Eine bad Bank namens Jesus oder der Deal deines Lebens!

„Ich habe einen Schatz gefunden und er trägt deinen Namen! So wunderschön und wertvoll, mit keinem Geld der Welt zu bezahlen!“ So singt die Gruppe Silbermond von der großen Liebe und weiß auch gleich, dass man mit dieser Liebe einen großen Schatz gefunden hat.

Nun, wer will das nicht? Einen Schatz von unermesslichem Wert finden? Immer wieder beflügeln Nachrichten von zufällig gefundenen Schätzen die Phantasie der Menschen. Eine ganze Industrie ist mittlerweile daraus entstanden, die die wagemutigen Forscher mit allerlei Materialien zu versorgen weiß, damit die Schatzsuche sicher ein Erfolg werden kann.

Die Aussicht auf einen Schatz, der gefunden werden möchte, hat seit jeher die Sehnsucht in den Menschen geweckt. In früheren Zeiten war es zudem durchaus üblich, Dinge, die einem lieb und teuer war, zu vergraben. Die Chance war also entsprechend größer, etwas Vergrabenes zu finden. Warum also nicht auch auf einem Acker?!

Wenn Sie, liebe Habeler, jedoch heute auf Ihren Äckern graben würden, dann werden Sie wohl kaum Schätze, wohl aber mit Sicherheit eine Menge Steine finden. Diese Arbeit wiederum wird Ihnen dann auch Perlen einbringen – auch wenn es bloß Schweißperlen sind.

Aber Jesus macht das sehr geschickt. Er bedient sich eines Bildes, das seinen Mitmenschen sehr vertraut ist. Das alltägliche Geschehen reicht ihm aus als Hintergrund für seine überaus kostbaren Erzählungen: Der ewig gleiche Acker, der bearbeitet werden will, das Land, die harte Arbeit, die vertrauten Handgriffe, tagein tagaus. Genau in diesem Alltag, mitten in die tägliche Arbeit hinein, lässt Jesus, etwas vom Himmelreich aufblitzen.

Der Schatz im Acker ist etwas außergewöhnliches, aber nichts Unglaubliches. Jesus berichtet der staunenden Menge von zwei Menschen, denen in ihrem Alltag etwas sehr kostbares begegnet. Einer der zwei ist ein Ackerbauer, der „wie sonst auch immer seine Bahnen über den Acker zieht. Nichts Neues unter der Sonne, so mag er gedacht haben. Tag für Tag eingebrannt in die Alltäglichkeit des Lebens. […] Das ewige Auf und ab. Der Ackerboden zeigt sein ewig gleiches Spiel. Und plötzlich wird diese Alltäglichkeit, diese Routine des Gewöhnlichen unterbrochen. […] Unerwartetes leuchtet hervor. Ein unverdienter Schatz wird gefunden. Womöglich einer, der im Rahmen traditioneller Besitzverhältnisse und hergebrachter Normen ihm nicht zusteht. Dies spielt nun keine Rolle mehr.“ (Vgl.: Landesbischof F. O. July, 9. Sonntag nach Trinitatis, 5. August 2007, 10 Uhr Predigt über Matthäus 13,44-46, Berlin).

Der Schatz glitzert herrlich in der Sonne und die Alltagsrealität ist durchbrochen. Und weil der Schatz so kostbar, so schön und so wertvoll daher kommt, versucht der glückliche Finder natürlich diesen zu behalten.

Jesus, an dieser Stelle wirklich wahrer Mensch, erzählt ferner, wie der Finder den Schatz schließlich in seinen Besitz bringt. Es ist nicht ganz legal, was er tut, aber „Jesus kann offenbar damit rechnen, dass seine Zuhörer mit dem Verhalten des durchtriebenen Finders einverstanden sind“. (Vgl.: E. Jüngel: Predigten, München 1968, S. 48). Er vergräbt den Schatz erneut, tut so, als ob nichts wäre, und kauft einfach den ganzen Acker – in der Hoffnung, noch mehr Schätze finden zu können. Hofft der glückliche Finder doch, dass der weitere Gewinn, der hier auf ihn wartet, groß sein wird. Und wirklich: Mitten in dem harten Alltagsgeschäft schlägt das Himmelreich ein. Damit war nicht zu rechnen. Aber jetzt ist es da. Und der Ackerbauer, dem der Acker nicht gehört, ergreift seine Chance.

Der Ackerbauer weiß ganz genau, „was er tun muss, um zu seinem Vorteil zu gelangen und Gott weiß, zu wem er kommt. Und deshalb scheut Jesus das anrüchige Gleichnis von dem durchtriebenen Tagelöhner und das reichlich merkantile Gleichnis vom ‚Großkaufmann‘ in Perlen nicht.“ Beide schätzen die Lage nüchtern, aber im Sinne des Menschensohnes, korrekt ein: Ein unglaublicher „Mehrwert“ wartet hier auf die beiden und sie tun das einzig richtige; sie verkaufen alles, was sie besitzen, um sich diesen Mehrwert zu sichern. (Vgl. E. Jüngel, ebd.)

Das alles klingt Ihnen zu wirtschaftlich, zu kalkuliert, auch zu nüchtern und kalt und ein bisschen zu sehr nach Aktien und Börse? Immerhin ist es ja das Himmelreich, von dem hier sowohl in Form einer Perle, als auch im Finden eines Schatzes berichtet wird. Leider wird dieses Himmelreich ja bisweilen nicht als so wertvoll wahrgenommen, wie es dem Wesen nach eigentlich ist. Dabei verblasst ja aller irdischer Gewinn im Angeishct dieses Ereignisses: Etwas wertvolleres als das Himmelreich gibt es nicht. Eine Steigerung ist nicht möglich, darum muss dieser „Mehrwert“ gut und einprägsam herausgearbeitet werden. Alles Hergebrachte „verliert seinen Wert, um dieser einen, neuen Perle, dieser neuen Dimension […] Platz zu machen. Und daraum geht jeder Zuhörer nnerlich mit und nickt zustimmend, wenn der Händler alles verkauft, um dem einen Herr zu werden. Jesus führt seine Zuhörer in das alltägliche Weltgeschehen von Handel, Wandel, Acker und Leben.“ (Vgl. F. O. July, a. a. O.). Und in dieser Welt geht es nun mal auch geschäftlich zu.

Der Perlenhändler und der Ackerbauer machen jeweils das Geschäft ihres Lebens, weil sie die Gunst der Stunde erkannt und die Gelegenheit beim Schopfe gepackt haben. Zögerlich darf man in der Geschäftswelt nicht sein, denn sonst schnappt ein anderer einem den großen Deal weg. Und eben dieser Deal beinhaltet in den von Jesus erzählten Gleichnissen vom Schatz im Acker und der wunderbaren Perle nicht weniger als das Himmelreich. „Das Himmelreich ist zu haben. Jesus bietet es an. Jeder, der ihn hört, kann es erwerben!“ (Vgl.: E. Jüngel: A.a.O., S. 49).

Allerdings ist das mit dem Himmelreich so eine Sache! Wer möchte schon gerne die Katze im Sack kaufen? Natürlich gibt es Menschen, die liebend gerne bei Kofferversteigerungen mitbieten ohne zu wissen, was in dem Koffer ist. Und natürlich kann das auch das Geschäft ihres Lebens sein, aber es kann auch zu einer herben Enttäuschung werden, wenn am Ende doch kein unverhoffter Schatz, keine Perlen und keine Goldbarren im Koffer sind, wohl aber alte, getragene, früher einmal weiße, Tennissocken.

Mit dem Himmelreich ist das anders. Ganz anders. Das ist nämlich keine Mogelpackung und auch keine Glücksspiel – was den Inhalt betrifft. Der ist nämlich auch immer gleich und für alle Menschen gleichlautend: „Das Himmelreich – das ist Gott selbst in Aktion“ (Vgl.: E. Jüngel, ebd.). Das klingt zunächst gar nicht so spektakulär und das muss es auch nicht. Gott selbst in Aktion ist ja schon genug Programm und sein Handeln schlägt sich auch nieder in dem was sich unverhofft ereignen kann. Jeder hier wird Geschichten zu erzählen haben oder wird sich an Ereignisse erinnern können, in denen Verheißungsvolles, glückliche Fügungen, unerwarteter Erfolg, neue Chancen im Leben oder ein anderer Mensch, wie man bis dahin noch keinen vorher getroffen hatte, in seinem, in ihrem Leben zum Vorschein kamen. So kann es gehen, aber es geht auch anders. „Auch der vierte Versuch, einem Menschen zu vertrauen, der es angeblich nicht verdient hat“ kann einem anderen das Himmelreich aufschließen. Auch ein Besuch, „bei denen, die zurückbleiben müssen hinter dem gesunden und starken Teil der Welt.“ Das Himmelreich ist Gott in Aktion – auch dann, wenn Menschen sich füreinander einsetzen, wenn Menschen füreinander Opfer bringen. Das Himmelreich „lohnt jeden Einsatz, ist anderen und mir Hilfe.“ (Vgl.: M. Becker, in: Gottesdienst Praxis, V. Perikopenreihe, Bd. 3, Gütersloh 1989; S.15).

Das Himmelreich lohnt jeden Einsatz! Nichts ist umsonst in diesem Gefüge, alles lohnt sich! Das Verhalten des Perlenhändlers und des Ackerbauers machen das deutlich: Sie geben alles, was sie haben, ohne zu wissen, ob das reicht.

Natürlich reicht es nicht, was wir zu bieten haben! Jegliche Vorstellung davon, dass Gott auch nur durch irgendeine Handlung zu haben sei ist natürlich von der Hand zu weisen! Viele eher agiert Gott, oder genauer gesagt sein Sohn, hier und in allen anderen menschliche-göttlichen Bezügen als sogenannte „bad bank“. Gerne übernimmt der alle unsere Vergehen, unser Versagen, unsere Schuld, wenn er sagt: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühsam und beladen seid!“ „Kurz: Was uns niemand abnehmen will und kann – Jesus will‘s für sich haben“ (Vgl.: E. Jüngel, a.a.O., S. 51). Er agiert wie eine „bad bank“ und nimmt gerne alle unsre Schrottpapiere. Schließlich sind die Risiken solcher Schrottpapiere für uns enorm; denn diese können uns so beschweren und belasten, dass kein vorankommen mehr möglich ist. Mit Aktionen für uns, geschweige denn für andere, ist es dann nicht mehr weit her!

Die geschäftliche Sprache des Gleichnisses bringt es gut zusammen: Der Mehrwert des großen Deals bringt uns Entlastung, Entschuldung. Gott agiert und übernimmt die Schuld. Er nimmt den Verlust auf sich und wir haben nichts als Gewinn!

„Wir zahlen mit unseren Sünden und erwerben Gottes Gerechtigkeit. Wir geben in Zahlung, was wir aus uns gemacht haben. Und dafür werden wir Menschen, aus denen Gott etwas machen will.“ (Vgl.: E. Jüngel, ebd.) Das ist das Geschäft, der Deal, unseres Lebens – mit keinem Geld der Welt zu bezahlen!

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