Namen sind nicht Schall und Rauch

‚Ich bin getauft auf deinen Namen‘ – das können wir von uns sagen und singen und darauf dürfen wir stolz sein – ‚Das ist auch gut so dürfen wir mit einem geflügelten Satz sagen. Wir sind getauft auf den Namen dessen, der alles geschaffen hat, der seine Volk bewahrt und begleitet hat, der uns seinen Sohn gesandt hat und mit seinem Heiligen Geist uns begleitet. Diese Zusage erhalten Menschen vor 2500 Jahren in schwerer Zeit im Exil König Nebukadnezars. Äußerlich geht es ihnen nicht schlecht, aber sie sind Gefangenen, leben von Gnaden der Babylonier und tragen in sich die Sehnsucht nach dem Land Ihrer Mütter und Väter.

Und wie das so ist, wenn man rückwärts gewandt lebt und denkt ‚Früher war alles viel besser‘, langsam beginnt die Resignation. Man zerfällt – innerlich und äußerlich. Und in solche Situation hinein kommt der Prophet:

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Erst einmal ist es ein Heilsorakel, aber ein Besonderes: Sicher, die Bewahrung in den Elementen wird besonders hervorgehoben. Wo immer Gefahr droht, ist Gott bei dir. Die Aussage ist tröstlich, und sie wird verstärkt dadurch, dass der Gott von dem der Prophet redet der Gott ist, der dich beim Namen ruft, der dich kennt und bei dir sein will. Das ist eine ganz besondere Zusage in einer Welt, die von Götter nur so überfüllt ist. Da gibt es einen einzigartigen Gott – den Gott Israels, der verlangt nicht als erstes Anbetung und Opfer, sondern der schaut die Seinen als erstes liebevoll an und ruft sie beim Namen. Dieser Gott will auch nicht militärische Siege, aber er will Befreiung.

Befreiung, die daraus kommt, dass Gott sich zu uns bekennen und dass wir uns zueinander bekennen dürfen.

Namen sind eben nicht Schall und Rauch. Sie sind bedeutend für die Persönlichkeit ihres Trägers. Sie sind zwar nicht einzigartig, wie Genkombinationen oder Fingerabdrücke, aber sie machen uns ansprechbar, manchmal auch angreifbar – auf jeden Fall aber auch ‚liebbar‘, wenn man bedenkt, mit wie viel Namen sich Liebende mitunter gegenseitig bedenken.

Das Wort Gottes ist Ausdruck der besonderen Zuwendung und Liebe Gottes. Er wendet sich den Menschen bedingungslos zu und bekennt seine Treue auch zu den Menschen, die eigene Wege gehen.

Und er bekennt sich in besonderer Weise zu seinem Volk, das im Exil seine eigene Verlassenheit spürt, dem bewusst wird, dass es diese Situation durchaus verdient haben könnte. Aber Gott sagt Nein. Ihr behaltet Euren Namen ‚Volk Gottes‘. Und ihr behaltet eure Bedeutung unter den Völkern. Ihr seid mein geliebtes Volk und darum werdet ihr leben, auch wenn die Menschen euch verachten.

Das gilt zuallererst natürlich für Israel.

Aber auch für uns. Für seine christliche Gemeinde, für die Menschen, die Jesus Christus als ihren Herrn erkannt haben.

Wir dürfen singen ‚Ich bin getauft‘ und trotzig wie Martin Luther einst uns vor Augen führen: ‚Ich bin getauft‘. Was kann aus mit mehr werden als Getauft zu sein auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes?
‚Fürchte dich nicht…‘ diese Botschaft hat einen besonderen Klang. Sie galt den Engeln auf den Feldern und Maria. Diese Botschaft gilt immer. Auch weil Gott weiß, dass das Leben, dass sein Wille, dass unser Alltag uns oft große Dinge abverlangen. Wir müssen reagieren, umgehen mit dem was wir erleben, was wir als Herausforderung empfinden. Und vielleicht erst einmal zugeben, wie viel uns Angst macht, unsere Gefühle verwirrt, unsere Sinn benebelt.

Unser Prophetenwort ist ein Trostwort an die Deportierten in Babylon: Nichts kann euch etwas anhaben. Ein Trost aber keine Vertröstung für Menschen, die sich fremd fühlen in ihrer Umwelt. Denen wird gesagt: ‚Fürchte dich nicht…‘ Diese Zusage verbindet der Prophet mit einerer Aufforderung zum Mut zum Risiko: Du darfst den Ausbruch wagen im Vertrauen auf Gott, der dich begleitet. Ein neuer Exodus ist möglich. Es ist immer wieder neu möglich aus den Ängsten und Gefahren aufzubrechen in ein neues Land, das der Herr uns zeigen will. Es ist mit Gottes Hilfe möglich an den Verhältnissen, die kaputt machen etwas zu ändern. Nicht im Sinne von ‚Macht kaputt, was euch kaputt macht‘. Sondern in dem Gefühl: ich bin Gott so viel wert, dass er mich befreien kann und auch meine Niederlagen in Siege verwandeln kann.

Er schenkt mir die Verheißung, dass er mit mir alle Menschen sammeln will, die sein Wort hören, die seinen Willen tun, damit wir gemeinsam seine gute Schöpfung bewahren können und in Frieden leben können.

Das ist das Ziel dessen, der uns beim Namen kennt.

Fürchte dich nicht, ist kein Befehl, sondern eine Einladung, die Ängste ernst nimmt, die auch von meinen eigenen Ängsten handelt.

Dieser Gott will uns Mut machen, neue Aufbrüche zu wagen, neue Chancen zu ergreifen. Er will uns helfen, den neuen wegen zu vertrauen, die die Liebe schenkt.

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