Was hilft mir zum Leben?

Die Verlockung alles umsonst oder billig zu bekommen ist verführerisch. Sie führt dazu, dass ich Entscheidungen treffe, die ich bereue. Billige Sachen, bei denen ich weiß, dass sie ihr Geld trotzdem nicht wert waren. Oder billige Sachen, bei denen ich weiß, dass andere in Bangladesch oder China einen teuren Preis dafür bezahlt haben. Manchmal sogar mit ihrem Leben.

Das ist keine Erfahrung der Neuzeit. Der Prophet Jesaja imitiert in Babylon, bei den Angehörigen des Volkes Israel, die im Exil leben, einen Marktschreier, der billiges Wasser anbietet und damit Einiges über seine KundInnen verrät:

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Unser Text ist eine prophetische Ironie.

Zielrichtung sind Menschen, die ihren Halt, ihre Heimat verloren haben, hier Menschen, die im Exil leben. Nicht ihre Not steht im Mittelpunkt, sondern, dass sie nicht mehr zwischen wirklichem Angebot und Strohhalmen unterscheiden können.

Jesaja leidet mit ihnen. Er weiß, was das für ein Elend ist, Heimat und Halt verloren zu haben. Er weiß, was es bedeutet, in der Fremde um das Überleben kämpfen zu müssen. Es ist keine überhebliche Ironie. Es ist fast schon eine seelsorgerliche Haltung, mit der der ihnen klar machen möchte: Ihr habt alles Recht der Welt auf Eure Lebensgrundlagen. Ihr dürft darauf pochen, dass ihr Wasser und Brot habt – soviel wie ihr braucht.

Um so schlimmer ist es, dass es dort in Babylon Menschen gibt, die Euch alles anbieten, aber es taugt nichts. Und noch schlimmer, dass ihr das nicht einmal merkt.

Jesaja imitiert einen Marktschreier, einen Wasserverkäufer und geißelt damit die billigen Sprüche derer an, denen wir so oft gerne zuhören. Egal was der Marktschreier anpreist: Brot, das nicht sättigt, Wasser, das keinen Durst löscht – Tinnef: Wir springen drauf an. Wir kaufen Ware, die nichts wert ist. Und wir möchten noch weiter gehen: Wir kaufen Ware, die kaputt macht, Umwelt und Mitmenschen. Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen nur weil sie uns angepriesen werden.

Und warum erzählt der Prophet das alles. Weniger um die materielle Not anzuprangern. Mehr um den Menschen ihre Verführbarkeit aufzuzeigen. Und wir müssen heute und hier bekennen, dass wir genauso verführbar sind, dass wir uns sehr gerne verführen lassen, wenn Tinnef angeboten wird. Essen, das nicht nährt, Kleidung, die weder kleidet noch anständig hergestellt wird.

So ergeht es uns auch mit Gottes Wort und seinen Predigern. Die billigen Marktschreier, die uns irgendwelche fragwürdigen Weisheiten und Lehren um die Ohren hauen, denen vertrauen wir oft mehr als denen, die Gottes Wort sagen, als denen, die etwas von uns fordern, als denen, die uns an die Substanz gehen, weil sie wirklich uns Heil und wert für unser Leben vermitteln wollen.

Die Verlockung alles umsonst oder billig zu bekommen ist verführerisch. Sie führt dazu, dass ich Entscheidungen treffe, die ich bereue. Billige Saschen, bei denen ich weiß, dass sie ihr Geld trotzdem nicht wert waren. Oder billige Sachen, bei denen ich weiß, dass andere in Bangladesch oder China einen teuren Preis dafür bezahlt haben. Manchmal ihr Leben.

Die Verlockung, das Leben, den Sinn im Leben umsonst oder ganz billig zu bekommen verführt mich immer aufs Neue. Ich gehe den Rattenfängern auf den Leim, die mir erzählen wollen, das Leben sei ganz easy: mach, was du willst. Gott findet dich immer noch toll. Sei wie du magst, alles ist in Ordnung. So erzählen sie mir. Nur damit ich nicht merke, dass Jesus in seiner Verkündigung und Gott in seiner Zuwendung und der Heilige Geist in der Kirche mir deutlich sagen, dass die Botschaft nicht ohne Folgen bleiben kann.

Mein Glaube will mich verändern, will mir helfen, Leben zu gestalten in dem Bewusstsein, dass ich geliebt werde. Und das verändert mich. Ich lerne plötzlich, dass Gott mich auf einen Weg gestellt hat, der nicht immer einfach und bequem ist. Dieser Weg kann rau und unwirtlich sein, aber er ist der Weg Gottes, der Weg, den Gott mir weist, der Weg, der gerade zu den kleinsten Schwestern und Brüdern führt.

Dieser Weg besteht zwar nicht aus religiösen Pflichten, aber es ist ein Weg zu den Menschen. Und wer jemals versucht hat, ernsthaft mit Menschen zu reden, weiß, wie schwer der werden kann. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt, weil auf diesem Weg eine Menschlichkeit entstehen kann, die uns alle weiterbringt.

Für Jesaja geht es darum, dass die Menschen im Exil, um Ausland ihren Glauben nicht verlieren. Und vielleicht ist es ein erster Schritt, wenn wir in unserer Gesellschaft Raum schaffen, dass die Menschen, die hier im Exil sind, ihren Glauben nicht verlieren müssen.

Aber über diese Aufgabe dürfen wir unseren eigenen Glauben nicht verlieren. Und unseren Weg nicht verpassen. Wir, müssen gemeinsam daran arbeiten einen christlichen Lebensstil zu entwickeln weiter zu gestalten. Dazu gehört sicher auch der sorgsame Umgang mit der Schöpfung und den Gaben Gottes. Dazu gehört die Verantwortung dafür, dass alle Menschen von ihrer Arbeit satt werden können. Dazu gehört aber auch das Ziel, dass die Menschen von ihrem Heil erfahren
Mission ist Verheißung für die Gemeinde, aber sie muss mit dem Leben der Gemeinde in Deckung sein. Wir dürfen nicht preisen, was wir selbst nicht leben.

Kirche, die missionarisch sein will, muss sich selbst fragen: Wie lebe ich? – was bin ich bereit zu geben? – und wie bin ich bereit mich auf andere Menschen einzulassen?

So oft wie ich gute Ratschläge von Mitmenschen ignoriere, so oft ignoriere ich auch Weisungen Gottes. Auf Beides sollte ich Acht geben. Es gibt Dinge, die sind die Zeit nicht wert, dass ich sie bedenke. Aber es gibt Hinweise, wie Leben gelingen kann. Und dafür muss ich mir Zeit nehmen, abzuwägen: Was hilft mir zum Leben – wo will Gott mir helfen zum Leben?

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