Von der Kraft des Glaubens

Es ist eine schwere Zeit damals. Es ist ja irgendwie und aus irgendeinem Grund eigentlich immer eine schwere Zeit.
Als das Lukanische Doppelwerk, das aus dem Lukasevangelium und der Apostelgeschichte besteht, entstand waren schon einige Jahrzehnte ins Land gegangen, seit den Tagen da Jesus durch das Land gezogen war. Der Anfang der Gemeinden lag eine Generation zurück.
Es gab nur noch Wenige die die Apostel gekannt hatten.
Manche kannten jemanden der jemanden wusste der einen gekannt haben soll.
Auch die Erzählungen von den Missionsreisen des Paulus, waren inzwischen Geschichten von früher geworden.
Inzwischen, waren viele Weissagungen unerfüllt geblieben. Gewissheiten hatten sich in Fragen gewandelt, lebendige Hoffnung war zur Tradition geschrumpelt.
Ganz am Anfang, Ja da sei der Glaube noch stark und unverfälscht gewesen. So sagten besonders die Alten. Früher war alles besser.. schon immer..
Die ersten Jahre hatte die Gemeinde in der Gewissheit gelebt, dass Jesus bald wiederkommen würde. Alles um sie herum war irgendwie vorläufig nicht so wichtig… Die Euphorie war nun gebrochen. Sie lebten um das Jahr 80 herum. Der Alltag war eingekehrt.
Wie aber kann man etwas festhalten das für den Aufbruch gedacht und geschrieben war, wenn man sesshaft geworden ist. Sie würden so gerne wieder so glauben können, so fest wie damals! Aber irgendwie wurde genau dass, wenn sie es zu zwingen versuchten, immer ganz verkehrt in Ihrer Welt

Damals… Als Sabine und er frisch verliebt waren. Das ist nun schon .. mal überlegen… .. 30 Jahre… ja doch so lange schon.. Damals war alles so einfach. Er hat sie angesehen und war bezaubert. Sie haben sich so oft geliebt. Es war keine Frage ob sie zusammenbleiben würden. Es gab nur Antworten nur Gewissheiten…
Dann kamen die Kinder, die Arbeit, die Sorgen… und die Zweifel.
Bis der Tod euch scheidet.. wie lebt man, was in der Stunde des Aufbruches so klar war und so einleuchtend.. Wie lebt man das, wenn man die Lebendigkeit.. die Leichtigkeit, wenn man den Schwung verloren hat auf dem langen Weg? Er will so gerne wieder so lieben können.
Aber immer wenn er die alte Leidenschaft zum Maßstab nimmt… geht es gründlich schief… Es gibt kein zurück!
Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!
6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
Der Schreiber des Lukasevangeliums, malt ein Bild der Apostel der Nachfolger des Herrn, dass sie den Menschen aus seiner Gemeinde nahe erscheinen lässt. Es stimmt mit dem Bild das Markus das älteste Evangelium von Ihnen zeichnet und mit dem das sich aus den Briefen des Paulus ergibt überein.
Die Sicht des Evangeliums auf die Jünger entspricht höchstwahrscheinlich der Wahrheit und entspricht dem gesunden Menschenverstand.
Die Jünger, die Apostel auch sie waren schon.. Menschen… Versager, Zweifler, Drückeberger, Leugner… Auch sie waren schon wie die Leute damals um das Jahr 80 und die waren wie wir.
Wenn wir doch nur so glauben könnten: wie damals als wir mit Ihm aufbrachen! Wie an dem Tag als wir diese Vision hatten am Berg. .. Wen wir doch nur so glauben könnten wie Jesus!
Wir haben doch Wunder gesehen. Wir haben doch Lahme gehen sehen und Stumme sprechen gehört… Wir müssen es doch schaffen… mehr, besser, höher, weiter… Wir müssten doch irgendwie…
Eigentlich müsste Jesus… also wenn wir schon so eifrig bitten…
Ja was eigentlich? Er müsste sie erlösen! Die Zweifel nehmen, Die verzwickten Entscheidungen treffen. Klare Regeln setzen. Eine Weiterbildung anbieten. Sagen wie es geht… Mach uns doch glaubend!

Irgendwie müsste es vorangehen. Irgendwie müsste ein Wunder geschehen. Es ist so schwer in unserem Alltag Gott zu finden. Die Gemeinde läuft auseinander die Kirche geht Ihrem Ende entgegen… Das haben sie schon damals gedacht um das Jahr 80 herum.

Man muss das doch hinbekommen denkt er. Es muss doch zu machen sein. Vielleicht brauchen sie Eheberatung. Eine Strategie. Es war doch damals so einfach. Es muss wieder einfach werden.. Es muss einfach…
Das denkt er.. und so denken viele.

Ein Senfkorn genügt! Dieser Gleichnisse. Ein Senfkorn.
Das verliert man doch sofort aus den Augen.. das ist doch ein Nichts.
Statt uns was Handfestes anzubieten… Ein Korn.. in Mecklenburg.. gut da lässt sich mancher mit einem Korn trösten.. aber das ist ja nun was ganz anderes… Aber eine Vertröstung… ist es auch dieses Senfkorngerede.. Und eine Verhöhnung obendrein.
Wenn du nur ein Senfkorn… ha.. Heißt das nicht auch; nicht mal dazu reicht es!

Und außerdem was soll das mit dem Maulbeerbaum überhaupt?
Warum sollte ich so einen Baum ans Meer versetzen wollen… Du könntest sagt Jesus aber wozu? Im Übertragenden Sinn.. Es ist bildlich gesprochen… Na gut und was heißt das nun anderes ..
Als du könntes aber du kannst es eben nicht.. Wie diese komischen Beurteilungen in der Schule.. Wenn Uwe.. oder Uschi.. na ja irgendwer eben.. sich mehr konzentrieren, fleißiger lernen, dem Unterricht aufmerksamer folgen.. würde, dann wäre sie er .. Klassenbeste..
Aber das mit dem folgen und aufmerksam und mit dem Fleiß ist ja gerade das Problem….. Man will ja… mehr glauben… man will ja besser lieben.. aufmerksamer, sensibler… man will ja… Man will ja das die Welt sich wandelt und der Herr wiederkommt… Bekehre dich..
Man will ja mehr Missionserfolge… größere Zahlen… Überwältigende Erfahrungen.. man will ja Wunder machen!!!

Er will jetzt wirklich mal seine Ehe retten! Er hat 30 verschiedene Bücher gelesen und einen Kurs besucht. Morgen fängt er an. Es wird gelingen!

Wir werden mit den neuesten wissenschaftlich gestützten .. und mit Gebetsoffensiven… und Evangelisationen und immerwährendem Aufbruch.. Glauben generieren.. Richtigen Glauben..!

Nein, dass ist keine Satire. Menschen versuchen es wirklich auf diese Art.
Jeden Tag überall und übereifrig.
Weil; Ja weil Sie nicht hinsehen. Weil sie ein Senfkorn für pipifax und für nichts halten.
Ihr sollt es nicht zwingen. Ihr habt es schon. Besinnt euch darauf. Vertraut… All eure Sorgen… lasst los… Dann kann es geschehen…

Ich glaube das meint die Geschichte… Es ist der einzige Weg nicht zu verzweifeln.

Als sie die Geschichte noch einmal angehört hatten, begriffen sie sich selbst. Sie begriffen, dass es die gute alte Zeit so nie gegeben hatte. Die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.. waren eine Legende. Die Apostel selber.. waren zu andern Zeiten auf andere Art genauso gläubig ungläubige gewesen wie sie 50 Jahre später.
Sie hatten es in sich und es war doch nicht etwas über das sie verfügen konnten. Es war ein Samenkorn. Ein Alles… die Möglichkeit… die Hoffnung…. In dem Moment, das sie sich nicht mehr zu klein fühlten, wirklich zu glauben, sondern begriffen das Ihr kleiner Glaube wirklich war. Veränderte sich die Welt. Denn nun war ihr zweifelnder Glaube nicht mehr der klägliche Rest, sondern ein Anfang ein Samen. Ihr flackerndes Licht war das Licht der Welt, das sich ausbreiten würde in Ihrer Zeit.

Er hatte einmal vergessen, was er eigentlich alles Kluges unternehmen wollte. Er war einmal nicht Manager seines Glückes gewesen. Sabine war gefallen. Auf der Theatertreppe. Es war wieder einer dieser Mittwoch Abende Gewesen.. Theaterabonnement … Hatten sie mal abgeschlossen… Sabine war umgeknickt mit Ihren blöden Schuhen.. Wie damals auf der Hochzeit Ihrer Schwester… Er hat sie aufgefangen, wie damals… Sie haben sich angesehen und geweint.. vor Schmerz wegen des Fußes.. und vor Weltschmerz wegen Ihres Lebens. Die Leute haben dumm geschaut. Er hat sie hochgehoben.. gestützt. Sie sind in die kleine Bar gegenüber gegangen und haben bis zum Morgen geredet. Es ist nicht wie früher.. Es ist ein Anfang.. und es ist wunderbar.
Dabei hätte er beinahe auf den Theaterbesuch bestanden.. Beinahe hätte alles richtig machen wollen wie immer… Aber dann… Es ist einfach so gekommen… Manchmal… muss man nur hinsehen.

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!
6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Na dann… lasst uns meinetwegen Maulbeerbäume versetzen… Lust am Leben haben. Einen Tag die Sorgen, Sorgen sein lassen.. Etwas wagen… zweifelnd hoffend… glauben.. und nicht immer nur denken, es genügt nicht… Genügsam sein eben und frei.. ab und zu…
Wunder geschehen ich habs, gesehn… ich war dabei und du auch.. erinnere dich.

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