Vermächtnis des scheidenden Gesandten

Himmelfahrt, dieses Fest feiern wir, weil es ein Fest voller Selbstbewusstsein ist: Jesus lässt die Seinen zurück, aber er überlässt sie nicht sich selber. Er verlässt die Erde, um mit dem Vater und dem Heiligen Geist für die Menschen. da zu sein.

Die Apostelgeschichte erzählt von der Himmelfahrt – wie unbegreiflich, dass dieser Herr plötzlich von ihren Augen verschwand. Ein Engel muss sie auf den Boden der Tatsachen zurückholen: Was steht ihr da und seht zum Himmel. Das dauernde Starren nach oben bringt uns nicht weiter. Wir müssen auf unser Leben, unsere Mitmenschen schauen, wenn wir als ChristInnen leben wollen.

In unserem heutigen Himmelfahrtstext betet Jesus für alle die, die seinem Wort zuhören, die daraus etwas gewinnen für Ihr Leben, Jesus betet für uns:

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"Vermächtnis des scheidenden Gesandten" so kann man diesen Text nennen. Abschiedsgebet Jesu.

Jesus nimmt Abschied, indem er bittet für die, die direkt mit ihm zusammen waren und die, mit denen er im Glauben verbunden ist. Er betet um Einheit. Ihr Leben soll so sein, dass die, die ihnen begegnen etwas spüren von der Wahrheit, die in ihnen ist, von der Wahrhaftigkeit ihres Glaubens. Den Namen Gottes kennen und die Botschaft Jesu Christi bedeutet Jesus kennen und seine Liebe verinnerlicht haben.

Jesu Worte sind Abschiedsworte, mit denen die Menschen auf einen Weg geschickt werden, den Weg durchs Leben mit Jesus Christus aber in eigener (geschenkter) Freiheit. Wir sind NachfolgerInnen dieser Menschen, die Jesus auf den Weg sendet. Die Fürbitte Christi begleitet uns auf diesem Weg in unserem Alltag. Auch das bekennen wir, wenn wir Segen empfangen und Segen erteilen. Wir dürfen leben in eigener Freiheit und als Gesegnete des Herrn.

Jetzt geht der Sohn und lässt die Seinen zurück mit dem Geist und mit seiner Liebe. Ziel, dass sie alle einig sind (eins sind): ‚Kirche in der Einheit des Geistes‘. So überschreiben das die Fachleute dann gerne.

Und das ist auch wichtig, dass wir verstehen, dass die Bitte, dass alle einig sind, keine zwingende Voraussetzung ist. Konflikte gab es von Anfang an in der Gemeinde. Und es wäre auch nicht realistisch, wenn wir auf ein konfliktfreies Miteinander aller Christinnen und Christen hoffen würden. Dort wo um Wahrheit, Weisheit und Erkenntnis gerungen wird, dort dürfen auch mal die Fetzen fliegen.

Die Bitte Jesu ist keine Bitte um Vermeidung der Konflikte, so wenig, wie Jesus selber notwendigen Konflikten aus dem Wege gegangen ist, aber es ist eine Bitte darum, dass es der Gemeinde gelingt mit ihren Konflikten zu leben. Dass alle eins sind, heißt, dass sie auch bei allen Unterschieden wissen, dass sie zusammen gehören. Auch in diesem Sinne dürfen wir leben in der Nachfolge des Herrn. Bereit für Konflikte in der Sache mit den besten Freunden, aber auch bereit um der Versöhnung um der Liebe Gottes Willen.

Vielleicht ist Jesu Bitte auch eine Bitte für uns, dass es uns gelingt in der Verschiedenheit der Konfessionen die Einheit zu leben. Das heißt auch, dass es uns gelingt anzuerkennen, dass es viele Arten gibt Gott zu loben, Gottesdienste zu feiern. Dass es auch viele Formen der Auslegung des christlichen Willens gibt. Aber dass es nur den einen Herrn gibt, zu dem wir gehören. Und dass das Gemeinsame wichtiger ist als alles, was uns trennen könnte.

Als Studenten waren wir davon überzeugt, dass Kirchen schlicht und schmucklos sein müssen, damit das Wort recht zur Sprache kommt. Heute habe ich gelernt, dass die Sicht nicht falsch war, aber den Menschen auch nicht gerecht wurde. Menschen brauchen Bilder, brauchen Schönheit, brauchen Gefühl um zu lieben, zu glauben und zu hoffen. Und manchmal sind mir Bilder kitschig, die anderen unglaublich wertvoll sind, weil sie ihnen weiterhelfen. Mit diesen Unterschieden müssen wir lernen zu leben.

Was wir niemals akzeptieren sollten ist wenn Christinnen und Christen aufeinander los gehen, weil sie unterschiedliche Positionen vertreten. Das lasst doch den Heiligen Geist entscheiden, hieß es dazu schon in frühester Christenzeit. Und vielleicht wäre das heute noch eine weise Entscheidung, darauf zu vertrauen, dass wir den geit haben, der uns hilft unser Leben zu gestalten als Menschen in der Nachfolge des einen Herrn, aber vielleicht in unterschiedlichen Schuhen.

Trotz aller Abschiedsreden: Jesus lässt uns nicht allein. Als greifbares Zeichen dafür hat er uns dieses Mahl gegeben. Er hat es belegt mit seiner Verheißung, dass dort wo Menschen das Brot brechen und den Wein trinken in seinem Namen er leibhaftig anwesend ist. Wichtig bleibt, dass die Einladung zum Mahl die Einladung dessen ist, der gebetet hat, dass alle eins sind. Darum sind alle geladen, die zu ihm gehören und dieses Mahl kann uns Kraft geben an diesem ‚eins seien‘ so weit zu arbeiten wie wir vermögen.

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