Woran du dein Herz hängst

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute feiern wir das jährliche Erntedankfest.
Das kann man schon rein äußerlich in unserer Kirche erkennen. Der Altar, Altarraum und die Bänke sind geschmückt mit Obst und Gemüse, mit Getreide und Brot, mit dem, was Gottes Natur im Laufe des Jahres hervorbringt. Hinter diesen Früchten des Feldes und segensreichen und sättigenden Gaben der Natur steckt viel Hege und Pflege, Arbeit und Zeit. Und in dieser herbstlichen Zeit kann man sehen und beobachten, was unsere Felder und Gärten so alles hervorgebracht haben. Die Dekoration und Aufstellung auf und um den Altar soll uns Christen daran erinnern, dass Gott diese Früchte hat wachsen lassen, dass er dafür seinen Segen, Sonne, Wind und Regen gab. Wir danken Gott und loben Gott für seine unaussprechlichen Gaben, seinen Erntesegen und loben seine ganze Schöpfung.
Das ist der eine Strang und Gedanke der Dankbarkeit beim heutigen Erntedank für die große Fülle an Obst, Gemüse, Nahrungsmittel, die aus unseren Gärten, aber auch vom Anbau des Getreides und Gemüses von den Äckern und Feldern unserer Bauern kommen.
Christen empfinden Dankbarkeit für diese großen Gaben Gottes.
„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!“, singen wir mit dem Matthias Claudius Klassiker „Wir pflügen und wir streuen“ (EG 508,1-4).

Doch der andere Gedanke und Argumentationsstrang, auch um die vollendete Dankbarkeit, auch gegenüber Gott noch tiefer empfundene zu artikulieren, müssen wir uns schon die Frage stellen:
Woran wir unser Herz hängen?
Jesus durchaus sagt kritisch:
Denn wo dein Reichtum ist, da wird auch dein Herz sein.

Woran hängen wir unser Herz ?

An Besitz?, an schnöden Mammon?, an das neueste Smartphone mit allem Features für über 600 €? oder Premium- Autos? Zu einem Preis von 30.000 bis 40.000 € , an dicke Flachbildfernseher mit großer Bilddiagonale, an den repräsentativen jährlichen Urlaub, an die großzügige Eigentumswohnung oder das überdimensionierte Eigenheim für das wir uns krumm gelegt haben, an die Aktien oder das gesparte schöne Geld, an Markenklamotten, Zalando-Schuhe und Designerküchen u.v.m.?

Woran hängen wir unser Herz und wird letztendlich nicht alles vergehen, wie Schall und Rauch oder das Haschen des Windes!?
Das letzte Hemd, nämlich das Totenhemd hat keine Taschen, sagt der Volksmund. Denn niemand kann etwas mitnehmen, wenn er von dieser Welt gehen muss. Nichts bleibt übrig außer Erde, Staub und Asche.
Wir wissen es und trotzdem häufen wir irdische Gütern, die laut Jesus nur von Motten und dem Rost gefressen werden

Woran hängen wir unser Herz und was wird zu unserem Gott oder Abgott?
Warum besteht unser Bestreben oder unsere Sucht darin, unser Leben in dieser Welt durch Besitz und Reichtum zu sichern und angenehm zu gestalten, sowie der Wahn zu meinen, was man anstrebt und vielleicht sogar auch erreicht, sei das „Leben“?!

Ist Sammeln, Besitzen, Horten und Speichern oder die Fixierung auf die Machbarkeit und Kontrolle des eigenen Lebens nicht der Wahn zu denken, dass ich in meiner Kontrolle und durch meine so tolle Eigenleistung alles im Griff habe.
So scheint er zu sein, der homo oeconomicus aller Zeiten, der auf Wirtschaftlichkeit und Ökonomie ausgerichtete Mensch, der nur nach Effizienz und Leistung von sich reden macht und für den der selbstgefällige Reiche Kornbauer das Symbol von menschlicher Selbstüberschätzung und Größenwahn in der Bibel ist.

Menschen haben ein gutes Gespür für solch ein vom Wahn nach Selbstverwirklichung und massiver Selbstüberschätzung praktizierten Lebenswandel entwickelt.
Auch der Wähler und das Leben strafen solch einen sich selbstüberschätzenden Größenwahn mit dem Motto: Leistung muss sich lohnen! oder Steuer senken für meine Klientel, brutal ab. Das gilt bei aller freiheitlichen Attitüde, wie man trefflich an der FDP bei den Wahlen sehen konnte.

Besitz oder geglaubte Besitzstände können jäh vergehen, so wie die Motten Kleidung zerfressen oder Rost Metall angreift und wertlos macht!
Das ist wohl wahr.

Doch was hilft aus diesem vergänglichen irdischen Elend:
Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.
Johannes 6,35

Jesus selber lenkt den Blick auf das, was wirklich zählt, das Fundament, auf dem alles steht oder die Saat, die im Leben aufgeht und Früchte und Segen bringt.
Jesus Christus selber, der Sohn Gottes, bezeichnet sich als dieses Brot. Ja, aber – wie soll man ihn denn essen können? Nun, zu ihm kommen und an ihn glauben, wie er auffordert, bedeutet, ihn so aufzunehmen, wie man ein Stück Brot in sich aufnimmt, dass es ein Teil des eigenen Wesens wird. So sehr will sich der Sohn Gottes mit uns eins machen, dass er und wir eine Einheit werden. Das bedeutet echter Glaube!
Glaube, der satt macht und den Hunger und Durst des Lebens stillt. Und der befreit vom Wahn des Lebens.
Dann wird der Hunger und Durst gestillt, den jeder von uns kennt und der nicht mit Brot und nicht mit Schlemmerei, mit keinem Erfrischungsgetränk, auch nicht mit Alkohol, Sucht, Drogen oder Kontrollzwang gestillt werden kann.
Es sind der Hunger und der Durst der Seele nach einem erfüllten Leben, nach Frieden im Herzen, nach Ruhe und Geborgenheit, nach Sicherheit über den Tod hinaus. Und diesen Hunger kann man bei allem, was es in dieser Welt gibt, nicht stillen, nicht mit Reichtum, Karriere, Vergnügungen oder Rausch. Dieses elementare Verlangen kann nur in Jesus Christus gestillt werden.
Und man kann es sich auch gegenseitig -im wörtlichen und im übertragenen Sinn immer wieder das Brot des Lebens und im Leben reichen. In Liebe, mit Dankbarkeit und einem Gebet als Halt, Wegmarke und Orientierung für die Freude und den Schutz der Partnerschaft. Mit gemeinsamer Verantwortung für die Aufgabe, die sie als junge Menschen miteinander und füreinander übernahmen. Man nennt das Liebe. Liebe, die ein Leben lang hält. Mit dem Brot des Lebens täglich empfangen.
Gottes Liebe für uns Menschen, gereicht als Brot des Lebens von Generation zu Generation, von Familienmitglied zu Familienmitglied, von Mutter zu Tochter oder Sohn, vom Vater empfangen aus den Händen der Großeltern.
Dieses auch im Vaterunser erbetene „tägliche Brot“ sättigt über den elementaren Hunger hinaus und lehrt dankbar zu sein für die Fülle und Großzügigkeit Gottes und seines Segen für und an uns Menschen. Und das ist der Erntedank für den wir heute danken.
Amen

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