Gott gibt uns nicht auf!

Liebe Gemeinde!

Ich habe eine große Abneigung gegen das Rauchen. Nun muss ich aber zur Kenntnis nehmen, dass mein ältester Sohn raucht. Es nützt nichts, wenn ich ihm sage, dass er sich damit nichts Gutes tut. Er ist Sanitäter und weiß selbst ganz genau, wie schädlich Zigaretten sind. Ich weiß es nicht, was es ist. Ist es das Gefühl, sich erwachsen zu fühlen? Ist man uncool, wenn man nicht raucht?

Ja, es ärgert mich, wenn die verrauchten Klamotten herumhängen. Ich kann den Gestank des kalten Rauchs nicht aushalten! Vor allen Dingen aber macht es mich traurig, weil ich mit ansehen muss, wie mein Ältester seine Gesundheit aufs Spiel setzt.

Und das ist vergleichsweise noch ein relativ kleines Problem. Wie viel Not, wie viele schlaflose Nächte erleiden Eltern, wenn sie ohnmächtig mit ansehen müssen, wie ihre Kinder sich in eine Richtung entwickeln, die ihnen schadet, die ihnen vielleicht sogar das Leben versaut.

Manche werden vielleicht wo hineingezogen, manche lassen sich einfach hängen, schmeißen ihr Leben weg. Andere wollen vielleicht, aber sie finden keinen Anschluss, keinen Job. Sie leben ohne Perspektive.

Es ist immer schwer für Eltern, wenn es den Kinder nicht gut geht. Man hat sein bestes versucht, sie auf den rechten Weg zu bringen, aber sie wollen nicht hören, sondern sich ab und gehen ihren eigenen Weg.

Kennt ihr dieses Gefühl oder könnt ihr es euch zumindest vorstellen? Unser heutiger Predigttext zeigt uns, dass es Gott mit seinen Kindern, mit seinem Volk ganz genau so geht:

Ich lese aus dem Buch des Propheten Jeremia, im 8. Kapitel:

[TEXT]

Immer wieder redet Gott auf sein Volk ein. Immer wieder schickt er Propheten, die in seinem Namen das Volk aufrütteln wollen. Aber die Menschen wollen einfach nicht auf Gott hören!

Sie kehren Gott den Rücken, laufen anderen Göttern nach, Sie kümmern sich nicht um die Gebote Gottes, die ja nichts anderes wollen, als die Menschen einen guten Weg zu bringen. Hilfestellungen, wie das Zusammenleben gelingen kann.

Gott sieht ganz genau, was sie alles falsch machen, wie sie sich an Gott und ihren Mitmenschen versündigen. Aber niemandem scheint das leid zu tun. Allen gut gemeinten Ratschlägen und allen Mahnungen zum trotz laufen sie schnurstracks in den Abgrund.

Das tut Gott weh! Denn es ist sein erwähltes Volk, das da in die Irre läuft. Wir sind seine geliebten Kinder. Wie sieht es bei uns aus? Setzen wir nicht auch immer wieder aufs falsche Pferd? Laufen wir nicht auch falschen Göttern hinterher?

Und ich denke jetzt gar nicht so sehr an jene modernen Götzen, die man in diesem Zusammenhang immer wieder zu hören bekommt. Nämlich Geld, Habgier, Luxus, sexuelle Gelüste und Phantasien.

Ich halte mich an das heutige Evangelium vom großen Weltgericht, wo Jesus die Menschen aufteilt wie ein Hirte, der die Schafe von den Böcken scheidet. „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.“ Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Das sind die Guten, die das Himmelreich ererben werden. Die anderen aber, die das alles nicht getan haben und sich dafür verantworten müssen – welchen Göttern laufen sie nach? Was treibt sie dazu, nicht der Stimme des Herzens, nicht auf Gott zu hören? Denn es ist klar, was Gott von uns möchte: Du sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben und sein Gesetz, seine Ordnungen, seine Rechte und seine Gebote halten dein Leben lang. (5. Mo 11,1)

Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (3. Mo 19,18)

Was bedeutet das im einzelnen? Nur ein paar Beispiele aus demselben Kapitel: Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern. Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken noch berauben. Es soll des Tagelöhners Lohn nicht bei dir bleiben bis zum Morgen. (3. Mo 19,13)

Mit anderen Worten: Du sollst ehrlich sein in allen Bereichen und niemandem vorenthalten, was ihm zusteht.

Wie läuft es aber tatsächlich ab? Wir lesen in der Zeitung von Papst Franziskus, der nun deutliche Worte findet gegen Korruption und Bestechlichkeit, der dunkle Machenschaften der Vatikanbank unterbinden will, sodass es die Mafia inzwischen auf ihn abgesehen hat, weil er ihr ein Dorn im Auge ist.

Wer heute sagt, dass etwas nicht stimmen kann in unserem System, wenn drei Prozent der Bevölkerung 50 Prozent des Vermögens besitzen, der hat viele Feinde.

Alles wird gemessen an der Leistung, die jemand erbringen kann. Wenn jemand aber nichts einbringen kann, wird er zur Belastung, zum unerwünschten Kostenfaktor, den man loswerden möchte. Unsere Gesellschaft ist dem Diktat des Konsums und des Profits unterworfen. Wer nichts hat, kann auch nichts kaufen – und ist somit wertlos.

In Bangladesh, wo in letzter Zeit mehrere Fabrikhallen zusammengestürzt sind, mehr als tausend Näherinnen haben dabei den Tod gefunden, wurde jetzt, auch auf Grund des Drucks aus dem Ausland, ein gesetzlicher Mindestlohn für die Textilarbeiterinnen festgelegt: 51 € – im Monat. 
Du sollst deinem Nächsten nicht das vorenthalten, was er zum Leben braucht.

Ein weiteres Beispiel aus dem 3. Buch Mose: Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.

Es gibt eine kleine Gruppe von Freiwilligen in unserer Gegend, die ein Zeichen setzen wollen gegen die Fremdenfeindlichkeit in unserem Land. Sie geben den Bewohnern eines Asylantenheims Deutschunterricht – und zwar unentgeltlich. Und sie machen dort sehr schöne Erfahrungen. Die Asylanten sind nicht die, die von Haus zu Haus betteln gehen. Das sind zum Teil Akademiker. Das sind Menschen, die ihre Heimat nicht aus Jux und Tollerei verlassen, sondern weil sie zu Hause nicht bleiben können. Weil ihr Leben bedroht ist. 
Christus spricht: Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

Noch ein Beispiel: Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen.

Das heißt: Du sollst niemandem etwas Böses wünschen, selbst dann nicht, wenn er es nicht hören kann. Und: Du sollst niemandem eine Falle stellen. Du sollst keine Tricks anwenden, um andere übers Ohr zu hauen.

Aber genau das ist es, was wir tagtäglich erleben! Wir laufen in die Irre, wir laufen in den Abgrund.

Und Gott sieht das. Ich habe genau gehört, was sie reden. Sie haben ihren Irrtum nicht erkannt. Niemand bereut seine Schlechtigkeit, niemand fragt sich: Was habe ich getan?

Gott, der Schöpfer, muss mit ansehen, wie diese Welt aus den Fugen gerät. Es läuft verkehrt. Wir alle laufen auf falschen Wegen. Und Gott schmerzt das. Er kann es nicht verstehen. Er meint es doch gut mit uns! Wie ein liebender Vater macht er sich Sorgen um uns.

Wenn ein Wanderer sich verirrt hat und er merkt, dass er einen falschen Weg eingeschlagen hat, kehrt er dann nicht sofort wieder um?

Selbst die Zugvögel wissen, wann es Zeit ist, umzukehren. Aber Gottes Volk bleibt – allen Mahnungen zum Trotz – stur auf seinem falschen Weg. Es ist zum Weinen!

Und trotzdem gibt Gott uns nicht auf! Seine Geduld mit uns scheint grenzenlos zu sein. Unaufhörlich hofft er darauf, dass wir auf seine Stimme hören.

Und, da und dort, einzelne lassen sich von ihm berufen und kehren um von ihren falschen Wegen. Und hören auf die Stimme des guten Hirten und folgen ihm nach.

Und dann wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

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