Aussaat des Glaubens = Ernte des Lebens?!

Liebe Schwestern und Brüder!

Saat und Ernte des Glaubens
Unser Herr Jesus sprach häufig in Gleichnissen und drückte sich mit bekannten Bildern aus, um seine Botschaft vom angebrochenen Reich Gottes zu erklären und zu unterstreichen.
Und das Bild von Saat und Ernte ist ein typisches biblisches Bild, um zu illustrieren, was passiert, wenn die gute Saat, wenn das Wort Gottes im Menschen sozusagen als Saatkorn des Glaubens ausgesät und somit die Saat des Evangeliums im eigenen Leben gewissermaßen erntereif aufgeht! (siehe Markus 4)
Und ich gehe davon aus, dass die Saat auch in Ihnen/euch aufging und nicht brach liegt!
Gegen die innere Dürre und Magerkeit des gleichsam manchmal trockenen Bodens wässern wir mit dem Wasser des Lebens und nutzen metaphorisch gesprochen den Dünger des Glaubens, um das Wachstum und Gedeihen dieses persönlichen Glaubensprozesses zu fördern.
Also die Saat des Glaubens wurde ausgebracht und wenn zudem beim Säen noch vieles auf fruchtbaren Boden fiel, dann ist die Ernte da und groß!
Das ist ein biologisches Naturgesetz, das auch in den religiösen Bereich übertragen werden kann. Die Ernte ist groß bzw. kann groß sein!
Dieses zeitlose Bild aus der Landwirtschaft, das Jesus hier benutzt, ist selbst dem Hobbygärtner des 21.Jahrhunderts noch bestens bekannt.

Moderne Mähdrescher für die Ernte?
Und brauchte man von der Antike bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts wirklich noch Dutzende von Arbeiter/innen, um die große Ernte einzubringen, dann erledigt das heute -sagen wir- ein großer Mähdrescher von Claas oder New Holland mit über fünf Metern Schnittbreite ruck zuck.
Ablauf-und prozessautomatisiert, mit modernsten Schneidwerkzeugen und GPS-Sensoren ausgestattet und in der Effizienz optimiert, ernten diese riesigen Erntemaschinen ein hundertfaches mehr als irgendwelche neu eingestellten Arbeiter für die Ernte des Glaubens. Für diese Art der Erntearbeit ist diese hochleistungseffiziente Maschine optimal, denn nur ein einziger guter und sich mit dem Ernteauftrag identifizierender Fahrer reicht,
um die vor ihm liegende Ernte einzubringen. Der bildlich gesprochene Mähdrescher hat auch den Vorteil, dass er nicht so wehleidig ist, stressresistent ist und bleibt und vor allem kein Burn-Out kriegt, wie die wie eine Herde umher irrenden Schafe sich verhaltenden Arbeiter, wenn sie unter Stress geraten, weil der gute Hirte sie nicht führt bzw. fehlt. Und noch eine Bemerkung zu dieser Art der Ernte mit dem Riesenmähdrescher. Diese Maschinen sind große Ungetüme und wenn so ein roboterhaftes oder "transformerhaftes" Maschinenungetüm auf einen zukommt, dann will die Ernte lieber nackt im Wind stehen bleiben und verrotten oder fliehen als sich von diesem Mähdrescher im wörtlichen Sinn platt machen zu lassen.
Doch liebe Schwestern und Brüder, versuchen Sie jetzt einmal aus den von mir noch zusätzlich angebotenen Bildern auszusteigen und lassen Sie uns zum Kern der Saat des Guten und deren Ernte kommen.

Saat und Ernte des Lebens
Geht die Saat des guten Lebens auf, wenn wir dem Evangelium von Gottes Liebe und Gnade in Jesus Christus glauben?! Für die überzeugten Christen ist dies keine Frage und die Sache ist klar. Natürlich geht die Saat inwendig auf und bringt Frucht. Man wächst und gedeiht im Glauben mit Rückschlägen und Zweifeln, aber auch mit Erfolgen und Glaubenssicherheit. Die Liebe Gottes durch Jesus Christus lässt es inwendig wachsen und gedeiht in uns. Eine Art Innere Mission der Liebe Gottes in uns selbst kann beginnen. Jesu Worte und Taten, seine Botschaft von der Erlösung und vom Reich Gottes sind in uns durch die Taufe eingesät, der Keimling des Glaubens geht hoffentlich auf und wir reifen im Glauben mit der Saat des Guten und dem Segen der großen Ernte. Unser Leben wird reifer und runder, weil der Glauben in schweren Zeiten trägt und in guten Zeiten tiefe Dankbarkeit für Gottes Güte, seine Gnade, seinen Segen und Liebe im Leben und auf den Spuren des Lebens schenkt.
Da ist dann Dankbarkeit statt Resignation und Frustration.
Da ist dann Liebe, Gnade, Güte und Erlösung -hören Sie diese schönen Worte, die, wenn sie in die eignen Erfahrungen des Glaubens übergehen, ihre wahre Schönheit und Brillanz bekommen-statt ewiger Wut und Hass auf jeden und alles, statt Gnadenlosigkeit, Gier und Rücksichtslosigkeit, statt ständiger gefühlter Ohnmacht und Frustration und existentieller Verlorenheit durch Drogen, Rausch, Vereinsamung und kalte Lieblosigkeit.

Verlorenheit
Wer Letzteres alles erlebt, praktiziert und aushalten muss ohne Perspektive, ohne Hoffnung und ohne einen Silberstreif am Horizont, der ist, bleibt und fühlt sich verloren, nicht nur im religiösen Sinn, sondern auch gesellschaftlich oder psychologisch gesprochen. Die Medien sind voll mit solchen Berichten. Das und dort sind die verlorenen Kinder unserer Zeit.
Wir alle kennen solche „verlorene Schafe des Hauses Israel“ und wir bitten Gott und beten zu ihm, uns Menschen und Arbeiter zu schicken, diese Art von existentieller und persönlicher Verlorenheit zu beenden und Rettung, Erlösung und Liebe in ihr Leben zu bringen.
Doch hören! oder besser: wollen die Menschen in der heutigen Zeit wirklich noch gerne das Evangelium von Jesus Christus anhören oder stricken Sie sich mittlerweile viel lieber ihre eigenen „Glaubens- und Liebesweisheiten“ aus dem Internet zusammen, die Halt und Orientierung in der existentiellen Verlorenheit vorspiegeln?
Ist also Jesu Botschaft von der barmherzigen Liebe Gottes, der sich in seiner Gnade aller Menschen annimmt, der gleichermaßen Sünder, Erfolgreiche und Verlorene rettet, wirklich noch relevant und lebensnotwendig?
Und brauchen wir heute wirklich mehr Arbeiter im Weinberg oder auf dem Acker des Herrn? Oder weniger Arbeiter und besser qualifizierte oder ganz andere!? Weil sich eben die Zeiten änderten seit Jesus dies verkündigte und die damalige Urgemeinde zur Zeit des Evangelisten Matthäus sich damit auseinandersetzte.
Und müssen wir um solche Arbeiter und Quasi-Missionare bitten und darum beten, dass Gott uns solche Menschen schicke, die den Mut und die Courage haben, hinzugehen zu den verlorenen Schafen des eignen Hauses, um die vor uns liegende große missionarische Ernte einzuholen?
Das sind alles –vom Predigttext abgeleitete- wichtige Gedanken, die wir heute nicht alle beantworten können.
Und selbst zurzeit Jesu gab es keine einfachen Rezepte die große Ernte einzufahren.

Freiheit und Erlösung
Was wir mit unserem Glauben hier und jetzt an eben diesen Herrn Jesus Christus beantworten können ist, dass durch das Kommen seiner Botschaft von der Liebe Gottes und seiner Auferstehung keiner verloren ist im Leben und im Sterben. Das ist religiös gesprochen wahr und das macht frei.
Das macht frei und schenkt die Gelassenheit des Glaubens. Es macht insofern frei und auch innerlich souverän zu wissen, dass unser Leben in Gottes Liebe geborgen ist. Zu wissen, dass es Gottes Liebe ist, die unser Leben behütet, bewahrt, segnet, umgreift, stärkt und den nötigen Halt in Angst, Sorge, Zweifel und Unglück gibt, dieses tiefe Gottvertrauen macht wirklich frei und gibt Kraft, Halt und Stärke fürs Leben.
Es macht frei von unnötigen Ängsten, es kann und will frei machen von der sinnlosen Gier nach Leben oder dümmlichen Motivation öde nach ewiger Jugend und Gesundheit zu streben, so dass wir in der behüteten Gnade und Liebe Gottes auch eine schwere Krankheit annehmen und aushalten können, und uns nicht nur verloren und verlassen fühlen. Denn wir sind eben nicht verloren und verdammt, sondern erlöst durch die Liebe und Gnade Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist, wie es sinngemäß bei Luther im Kleinen Katechismus heißt.
Und so sind wir auch innerlich frei und können in großer Freiheit von der in uns im Glauben gewachsenen Liebe Gottes abgeben.
Ja es macht auch frei für den Auftrag und motiviert, Zeugnis abzulegen und erzählen zu können von der Botschaft Jesu Christi und der persönlichen Glaubenserfahrung, Gott zu lieben und den Mitmenschen auch.
Das sind unsere Mission und unser Auftrag für die verlorenen Kinder unserer Zeit. Erzählen und bezeugen mit den Möglichkeiten und Begabungen, die in uns stecken und von den Glaubenserlebnissen berichten, die in uns als Frucht der Lebens- und Glaubenserfahrung wachsen, das können wir. Jeder und jede von uns kann dies an ihrem Platz, wenn das Verlorene zuhause sitzt oder am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, beim Sport, im Verein oder in der Nachbarschaft tun.

Also was tun und es wie tun?.
Immer wieder hingehen zu den verlorenen, orientierungslosen, jammernden Menschen unserer Zeit und in den Gemeinden, erzählen von der Liebe Gottes, berichten vom Leben mit dem Glauben und wie wir damit Kraft schöpfen gegen diese manchmal auch zu Recht beklagte Verlorenheit und Absurdität des Lebens und dessen Abgründe, das ist uns alles möglich. Das alles können wir.
Aber gleichzeitig auch die dringliche Bitte an Gott richten und das Gebet für die Menschen aus sprechen, Gott möge die richtigen Arbeiter für die Ernte unterm Volk senden!

Mission
Und ich denke bei dieser Form der Mission helfen weniger leistungsoptimierte und auf zählbare Leistung abgerichtete „Mähdreschertypen“ von Pfarrern oder bissige „Schäferhunde“ des guten Hirten, die in von Ökonomie berauschten Theologenkreisen ausgedacht wurden, sondern viel mehr die gute alte Art der Eins-zu-Eins-Situation von Mensch zu Mensch. Da zeigt sich dann mit der Zeit, ob die Saat langfristig aufgeht und die Ernte eingefahren wird. Missernte und Verlorenheit als Synonyme für die Ignoranz gegenüber dem Evangelium oder gar dessen vehementer Ablehnung, müssen die Erntearbeiter auch aushalten. Die Arbeiter brauchen Mut, Courage und die einhellige Unterstützung von Kirchenleitung und Kirchengemeinde vor Ort. Aber auch die innere Gelassenheit zu wissen, dass Gott die Ernte aufgehen lässt. Und nur Gott lässt sie aufgehen! Nicht wir vollbringen die Ernte.
Und dann können wir alle gut mit der religiösen Gewissheit leben, dass die Saat der göttlichen Liebe und deren Ernte, die dann hoffentlich aufgeht, sogar dreißigfach, sechzigfach oder hundertfach Frucht bringt. Welch ein Segen in und durch den Glauben.
Möge diese Saat des Glaubens stets aufgehen und Gott uns allen die Kraft geben, von dieser Saat des Glaubens und Reife der Ernte im eigenen Leben zu erzählen. Nochmals: Jeder für sich an seinem Ort, in seiner Familie und in seinem Beruf. Das ist unser Auftrag.
Immer mit der Botschaft im Hinterkopf, dass Jesus Christus gekommen ist, den verlorenen Menschen zu finden, zu versöhnen und zu erlösen, denn in, mit und durch den Glauben an eben diesen Jesus Christus geht die Saat des Lebens auf und wächst zur inneren Reife und Ernte des Lebens. Das glauben wir.
Und von dieser Ernte zu essen und zu trinken, macht im übertragenen Sinn satt, stärkt auf dem Weg durchs Leben und wenn davon genug in der Tenne oder im persönlichen Speicher liegt, um anderen davon abzugeben, dann sollen wir dies tun, aus Liebe zum Nächsten und als Dienst für Gott. Auch das ist unser Auftrag, denn die Ernte ist groß.
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

drucken