Träum weiter!

Gen 27,28+28,11b-15

Liebe Brüder und Schwestern:
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

„Träum weiter!“ (abschätzig)

Erinnerst Du Dich?
Erinnern Sie sich?

Da war diese Idee.

Noch ganz klein,
ein Keimling,
zart wie eine kleine Pflanze.

Der Hauch einer Ahnung,
im Wachsen und Werden;
eine Vision von…

Etwas Neuem?
Etwas Anderem?
Etwas Veränderndem?

Doch kaum war er gefasst, der Gedanke:
„Träum weiter!“ (abschätzig)

„Träum weiter!“, (abschätzig)
klingt es in den Ohren.

Vielleicht hat es jemand anderes gesagt?

Vielleicht man selbst?

„Träum weiter!“ (abschätzig)

Es ist als würde eine Hand die kleine Pflanze packen
und sie ausreißen.

„Träum weiter!“ (abschätzig)

Wenn es dunkel geworden ist,
liege ich manchmal im Bett
und kann nicht einschlafen.

Tausend Dinge gehen mir durch den Kopf,
in manchen Nächten nicht nur gute…

Was ich nicht alles tun muss!

Sorgen und Kummer legen sich schwer auf mich.

An Einschlafen ist nicht zu denken!

(singen:)
„Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget
und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
in ihrer Dämmrung Hülle so traulich und so hold.“

Ja –
draußen ist´s still und friedlich,
aber in mir?

„Als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.“

Verschlafen und vergessen?

Das kann ich nicht.

Ich müsste erst einmal vergessen,
um schlafen zu können.

Jakob war den ganzen Tag unterwegs gewesen.
Nun war es Abend geworden.

Müde und erschöpft setzte er sich.

Tausend Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf,
ließen ihm keine Ruhe finden.

Was soll nur werden?

Er war fortgezogen von zu Hause.

Seine Mutter,
die ihn so liebte,
hatte ihn weggeschickt;
und mit Vaters Segen hatte er sich auf den Weg gemacht.

Neuanfang.

Doch die Altlasten,
die er mitschleppte,
lasteten schwer auf seinen Schultern,
auf Herz und Seele.

Seinem älteren Zwillingsbruder hatte er vor langer Zeit mit Hinterlist die künftige Erbschaft,
das Erstgeburtsrecht,
abgeluchst.

Und dem Rat seiner lieben Mutter folgend,
hatte er seinen Bruder auch noch um den Segen des Vaters betrogen;
hatte sich als seinen Bruder verkleidet
und sich den Segen ergaunert.

„Gott gebe dir Tau des Himmels
und von der Fettigkeit der Erde
und Korn und Wein in Fülle.“

Träum weiter, Jakob! (abschätzig)

Was soll daraus jetzt werden,
wo du fort musst von Zuhause?

Fort,
weil du deinem Bruder so viel Schlechtes angetan hat,
dass er dir nun nach dem Leben trachtet.

Fort,
wo er dich nun umbringen will,
weil du ihn betrogen und belogen hast.

Träum weiter! (abschätzig)

Die Sonne war untergegangen.

Und dann…

Hört, was im Buch Genesis, im 28. Kapitel, geschrieben steht:

„Die Sonne war untergegangen.

Und Jakob nahm einen Stein von der Stätte
und legte ihn zu seinen Häupten
und legte sich an der Stätte schlafen.

Und ihm träumte,
und siehe,
eine Leiter stand auf Erden,
die rührte mit der Spitze an den Himmel,
und siehe,
die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.

Und der HERR stand oben darauf
und sprach:
Ich bin der HERR,
der Gott deines Vaters Abraham,
und Isaaks Gott;
das Land, darauf du liegst,
will ich dir und deinen Nachkommen geben.

Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden,
und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden,
und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.

Und siehe,
ich bin mit dir
und will dich behüten, wo du hinziehst,
und will dich wieder herbringen in dies Land.

Denn ich will dich nicht verlassen,
bis ich alles tue,
was ich dir zugesagt habe.“

„Träum weiter!“, (POSITIV betont)
hat Jakob vielleicht gedacht.

Inmitten der eigenen Dunkelheit,
der Kopf schwer von Sorgen und Kummer,
schwer wie Stein,
öffnet sich der Himmel.

Hätte Jakob nicht endlich die Augen vor seinen Sorgen verschlossen,
und wäre er nicht endlich eingeschlafen,
wie hätte er es sehen können,
was Gott ihm zeigen wollte?

Manchmal umschwirren einen so viele Gedanken,
dass man die Hand nicht mehr vor Augen sieht.

Was soll nur werden,
wenn ich nicht mehr für mich selbst sorgen kann
wenn ich noch gebrechlicher,
noch vergesslicher werde?

Wie soll ich das nur alles schaffen?
Mein Partner,
die Kinder,
die Arbeit, der Haushalt?

So rosig war das letzte Zeugnis nicht.
Viele Freunde hab ich nicht
und im Netz werde ich nun auch noch gemobbt,
wird dummes Zeug über mich geschrieben.

Dunkle Schatten,
die sich schwer auf einen legen,
einem den Schlaf rauben wollen.

Tau des Himmels?
Fettigkeit der Erde?

Für mich?

Träum weiter! (abschätzig)

Ja!
Träum weiter! (positiv im Folgenden auch)

Vielleicht ist das gar keine schlechte Idee!

Träum!
Träum weiter!

Denn wenn das Herz schwer ist
und Sorgen wie Steine deinen Kopf füllen,
wenn deine Ohren nicht mehr hören können auf das,
was andere an Pfeilen auf dich schießen,
wenn deine Augen starr blicken,
weil du fort willst in Gedanken,
du dich an einen anderen Ort,
einen Ort der Stille und Ruhe sehnst,

wie willst du sehen,
hören,
was Gott dir schenkt?

Träum!
Träum weiter!

Verbiete dir nicht den Traum von besseren Zeiten!

Träume vom Tau des Himmels
und der Fettigkeit der Erde!

Reiß ihn nicht aus, den kleinen Keimling,
diese kleine Pflanze,
diese Idee von einem lebenswerten Leben für dich,
für andere!

Träum weiter!

Denn was vor vielen Jahrhunderten Gott zu Jakob gesagt hat,
gilt auch Dir:

„Ich, Gott, bin bei dir
und will dich behüten, wo du hinziehst!“

In Jakob sind gesegnet alle Geschlechter auf Erden.
Auch Du!

Auch Du bist Gottes Kind!

Und er verlässt Dich nicht,
wenn die Sonne untergeht,
und die Nacht über Dich hereinbricht,

Drum träum,
damit Gott deinen Traum Kraft und Leben schenken kann.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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