Gottes Firma braucht Angestellte

Liebe Gemeinde!

Rücktrittswelle

Ob uns das eines Morgens als Schlagzeile zum Frühstück serviert wird? Diese Schlagzeile:

"Angela Merkel tritt zurück". Untertitel: Die Enttäuschung ist zu groß.

Die Pressstelle gab dazu diese Stellungnahme heraus: Nach Bekanntwerden der Off-Shore-Konten deutscher Steuerflüchtlinge gibt die Bundeskanzlerin ihr Amt auf. Sie habe in den Listen zu viele Namen ihr persönlich bekannter Bundesbürger entdeckt. Es sollen sich zahlreiche Mitglieder von Parlamenten und von Länderregierungen in den Listen wiederfinden. Die hohe Zahl der Steuerflüchtlinge aus den Chefetagen der deutschen Wirtschaft gab den Ausschlag.

Die niedergeschlagen wirkende, deutsche Pastorentochter trat dann selbst vor die Öffentlichkeit. Sie begann ihre Erklärung mit einem Bibelzitat aus dem 4. Buch Moses:

(Predigttext: Vers 11 + 14).

Wie es der Zufall so will, ist diese Klage des Moses heute unser Predigttext.

Und schon am Ende der gleichen Woche könnten wir vielleicht in der "Bayerischen Rundschau" lesen.

Polizeistation gibt auf. Wir sind es leid, jede neue Woche Drogen-Dealer zu stellen und zu verhaften. Sind drei weggesperrt stehen anderntags sechs andere da. Polizeiliche Arbeit macht keinen Sinn mehr. Der unaufhörliche Kampf gegen das Unrecht hat alle Beamten derart ermüdet, dass sie nun gemeinsam von ihren Aufgaben zurücktreten.

Weiter heißt es im Artikel: Auch die Richterschaft am Amtsgericht erwägt laut zuverlässiger Quelle eine Einstellung ihrer Arbeit. Die Gründe sind wohl die gleichen, wie bei der Polizei. Weitere Berufsgruppen signalisierten, dass sie sich in den kommenden Wochen darüber verständigen wollen, ob sie sich der von der Bundeskanzlerin ausgelösten Rücktrittswelle anschließen werden. Vor allem an Schulen scheint die Neigung dazu groß zu sein. Die Mitarbeiterschaft der "Arbeitsagentur" trifft sich bereits am kommenden Donnerstag. Auch im Jugendamt ist eine Betriebsversammlung angesetzt.

Der Redakteur zeigt zwar Verständnis für diese Rücktrittswelle. Er stellt aber auch die wesentliche Frage: Wohin wird sich unser Land entwickeln, wenn immer mehr Menschen sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl entziehen? Erschreckend ist, fügt er abschließend hinzu, was die Angestellte eines Versicherungsverbandes aussprach: Ich finde diese Aktion sehr gut. Da wird endlich öffentlich, was schon lange im Geheimen passiert.

Innere Kündigung und Nebentätigkeit

Schluss mit unserem Gedankenspiel. Natürlich werden wir solche Schlagzeilen niemals lesen. Und unsere Bundeskanzlerin bleibt im Amt, solange es die Wählerschaft will und die Parteifreunde dulden. Die Polizisten bleiben im Dienst, ebenso wie Richter, Lehrer, Ärzte und alle anderen.

Aber angeblich haben gut ein Viertel aller Arbeitnehmer/innen die sogenannte "Innere Kündigung" ausgesprochen. Man bleibt auf seinem Arbeitsplatz, zieht sich aber von der damit verbundenen Verantwortung immer mehr zurück. Davon betroffen sind sicherlich auch Kirche und Diakonie.

"Innere Kündigung" ist nicht das einzige, was geschieht. Manche/r nimmt eine nicht angemeldete Nebentätigkeit auf.

Es gibt verborgene Arbeitgeber, die uns solche Nebentätigkeiten anbieten. Die einfachste Form ist der Arbeitsvertrag mit der eigenen Ich-AG. Deren Arbeitsvertrag trägt die Überschrift: Tu es für dich. Hauptsache, die "Kohle" stimmt. Was du tust und wie du es tust, ist letztendlich egal. Solange der Geldhahn offen bleibt, sind Sie in ihrer Ich-AG gut aufgehoben. Schminken Sie sich doch alle hehren Ziele ab. Sie werden doch nur ausgebeutet. Machen Sie nicht zum Deppen. Eventuell hat jede/r von uns diesen geheimen Arbeitsvertrag gut gesichert im Herzen liegen. Er ist ja auch nicht wirklich anrüchig. Wer arbeitet, arbeitet immer auch für sich.

Den anderen Arbeitgeber für so mancherlei geheime Nebentätigkeiten nenne ich einmal "FdW- Global". Die FdW-Global hat eine große, sehr überzeugend auftretende Werbeabteilung. Sie haben Macht, beginnen sie meistens ihr Gespräch. Sie haben Macht und Einfluss. Sie sind herausragend. Das haben wir schon längst bemerkt. Sie sind besser als die anderen. Aber wird das anerkannt? Sie sind gut – die anderen sind bloß neidisch und missgünstig. Wir bieten die Lösung: Behalten Sie ihre Macht. Behalten Sie ihren Posten. Wir aber nehmen ihnen das ab, was sie belastet: die Verantwortung. Geben Sie ihre Verantwortung ab. Wir regeln das für sie. Verantwortung ist nur überflüssiger, moralischer Ballast. Tun Sie etwas für uns und wir tun etwas für Sie. Gönnen Sie sich selbst die Anerkennung , die die anderen ihnen verweigern. Unser Weg ist einfach: Sie nehmen das Gute und legen das Lästige beiseite. Nein, sie müssen nicht denken, dass wir sie korrumpieren wollen. Korrupt, d.h. zerstört ist die Welt, die ihnen das nicht gönnt, was ihnen zusteht. So hart, wie sie arbeiten haben sie ein Recht auf unser Zubrot. Nein, das ist keine Korruption, wenn Sie bei uns mitarbeiten. Sie dienen einer gute Sache: Sie dienen sich selbst!

Wie groß die Mitarbeiterschaft bei FdW-Global ist vermag niemand zu schätzen. Nur ab und zu gelangen ihre geheimen Nebenverträge ins Licht der Öffentlichkeit. Wenn z.B. die Listen unversteuerter Vermögen trotz aller Absicherung publik werden. Wenn publik wird, wie Verträge tatsächlich zustande gekommen sind. Wenn offensichtlich wird, wie ganze Staaten durch Korruption in sich zusammenbrechen. Wenn man vernuten muss, dass Menschen, die Unrecht benannt haben, sich auf einmal in Anstalten wieder finden.

Es gibt sehr viele Menschen, die Macht haben. Aber von der Verantwortung, die damit verbunden ist, will man nichts wissen. Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil. Korruption ist Macht ohne Verantwortung. FdW-Global. In Langform heißt die Firma: Fürst dieser Welt. Wir sind dabei. Überall. Global.

Gemäß einer seriösen Analyse hat die FdW-Global in Dänemark die wenigsten, in Somalia die meisten Mitarbeitenden.

Pfingsten ist ein einfaches Fest

Heute feiern wir das Pfingstfest. Ein Fest, das angeblich so schwer zu verstehen und zu fassen sei. Weihnachten wird ein Kind geboren. Ostern ersteht Jesus aus dem Tod. Das kann man sich irgendwie bildlich vorstellen. Pfingsten erzählt uns vom "Heiligen Geist", den wir uns hilfsweise in Gestalt einer Taube versuchen vorzustellen. Darin kommt immerhin zum Ausdruck, dass uns etwas von Gott zufliegt.

Moses hatte alle Kraft verloren, sich weiterhin für sein Volk einzusetzen. Die Gründe dazu mögen deutlich geworden sein: Er war es leid geworden, ein Volk zu leiten, in dem jeder nur an sich selber denkt. Er war es leid geworden, einem Volk vorzustehen, dass nur ans Essen dachte und an Bequemlichkeit. "Ach, so schlimm war das nicht, in Ägypten zu arbeiten", hieß es auf einmal. Vergessen alle Willkürherrschaft, alle Folter und Zwangsarbeit. "Wir hatten wenigsten zu essen".

Und mancher unserer Zeitgenossen übersieht gerne die Unmenschlichkeit der ehemaligen DDR oder – weiter zurückliegend – des 3. Reichs.

Am Heiligen Abend feiern wir die Geburt von Jesus, die Herabkunft des Messias und seiner Botschaft. Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten, wie dich selbst. So haben es die Evangelisten zusammen gefasst. In Jesu Botschaft liegt die wunderbare Kraft der vergebenden Liebe. Sein Evangelium leuchtet auf in einer dunklen Welt. Zu Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. Zu Ostern feiern wir, dass Wahrheit, dass Liebe, dass Gott stärker sind als der Tod und jeder Hass.

Im Pfingstfest feiern wir, dass uns etwas von Gott zufliegt: Die Botschaft von Jesus, die Kraft des Lebens. Sie fliegt uns zu. Es kann ja sein, dass wir es unbewusst gar nicht wirklich wissen wollen, warum wir Pfingsten feiern. Weil wir es gar nicht wollen, dass uns etwas von Gott zufliegt.

Es sind ja nicht nur die Nebentätigkeiten bei unserer Ich-AG oder die gelegentliche Mitarbeit bei FdW-Global, die uns daran hindern. Manchmal ist es nur pure Unlust oder vielleicht ist es manchmal auch nur die Angst, der Verantwortung nicht gerecht werden zu können. Wer Verantwortung übernimmt wird haftbar. Warum soll ausgerechnet ich etwas geben und die anderen nicht? "Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit". Das soll Otto von Bismarck gesagt haben. Dieser "Scheu-Schnupfen" grassiert noch immer.

Gott sei Dank dürfen wir das Pfingstfest feiern. Pfingsten, so sagt man, ist der Geburtstag der Kirche. Pfingsten ist die Versammlung der Menschen, die vom Geist der Botschaft Jesu Christi ergriffen werden. An Pfingsten feiern wir, dass uns Gottes Geist zufliegt.

Im 4. Buch Moses wird erzählt, wie das zugehen kann:
Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich,
17 so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.
24 Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte.
25 Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

Pfingsten ist das Angebot für Sie, liebe Gemeinde, eine ganz besondere "Nebentätigkeit" in Gottes großer Firma, in seiner Christenheit, in seinen Kirchen zu übernehmen.

Ganz leicht ist es, für diese Welt, für die Menschen, die sie kennen, zu beten. Wenn Sie das eine Weile lang üben, werden sie merken, wie Sie immer mehr in ein verantwortliches Denken für die Welt Gottes hineingenommen werden und darin wachsen.

Wer Zeit hat, könnte noch mehr tun. Jeden Sonntag versammelt sich die Mitarbeiterschaft Gottes zum Gottesdienst. Es ist ja nicht einfach, in Gottes Firma tätig zu sein. Im Gottesdienst geht es um all die Fragen und Probleme, die mit dieser Aufgabe verbunden sind. Unsere "Betriebsversammlung" dürfte noch viel besser besucht werden. Wer fernbleibt, verliert leicht die Lust an weiterer Mitarbeit.

Allein in unserem Dekanat sind es seit Jahren gleichbleibend nahezu 1.000 Männer und Frauen, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren. Die einen tragen Gemeindebriefe aus, andere leiten Kreise, wirken mit die Arbeitsgruppen und Gremien. Dafür dürfen wir sehr dankbar sein.

Dankbar dürfen wir für all die Menschen sein, die in unseren Firmen, Behörden, Schulen, Institutionen und Einrichtungen arbeiten und dabei stets auch um ihren mit Gott geschlossenen Vertrag, um ihre "Nebentätigkeit" im Reich Gottes wissen und sich entsprechend verhalten.

Dankbar dürfen wir auch für die Männer und Frauen sein, die ein politisches Amt in wirklicher Verantwortung tragen, ohne falsche Nebentätigkeiten.

Das wären ja auch gute Schlagzeilen: Finanzämter reduzieren die Zahl ihrer Kontrolleure. Steuermoral so hoch wie noch nie zuvor.

Traumhafte Wahlbeteiligung. Aufgrund des gestärkten Verantwortungsbewusstseins stieg die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl auf nahezu 90%.

Alles offen gelegt: Deutsche Parlamentarier legen ihre Nebeneinkünfte und Aufsichtsratsposten (inklusive der dafür erhaltenen Gelder) offen.

Und von dieser Schlagzeile träumen wir Pfarrer: Kulmbach baut neue Kirche. Petri-Kirche ist seit langem zu klein für die sonntägliche Gottesdienstgemeinde geworden.

Es kann viel geschehen, wenn uns Gottes Heiliger Geist zufliegt. Das feiern wir heute. Pfingsten ist es Fest der Hoffnung für unsere Welt. Pfingsten ist der Geburtstag der Firma Gottes.

Pfingsten spricht eine Einladung aus: Werden Sie Gottes Mitarbeiter/in. Gottes Firma braucht Angestellte. Das ist eine Nebentätigkeit, die sich wirklich lohnt. Für Sie und für uns alle.

Amen

drucken