ist.

Schön blöd, wer da nicht dabei sein will. Wollen wir doch alle, oder? Aber nun dauert das ganze. Die ersten nölen und sagen: Stimmt das denn überhaupt mit dieser Ankündigung der großen Hochzeit? In der Bibel steht zwar, Jesus kommt am Ende der Tage wieder. Aber das ist ja schon Jahrhunderte her. Ich richte mich lieber in dieser Welt ein. Das Christsein ist mir zu anstrengend und das Warten zu ungewiß.

Und nun ist die Frage, ob wir weiter Jesus glauben und uns nicht irritieren lassen. Oder ob wir uns anstecken lassen von der Skepsis und der Ahnungslosigkeit und von der Hoffnungslosigkeit um uns her.

Die Szene in der Geschichte, wo alle 10 einschlafen, ist wie ich finde, die spannendste. Man fragt sich, ob die Frauen am Ende das ganze Fest verschlafen. Es ist wirklich ein Gleichnis auf die Kirche.

Die Kirche ist schläfrig geworden, machen wir uns doch nichts vor. Viele sind es müde geworden, zu beten. Ihr Glaube ist in einen Rückzugsraum ausgewandert, ist beschränkt auf den Sonntag und besondere Festtage. Aber das die Aussagen von Gottes Wort wirklich im Alltag eintreffen könnten, damit rechnen sie nicht ernstlich. So ist das mit dem Müdewerden. Die Spannung läßt nach. Die ersten schlafen ein. Das Reich Gottes beschäftigt einen nicht mehr so sehr. Man muß im Leben zurechtkommen und seine Sachen erledigen, als ob nichts zu erwarten wäre. Wir haben zwar Gottes Wort noch bei uns. Aber es ist gleichsam niedergebrannt. Es dient nur ausnahmsweise als unseres Fußes Leuchte. Überwiegend sind es andere Beurteilungen, die unser Leben beleuchten.

Es ist darum gut, wenn uns ein Tag wie der heutige uns zur Besinnung ruft. Auf das Elementare hinweist. Es heißt zwar immer, die klugen und die törichten Jungfrauen, aber der IQ war völlig nebensächlich:
Und ihre Frisur oder Figur ebenso. Die Klugheit bestand in der Besinnung auf das Elementare. Hauptsache, der Lichterzug ist im Dunkeln zu sehen. Hauptsache, ein Hoffnungszeichen erleuchtet unseren Weg.

So ist auch für einen Christenmenschen die Besinnung auf das Elementare wichtig. Das Vertrauen auf Jesus Christus. Der trägt uns durch den Alltag. Der bleibt bei uns, wenn uns die Kräfte schwinden. Der bleibt sogar bei uns, wenn der Herzschlag aussetzt.

Viele sind heute hier aus Verbundenheit mit denen, deren Namen gleich verlesen werden. Sie waren ein Teil deines Leben. Du bist traurig, dass sie fort sind. Du willst ihr Andenken in Ehren halten.

Aber wie steht es um dich selbst? Wer wird um dich weinen, wenn du nicht mehr da bist? Werden die anderen gute Erinnerungen an dich haben oder gemischte? Und wo wirst du selber sein, wenn du nicht mehr am Leben bist?

Da ist viel Unsicherheit unter uns. Keiner weiß das genau, hört man. Oder: in irgendeiner Existenzform geht es hoffentlich weiter.

Ich möchte wissen, wo ich hinkomme. Und hier wird es mir gezeigt: Ich darf beim Herrn sein. Er lädt mich ein. Als ganz besonderen Gast. Bei Propheten und Aposteln an den Ehrentisch.

Bei der letzten Hochzeit, wo wir geladen waren, war das so. In Köln war das, ökumenische Trauung einer Konfirmandin von einst. Der evangelische Kollege war ausgefallen. Ich konnte einspringen, weil Pastor Schafmeyer hier die Stellung gehalten hat. Wir kannten nur wenige von der Gesellschaft. Die Platzkarten hingen als Schlösser mit Nummern an einem Baum. Und dann hatten wir die 1. Ganz nah beim Brautpaar. Einfach aus Großzügigkeit.

So schön wird das sein, ach was, viel schöner, im Himmel. Ganz nah beim Herrn. Das will ich nicht aus dem Blick verlieren. Kein Leid, kein Tod, keine Schuldgefühle sollen mir die Sicht darauf verdunkeln.

Reih dich ein in den Zug derer, die mit darauf warten. Damit es ein Lichtermeer wird, das unser Herr vorfindet, wenn er kommt. Es wird bald sein.
Amen.

drucken