Wofür ist Kirche da?

Wofür ist Kirche eigentlich da? Immer mehr Menschen unserer Tage fragen so. Manchmal gibt es dafür Anlässe. Oft aber auch scheinbar grundlos oder weil der Steuerberater dazu anregt. Wofür ist Kirche eigentlich da?

Da kann es sinnvoll sein hinzuschauen. Hinschauen auf die Wirklichkeit der Kirche: wer sind wir, was machen wir. Aber auch Hinschauen auf den Willen Gottes und die Verheißungen Christi. Womit beauftragt Jesus die Seinen, bevor er sie verlässt. Dazu ist uns heute ein Abschnitt aus den Abschiedsreden Jesu gegeben.

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Jesus sendet hier seine Jünger in eine Gesellschaft, die sie durchaus als feindlich erleben. Er sendet sie in die Welt – und er begrenzt ihre Sendung zugleich auf das ihnen bekannte Terrain: Israel.

Für Jesus und die Seinen ist klar: Christlicher Glaube kann nicht bestehen ohne das Bedürfnis, Menschen davon zu erzählen, was einem selbst so wichtig geworden ist. Missionare – Menschen, die von ihrem Glauben erzählen, sind die Engel der Jetztzeit. Sie sagen Gottes Willen, um Menschen zu helfen. Sie sagen Frieden an – und sind doch wehr- und hilflos. Sie erzählen, damit andere Menschen erfahren, welche Wahrheit sie bewegt.

Kirche kann nicht leben, ohne dass sie von Jesus erzählt. Sie kann aber auch nach Jesu Aussage nicht leben ohne heilende Kirche zu sein. Eine Anmerkung, die einem schon Angst machen kann. Wie oft stehen wir verzweifelt an Krankenbetten, erleben unsere Ängste und unsere Hilflosigkeit. Es ist ja gerade nicht so, als gäbe es dort wo Christus verkündet wird, kein Leid und keine Krankheit und schon gar keinen Tod.

Aber vielleicht ist es trotzdem so: Wo Menschen von Jesus reden, können Menschen gesund werden, können Beziehungen gesund werden, kann Menschlichkeit aufblühen. Wir werden vielleicht nicht Naturgesetze aushebeln können, wie Christus es konnte. Aber vielleicht können wir Menschen beistehen, ihnen helfen, sie trösten und so ein wenig mehr heil machen.

Dort wo das Evangelium gepredigt wird, können Menschen gesund werden. Dadurch, dass Jesus seine Jünger in die Welt sendet, wird nicht nur die Botschaft verbreitet, sondern auch ein Stück vom Heil, ein Stück von der Erlösung erfahrbar. Dort wo Menschen uns begegnen und es ist ihnen auch nur ein wenig geholfen, dort blüht das Reich Gottes.

Wir werden nicht alles Leid aus dieser Welt verbannen, aber wir dürfen auch nicht nachlassen, es zu versuchen. Wir dürfen nicht aufhören mit dem Versuch, Menschen heil zu machen, ihnen gut zu tun. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seinen Segen legen wird auf unser Tun.

Und es wäre auch schon ein Anfang, wenn in der Kirche Kranke und Behinderte nicht gelitten sind, sondern willkommen sind. Wenn wir nicht beiseite rücken würden für sie, sondern wirklich mit ihnen Gemeinschaft hätten.

Wichtig ist, dass ich die Not der Menschen ernst nehme, die das Reich der Himmel erwarten. Das Evangelium wendet sich vor allem an die Armen, die Ausgepowerten – und Jesus ist der, der mit ihnen Mitleid hat, der sich ihnen zuwendet mit Liebe und Fürsorge. Ich als Christenmensch will lernen, das Leid der Menschen wahrzunehmen. Und dann will ich lernen, für diese Menschen da zu sein, ihnen zu helfen, ihre Lasten zu tragen, die Liebe zu leben.

Der Sohn sendet die Seinen mitten hinein in die Welt, die des Heils bedarf. Sie sollen alle heilen, heißt wohl kaum, dass sie das vermögen, alle zu heilen, aber sie dürfen niemanden verloren geben. Jeder braucht Heil, braucht frohe Botschaft und menschliche Zuwendung. Jeder Mensch braucht die Liebe der Mitmenschen. Darum bittet Jesus um genügend Menschen, die sich in den Dient nehmen lassen. Er gebraucht das Bild der Ernte. Wenn das Getreide reif ist, dann brauche ich Menschen, die rausgehen und ernten. Die Welt braucht Christinnen und Christen, die hinausgehen, um zu verkündigen und zu heilen. So gut sie es eben können und ohne zu verzweifeln an ihren eigenen Grenzen.

Das Bild von der verlassenen Herde ist ein wiederkehrendes biblisches Bild. Die Herde des guten Hirten braucht Betreuung. Wir leben in der Nachfolge des guten Hirten und wir dürfen seine Herde betreuen, einander HelferInnen sein, das Leben zu genießen. Wir müssen das nur immer wieder neu lernen: Gehen lernen – sehen lernen – heilen lernen. Und wir müssen immer wieder neu lernen darauf zu vertrauen, dass wir selbst behütete sind, die andere behüten dürfen und sich behüten lassen dürfen.

Wer glaubt, lernt das täglich neu, dass seine Füße Wege gehen. Wege zu Menschen, die Hilfe brauchen, ein freundliches Lächeln, ein gutes Wort, eine hilfreiche Handreichung, vielleicht aber auch schweigendes Zuhören.

In allem begrenzt Jesus das Arbeitsgebiet seiner Jünger: Geht nicht über die geographischen Grenzen hinaus. Über diese Grenze kann man lange nachdenken, philosophieren. Sollte Jesus wirklich räumliche Enge im Sinn gehabt haben? Und warum ging das Evangelium dann doch sehr schnell zu anderen Völkern?

Ich glaube Jesus wollte seine Jünger und wollte uns entlasten: Auch Euer Wirken hat Grenzen. Für die anderen Regionen werden sich andere finden. Ihr müsst Eure Grenzen nicht sprengen, weder die geographischen, noch die körperlichen oder seelischen. Natürlich gehörte zu allen Zeiten zum christlichen Glauben Mission – und Jesus selber ist ja auch in Samaria umhergezogen. Aber in erster Linie geht die Mission an die Menschen vor meiner Haustür, an meinem Arbeitsplatz in meiner Umgebung.

Kirche ist nur dort Kirche, wo sie missionarische Kirche ist. Und wo sie heilende Kirche ist. Zum Heilen gehört auch das Austreiben böser Geister. Wie der Papst letztlich versucht hat, die bösen Geister des Kapitalismus auszutreiben.

Wichtig bleibt, dass ich im Namen Jesu tue, was ich kann und den Rest in die Hände Gottes lege.

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