Wann beginnt Gottes Reich?

Liebe Gemeinde,
wie schon am letzen Sonntag, geht es auch heute wieder um Jesu Umgang mit dem Sabbat. Die Einhaltung dieses wöchentlichen Feiertags war den Pharisäern eine Herzensangelegenheit. Darum werde ich einem von ihnen heute meine Stimme leihen.
Ph: Ja, liebe Freunde, bald ist wieder Sabbat. Vielleicht gelingt es uns ja diesmal, wirklich alle zur Einhaltung der Sabbatruhe zu bringen. Wenn das endlich gelingt, dann wird Gottes Reich beginnen. Ein Sabbat nur, den alle einhalten! Ich verstehe nicht, warum sich immer wieder Menschen darüber hinwegsetzen. Wenn selbst Gott die Ruhe braucht, wie kann dann ein Mensch meinen, er kommt ohne aus? Nein, der Sabbat ist ein großes Gut. Ich jedenfalls freue mich jede Woche auf diesen Festtag. Nicht nur, weil ich da frei habe. Der Sabbat ist ein richtiger Festtag! Da wird vorher das Haus geputzt, und ein Festmahl vorbereitet. Mittlerweile ist meine Frau da echt geschickt drin. Sie kennt so viele tolle Rezepte, die sich am Vortag zubereiten lassen und trotzdem richtig lecker sind. Kochen ist ja Arbeit – das muss natürlich vorher erledigt sein. Am Sabbat darf nicht gekocht werden. Am Sabbatmorgen versammeln wir uns dann in der Synagoge und danken Gott für all seine guten Gaben in der vergangenen Woche. So konzentriert wie an dem freien Tag kann ich der Schriftlesung an keinem anderen Tag folgen. Ja, der Sabbat ist ein großer Schatz! Nach dem Gottesdienst gehen wir dann nach Hause und genießen unser Festmahl zu Ehren Gottes. Wenn das doch endlich alle in Israel für sich entdecken könnten. Nicht umsonst steht dieses Gebot mit auf der ersten Tafel. Gebote, die unser Verhältnis zu Gott beschreiben: Du sollst den Feiertag heiligen. Unsere Rabbiner lehren, dass ein Sabbat genügt, den alle heiligen. Dann, ja dann wird Gottes heiliges Reich beginnen. Der Messias wird zu uns kommen. Ach, wie ich mit danach sehne!
Aber selbst hier in Jerusalem treffe ich an jedem Sabbat auf Menschen, die dieses Gebot übertreten. Da kann ich reden oder schimpfen – denen ist das egal. Merken die denn gar nicht was ihnen entgeht? Und dass sie uns damit jede Hoffnung nehmen?
Seht da drüben, da geht dieser Jesus mit seinen Jüngern. Ich finde es beeindruckend, wie genau er die Schriften kennt. Von ihm können die Leute viel lernen! Aber – was ist denn das? He, Jesus, siehst du das nicht?
Deine Jünger ernten die Ähren vom Halm und kauen darauf herum! Du weißt doch dass das nicht erlaubt ist! Heute, am Sabbat! Wieder eine verlorene Woche. Wieder wird es nichts mit Gottes Reich! Pass doch besser auf deine Jünger auf! Du kennst doch die Schriften und weißt was richtig ist!
Was denn, jetzt vergleichst du dich auch noch mit König David? Du meinst, wenn er seine Soldaten mit Broten aus dem Tempel satt machen darf, dann können deine Jünger ihren Hunger auch stillen? Ja, wer glaubst du denn, wer du bist?
Niemand hat das Recht am Sabbat zu arbeiten. Das ist Gottes Gebot. Sein Gesalbter wird uns erst besuchen, wenn wir die Gebote halten. Ich habe dir zugehört. Du selber hast erst gestern gesagt, dass Gottes Reich nahe ist. Du erwartest es also auch. Gottes Reich. Eine friedliche Welt. Ohne römische Besatzer in unseren Straßen. Eine Welt ohne Gewalt. Kleinkinder können am Loch der Schlange spielen und Böcke bei den Panthern lagern. Frieden wird sein. So hat es Jesaja vorhergesagt. Alle werden sich verstehen. Und dafür müssen wir nur einmal alle den Sabbat einhalten. Ein einziges Mal!
Wie du sagst, dass das gar nicht geht? Nicht solange gar nicht alle mitfeiern können? Das verstehe ich nicht. Jeder kann doch die Sabbatruhe einhalten!
Ach, die Armen können das nicht, weil ihnen der Magen knurrt? Aber das tut er doch in der Woche auch. Die sind das doch gewohnt! Die paar Stunden werden sie doch mal durchhalten – für Gottes himmlisches Reich!
Du findest es zynisch, wenn wir unser Festmahl ohen sie feiern? Der Sabbat ist für den Menschen da, sagst du? Nicht der Mensch für den Sabbat. Und es wird erst Sabbat, wenn wirklich alle mitfeiern können. Wenn alle satt sind? Du meinst, wir sollten die Gerechtigkeit selber in die Hand nehmen?
Dann wird das ja nie was mit Gottes Reich. Diese Welt ist doch viel zu ungerecht. Das schaffen wir doch nie! Arme und Reiche hat es immer gegeben. Ich fürchte das wird auch immer so bleiben. Da kann ich mich noch so abmühen. Das werde ich auch nicht ändern.
Du meinst, wir sollten wenigstens anfangen, etwas daran zu ändern. Du kannst das Sabbatmahl gar nicht genießen, solange andere hungern müssen. Da habe ich noch nie so drüber nachgedacht. Ich habe immer nur versucht, das Gebot zu beachten, so wie es in den Schriften steht und wie unsere Lehrer es uns gelehrt haben.
Ja, da hast du Recht. Alle Gebote gehören zusammen. Sie helfen uns, besser zusammen zu leben. der unterschiedliche Reichtum der Menschen ist nicht gerecht und sicher nicht Gottes Wille. Vieles von unserem Wohlstand verdanken wir den Sklaven der Römer. Aber sie gehören ja auch nicht zu Gottes Volk. Deshalb dürfen sie uns ja am Sabbat zur Synagoge tragen. Für sie gilt die Regel mit den 1000 Schritten, die wir höchstens gehen dürfen, ja nicht. sie sind auch Geschöpfe Gottes sagst du. Auch für sie gilt der Ruhetag. Auch sie brauchen die Ruhe. Aber wie kommen wir dann in die Synagoge?
Gottes Reich gilt allen gleich, meinst du? Der Sabbat ist für alle Menschen da. Gut, dass kann ich verstehen. In Zukunft werde ich selber laufen, dann muss eben der Nachmittagsspaziergang wegfallen. Gott schützt die Sklaven auch. Ja das kenne ich aus den Schriften. Auch die Fremden sollen so behandelt werden wie die Kinder Israels. Wenn das gelingt, kann es wirklich Sabbat werden, sagst du. Hmm. da muss ich drüber nachdenken.
Wenn es allen so gut geht, dass sie einen Grund zu feiern haben, bricht Gottes Reich an? Aber – ist das dann nicht schon Gottes Reich? Können wir das wirklich erreichen?
Na gut, da sind wir uns also einige. Auch du weißt, dass nur Gott die Ungerechtigkeit überwinden kann. Er wird es tun, aber erst wenn wir uns von der Ungerechtigkeit frei machen. Wenn wir anfangen , unsere Möglichkeiten, die Welt zu verändern auch nutzen, sagst du. Aber, Jesus, wir sind doch nur Menschen. Was können wir schon ausrichten?
Er hat uns auserwählt, seinen Willen zu tun. Er hat uns und deine getauften Anhänger schon mit seiner Gnade beschenkt. Wir haben doch schon alles, was wir zum Leben brauchen. Wir wissen, wie sein Reich einmal aussehen wird und können deshalb jetzt schon so leben, als ob wir dort angekommen wären.
Aber: sollen wir denn bis dahin den Sabbat ganz ausfallen lassen? Das geht doch auch nicht! OK der Sabbat ist dir auch wichtig. Aber er soll allen helfen, ihr Leben auf den richtigen Weg zu bringen. Deswegen darf man heilen und deshalb dürfen deine Jünger ihren Hunger stillen. Wir können schon so leben, als ob wir in Gottes Reich sind. Wir haben ja schon erfahren wie sehr er uns liebt. Er wird uns auch Schuld vergeben, sagst du? Wie kannst du das wissen. Nur Gott allein kann Schuld vergeben! darüber haben wir letze Woche schon gestritten!
Du musst jemand ganz besonderes sein, dass du in seinem Namen sprichst!
So weit die Worte des Pharisäers. Wir wissen, dass Jesus wenig später alle Schuld auf sich genommen hat. Durch ihn haben wir die Freiheit trotz allen Versagens anzufangen, Gottes Reich zu erbauen. Bis zu dem Tag, an dem alle mitfeiern können und wir zu einem gemeinsamen Festmahl an Gottes Tisch sitzen.
Zum Abschluss lese ich den für heute vorgesehenen Predigttext aus dem 2. Kapitel des Markusevangeliums:
„Und es begab sich, dass Jesus am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.“ Amen.

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