Die Freundschaft Gottes durch Geschenke?

Liebe Gemeinde,
haben Sie schon Ihre Weihnachtsgeschenke gekauft? Nein? Es ist schon Ende Oktober und nur noch acht Wochen bis Weihnachten. Da sollten Sie sich schon mal ein paar Gedanken machen.

Wenn es nach den Führungskräften der Warenhäuser und Discounter geht müssten Sie schon wie ein Rennpferd an der Ladentür scharren. Denn Weihnachten ist das Geschäft überhaupt. Wie jedes Jahr werden wir schon im Herbst mit Lebkuchen und Weihnachtsangeboten konfrontiert.

Weihnachten hat für mich etwas stressiges, geht Ihnen das auch so? Ich finde es anstrengend schon jetzt die Weihnachtssachen in den Geschäften zu sehen. Allerdings, habe ich das Gefühl, es ist in den letzten Jahren weniger geworden. Vielleicht habe ich es aber auch einfach nur verdrängt.

Ich gebe ja zu, so ab und an sehe ich etwas interessantes, etwas Schönes. Dann denke ich mir: „Das könnte ich meiner Frau zum Fest schenken.“ Oder: „Das wäre doch was für meine Mutter.“ Dann springt der andere Gedanke auf: „Und was schenke ich meinem Vater?“

Vermutlich haben auch Sie Einige im Bekanntenkreis, bei denen Sie im Thema: „Schenken“ absolut unsicher sind. Diese Personen haben alles und was sie brauchen könnten, kaufen sie sich lieber selber. Noch schlimmer ist es mit Menschen, von denen Sie im letzten Jahr ganz überraschend beschenkt wurden. Aber Sie hatten nichts für sie.

Warum ist das so? Wieso mache ich mir jedes Jahr solche Gedanken, wenn es um die Geschenke geht. Natürlich will ich Menschen die mir nahe stehen, Familie, Freunden, evtl. auch Kollegen etwas Gutes tun. Sie freuen sich ja auch über ein Geschenk. Allerdings oft ist ihre Freude größer darüber, dass ich an sie gedacht habe.

Aber andererseits ist auch die Angst vorhanden, der Andere könnte enttäuscht sein. Wenn ich nichts oder ein, in seinen Augen, unzureichendes Geschenk überreiche.

„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, heißt es in einem Sprichwort. Aber irgendwo tief in mir ist der Gedanke, es ginge dabei um ein Geschäft, einen Handel. Ich schenke dir etwas, damit du mein Freund bist und mich gern hast. Du schenkst mir etwas, damit es andersherum genauso ist. Und natürlich habe ich die Angst, dass der Handel platzt, wenn mein Geschenk zu „unbedeutend“ ist.

Und jetzt projizieren wir diesen Zusammenhang auf den Umgang mit unserem HERRN. Wir haben wohl alle schon mal versucht mit Gott einen Handel zu schließen: „Lieber Gott, mache doch bitte dies und lass doch bitte jenes. Ich will dann auch das und das für dich tun.“ Wenn…, dann… so haben wir alle schon mal gebetet, ohne Ausnahme.

Alles andere wäre auch seltsam. Seit Jahrhunderten handeln die Menschen so. Die Römer sagten: „Do, ut des.“ – Ich gebe, damit du gibst.

Das Buch des Propheten Micha berichtet von einem Mann. Dieser überlegt, was er tun kann um Gott gnädig zu stimmen. Wer der Mann ist, bleibt ohne Erklärung. Allerdings scheint er reich zu sein. Es war damals üblich Opfer zu bringen. Und dieser Mann wollte viel opfern. Es wurden Gegenstände und Tiere als Geschenk in den Tempel getragen. Denn wenn man Gott was schenkt …

Hören wir die Worte des Predigttextes bei Micha 6, 6-8.

Das klingt für unsere modernen Ohren sehr krass. Tiere töten, sogar den eigenen erstgeborenen Sohn töten zu wollen, nur damit Gott gnädig ist? Das ist absurd! Aber, es ist realistisch.

Verzweiflung lässt in viele Menschen sehr seltsame Gedanken aufkeimen. Verzweifelte Menschen sind zu vielen unschönen Dingen in der Lage. Aus Verzweiflung über Einsamkeit, Ausgrenzung, Armut, Arbeitslosigkeit oder aus Liebe sind Menschen zu Straftätern geworden. Einige haben sogar deshalb getötet. Und der Mensch bei Micha will alles geben, in seiner Verzweiflung.

Wenn es um Weihnachts- oder andere Geschenke geht, dann verzweifeln wir doch eher bei der Suche nach dem passenden Geschenk.

Manchmal klammern wir uns auch an die Hoffnung etwas mit Geschenken retten zu können? Wenn z.B. eine Freundschaft auseinander zu gehen oder eine Liebesbeziehung zu zerbrechen droht. Wir versuchen dann auch Opfer zu bringen, wenn wir noch etwas retten wollen. Da werden Geschenke gemacht, wir sind dann plötzlich besonders freundlich. Verkneifen uns böse Worte und so manche Anspielung. Wir versuche uns krampfhaft von der besten Seite zu zeigen.

Aber eigentlich ist das Quatsch! Welche Freundschaft, welche Beziehung ist denn durch Geschenke gerettet worden. Oder anders betrachtet: Was ist das für eine Freundschaft, die nur existiert, wenn das Materielle stimmt. Wenn das „Schenken“ immer schön austariert ist.

Verändere ich die Perspektive, sieht die Situation plötzlich ganz anders aus. Ich lasse doch keine Freundschaft zerbrechen, nur weil der Freund sich beim Geschenk vertan hat. Das kann jedem Mal passieren. Selbst wenn der Freund meinen Geburtstag vergisst, werde ich doch weiter mit ihm reden und er wird weiter mein Freund heißen. Auch werde ich meine Frau oder meine Familie nicht weniger lieben, nur weil der Handel mit Geschenken irgendwie unausgeglichen ist.

Ich lasse mich von solchen Kleinigkeiten nicht beirren. Reagiere ich enttäuscht oder sogar beleidigt, dann muss da noch mehr gewesen sein. Dann ist etwas in der Basis gestört
Mag ich diese Menschen, dann ist es mir wichtig, dass sie mir Aufmerksamkeit, Freundschaft, Liebe und ihre Zeit schenken.

Es ist mir wichtiger, dass z.B. meine Eltern ein offenes Ohr für meine Sorgen und Probleme haben. Große Geschenke können keine fünf Minuten Zuhören wettmachen, wenn es wirklich Not tut.

Es ist mir wichtiger, dass eine Freundin mich akzeptiert, wie ich bin. Und nicht bei nächster Gelegenheit vor anderen schlecht über mich redet.

Es ist mir wichtiger, dass ein Freund da ist, wenn es mir schlecht geht. Ohne auf Abstand zu gehen und meine Schwäche für sich auszunutzen.

Der Prophet Micha sagt zu dem verzweifelten Menschen folgendes: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert. Nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Gottes Wort halten, das klingt nach Moral, nach Gesetz und Gehorsam. „Der Herr ist unser Gott, der Herr allein, und du sollst den Herr lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Kräften“, heißt es. Lassen Sie sich von dem Wort „sollen“ nicht irritieren. „Lieben“ ist hier das Hauptwort.

Lieben üben, ein offenes Ohr zu haben für seine Freunde. Sich Zeit nehmen, wenn es nötig ist. Andere Menschen zu sehen, zu hören, ihnen zu helfen. „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Für Jesus sind das die beiden höchsten Gebote: Gott lieben und die Menschen lieben.

Demütig sein sagt Micha. Demut ist eine schöne Eigenschaft. Der Mut zu dienen. Sich klar sein wer man ist. Durchaus selbstbewusst, aber immer wissend, dass man eben nur eine oder einer unter Millionen ist. Von Gott geliebt als Geschöpf Gottes.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Geschenke, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Sebastian Maurer in Remlingen.)

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