Der Traum vom Glück als Barmherzigkeit

Liebe Schwestern und Brüder!
Da hat einer einen seltsamen Traum vom Glück.
Jakobs Traum und der Weg und Blick zum Himmel.
Und doch so scheinbar traumhaft das anmutet: der Traum vom Glück wird später zur Wahrheit, so wie beim Erzvater und Patriarchen Jakob, der zeit seines Lebens ein ganz „ausgefuchster Hund“ und Trickser war. Der seinen Zwillingsbruder Esau um das Recht der Erstgeburt mit einer Linsensuppe austrickste und betrogen hatte und seinem blinden Vater Issak belog und betrog, um sich den Segen des Alten für den Erstgeborenen zu erschleichen.
Und in seinem berühmten Traum von der Himmelsleiter, auf der die Engel auf und ab stiegen und an deren Ende Gott der Herr stand und zu ihm im Traum sprach und ihm verhieß, dass er ihn zum Stammvater vieler Geschlechter mache und ihn immer behüten wolle; in diesem berühmten Traum nimmt Jakob voller Freunde, Ehrfurcht und Dankbarkeit an, was Gott ihm im Traum offenbarte. Segen im Leben, Gnade und Barmherzigkeit als der Weg zum Himmel.

Jakob und sein berühmt gewordener Traum von der Himmelsleiter sind Weltliteratur in Text und Bild, zumindest beim Maler Marc Chagall geworden.
Gottesgeschichte und Menschengeschichte gehen einher.
Gott offenbart sich mit seiner Güte, Gnade und Barmherzigkeit und seinem mächtigen, lebensspendenen Segen gegenüber einem, der nach menschlichen Gerechtigkeits- und Straffantasien nicht so viel zukünftige Gnade erfahren sollte.
Und das Fantastische an dieser bildgewaltigen Geschichte ist, dass diese Himmelsleiter aus Jakobs berühmtem Traum uns Menschen einen Zugang zum sonst unsichtbaren Gott und dessen Himmel bietet:
Auf der Leiter zum Himmel tanzen und gleiten die Engel auf und ab und am Ende steht Gott und spricht aus dem Himmel zum unten stehenden Jakob.
Irgendwie fantastisch und voller sehnsuchtsvoller Bildgewalt.
Wie in einem Science Fiction Film und mit den Imaginationen und Bildern des Traumes gepaart.
Gott im Himmel über eine Himmelsleiter im Traum von unten zu sehen und nach oben zu erreichen.

I have a dream- ich habe einen Traum, dies war die berühmte Rede vom schwarzen Baptistenpfarrer Martin Luther King vor 50 Jahren, am 28.August 1963 in den USA, in Washington am Lincoln Memorial, in dem er träumte und verhieß, dass es in den Vereinigten Staaten von Amerika keinen Rassenunterschiede und Rassentrennung mehr gebe solle, dass alle Menschen frei werden würden und mit der gleichen von Gott ausgestatteten Würde und Ebenbildlichkeit versehen wären. Free at last, free at last! Die letzten rhetorischen Sequenzen einer Jahrhundert-Rede, die sich diese Woche im 50 Jahr in Erinnerung brachte.
Ein ganz anderer, ein sich nach Freiheit aus der Unterdrückung wünschender, realistischer Traum und Schrei der Afro-Amerikaner, der die von Gott geschaffenen Menschen nach seinen Charaktereigenschaften und nicht nach der Hautfarbe oder Herkunft rassistisch abqualifiziert, diskriminiert und unterdrückt, war dies und ist dies.
Freiheit von Unterdrückung und rassistischer Diskriminierung träumt dieser Traum des Glücks und der Gerechtigkeit.

Dieser Traum ist noch nicht zu Ende, denn Rassismus, rassistisches Gehabe und soziale Ausbeutung ist auch in den heutigen USA und auf der ganzen Welt noch nicht aufgehoben oder abgeschafft.
Der Traum gilt weiter.

Doch sind Träume nicht Schäume?!, also der verzweifelte Versuch, die manchmal so brutale Realität und knallharte Wirklichkeit mit Illusionen oder frommen Wünschen schön zu reden oder eben schön zu träumen?!

Für Jakob, den Lügner, Täuscher, Trickser und Verfolgten brachte der Traum von der Himmelsleiter einen Neuanfang mit Gott und seinen Mitmenschen. Am Ende versöhnte er sich mit seinem Zwillingsbruder Esau und Gott segnete ihn mit vielen Nachkommen mit zwölf Söhnen, den Stammvätern der zwölf Stämme Israels. Josef und Benjamin waren seine Lieblinge.
Sie kennen die Geschichte.
Der Traum von und an der Himmelsleiter kulminiert darin und konzentriert sich darauf, dass Jakob bereut, was er seinen Mitmenschen und Gott angetan hatte. Der Traum wurde der Weg zur Besserung.

Für Martin Luther King, den berühmten Baptistenpfarrer endete sein persönlicher Traum in der Ermordung durch einen weißen Rassisten im Jahre 1968. Doch sein Traum lebte und lebt weiter in seinen Kindern und Kindeskindern und in und bei den schwarzen Amerikanern, die seiner Art Konflikte mit passiven Widerstand und Gewaltlosigkeit auszutragen folgten, weiter.
Heute 50 Jahre nach der Rede gibt es einen farbigen US- Präsidenten, nämlich Barack Obama. Aber leider nicht das Ende des unsäglichen Rassismus.

Der Traum Luther Kings, den Menschen nach seinen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften zu beurteilen und nicht nach seiner Herkunft, Hautfarbe und sozialen Verhältnissen zu verurteilen, hat konkrete und realistische Züge bekommen.
Auch wenn es immer wieder gewaltige Rückschläge für das friedliche und menschliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe gibt.
Rassismus und religiöse oder ethnische Diskriminierung sind leider noch nicht besiegt in dieser Welt.

Doch es geht heute bei dieser fantastischen Geschichte auch um Hoffnung, Zuversicht, Dankbarkeit und den eigenen Traum vom Glück hier und jetzt als Gast auf Erden.
Was ist unser Traum vom Glück?!
Wonach streben wir in diesem Leben?

Nach kleinbürgerlicher Spießigkeit mit der ewigen Monstranz Gesundheit, stabiler Partnerschaft und Ehe und dem nötigen Auskommen und Geld, um nicht alles aber einiges zu finanzieren wie diese Woche eine Untersuchung über die Lebensplanung und Lebensziele 30 bis 59-Jährigen hervorbrachte?!
Oder nach einer anderen nicht so ganz materiellen Form von Glück und Zufriedenheit, die sich ihre spirituelle Tiefe und Hoffnung im Glauben an Gottes Güte und Barmherzigkeit speist?!

Der Traum vom Glück, auch der persönliche Traum vom Glück, hat für uns Christen seine Basis und Fundamente im Glauben an Jesus Christus und den dreieinigen Gott, der uns mit seinem Segen im Laufe des Lebens versieht. Das ist unser Traum vom Glück, auch zu wissen, dass Gott uns mit seiner Gnade und Barmherzigkeit beschenkt, wofür wir ihn loben aus der Tiefe unserer Herzen und Seelen.
Dafür danken wir Gott mit einem Gebet, dem Psalm 103, und nicht mit dem Traum, aber darin ist er verborgen der Traum vom Glück:

Psalm 103
Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes
1 "Von David." Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.
6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.
7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.
8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.
10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.
15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;
16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.
17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind
18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.
19 Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles.
20 Lobet den HERRN, ihr seine Engel, / ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, dass man höre auf die Stimme seines Wortes!
21 Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!
22 Lobet den HERRN, alle seine Werke, / an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den HERRN, meine Seele!

Amen.

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