Triple A

Originalton im Reiseprospekt: Spazierfahrt durch die ruhigen Wasser der Mangroven, Natur pur. Es gibt zu jeder Tageszeit den richtigen Sandstrand, unabhängig vom Stand der Sonne oder der Gezeiten. Zwischen dem Riff bilden sich natürliche Schwimmbäder mit farbigen Fischen und einer angenehmen Wassertemperatur von 28°C. Das ganze Jahr herrscht angenehme Badetemperatur. Während die Gäste baden und faulenzen fängt der Fischer Beroaldo im Meer feine Fische und Schalentiere. Auch Nichtstun macht hungrig: Der mitgelieferte Pic-Nic schmeckt allen gut. Dazu wird am Strand feines Churrasco-Fleisch gegrillt. Zum Nachtisch gibt’s frische tropische Früchte. Eigentlich wie im Paradies.

Schön, wenn so für einen gesorgt ist. Und doch auffällig verschieden von dem Paradies, das in der Bibel geschildert wird. Da liegt der Mensch nicht faul am Strand herum, ganz abgesehen von den dafür nötigen Dollars, damit er überhaupt dahin kommt. Im biblischen Paradies hat der Mensch eine Aufgabe. Und vor allem: Er hat den ganz nahe bei sich, dem er all sein Glück verdankt. Die Schriftworte und Lieder für den heutigen Sonntag kreisen alle darum, wie der Schöpfer des Lebens uns wunderbar gemacht hat und wunderbar für uns sorgt. Das Paradies soll die Heimat des Menschen sein, dort soll es ihm an nichts fehlen, dort soll er sich wohl fühlen und für immer glücklich und versorgt sein.

Schon kurze Zeit später wird auf dem Baum des Lebens die Schlange ihren Auftritt haben. Die Menschen werden das tun, was sie nicht sollen. Gott wird sie aus dem Paradies vertreiben und den Engel mit dem Schwert davor stellen, dass sie nie mehr zurückkehren so lange sie leben.

Aber das blenden wir vorerst aus. Wir bleiben bei der Ouvertüre. Wir blicken noch einmal zurück auf die erste Weltwoche, in der alles anfing. Wo kommen wir da vor? Am sechsten Tag. Da schuf Gott den Menschen.

Einzigartig ist das. Einzigartig sind wir. Ganz bestimmt. Klar gibt es manche, die sagen, wir sind nicht die einzigen. In fernen Galaxien, gäbe es noch andere, unbekannte Wesen. Aliens, von denen wir nur noch nichts wissen. Vorgestern berichtete die Kreiszeitung: Das Weltraumteleskop Kepler hat zwei neue Planeten entdeckt. Exoplaneten, also jwd, janz weit draußen. Sie umkreisen einen Stern, und sie gelten als habitabel, also bewohnbar. Wahrscheinlich seien es aber wohl Felsbrocken, sehr große halt. Man hat sie getauft auf Kepler 62e und Kepler 62f. 1200 Lichtjahre von uns entfernt.

Muss die Bibel jetzt umgeschrieben werden? Nun, der Schöpfungsbericht konzentriert sich auf das, was für den Menschen wichtig ist. Beim 4. Tag heißt es nur: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: Ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, dass die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

Der Gesichtspunkt ist offenkundig, was eine Bedeutung hat für den Menschen. Die Sterne sind vor Erfindung von GPS wichtig für die Navigation, Mond und Sonne bestimmen den Rhythmus von Ruhe und Arbeit, und die Jahreszeiten, Saat und Ernte.
So ist die Bibel immer. Sie ist voll von Dingen, die für dich wichtig sind. Wir lernen da Gott den Schöpfer kennen und was er von uns will. Wir erfahren von uns, von unseren Träumen und Möglichkeiten und von unseren Abgründen.

Darum ist auch der Schöpfungsbericht gleichermaßen zeitlos wie aktuell. Glaubst du das? Es gibt ja Leute, egal ob außer oder innerhalb der Kirche, gläubig oder ungläubig, die halten ersten Seiten der Bibel für überholt Mega-Out. Die einen, weil sie sagen, das war vielleicht mal so, aber das ist völlig vorbei und nicht mehr zu retten. So wie der Garten Eden in Sulingen, wo das Pfarrhaus steht, das meine Frau und ich bewohnen. Als wir da einzogen vor 5 Jahren in die Edenstraße 55, war der Pfarrgarten eine Wüste. Brennnesseln so hoch, da musste man das Fenster ganz vorsichtig öffnen, damit sie nicht reinragen. Da brauchst du ja nen Taucheranzug, um Ordnung zu schaffen, grinste eine Freundin. Rostige Zaunpforten, zurückgelassene Erdwälle von Bauarbeiten, ein Chaos.

So gibt es auch Skeptiker, die trauern dem Urzustand der Erde nach. Paradies, das war einmal, jetzt klafft ein Ozonloch. Die Pole schmelzen, der Regenwald muss den Planierraupen weichen. Die Harmonie der Paradieserzählung klingt wie ein Märchen aus 1oo1 Nacht. Zu schön um wahr zu sein. Es ist wahr, der Mensch beschädigt die Erde. Aber Gott ist der gleiche geblieben. Seine Kraft ist nicht geschwunden. Sein Segen wirkt immer noch. Die Schöpfung leidet. Aber der Schöpfer ist noch da. Nicht fern hinter Wolke 7, sondern ganz nah durch Jesus. Hier lese ich, was er kann und wie schön er es macht. Und deshalb darfst du auch in deinem Leben damit rechnen: Gott kann!

Und auch im Pfarrgarten in der Edenstraße blühen wieder die Forsythien und Tulpen und Narzissen. So lesen Christen die alte Geschichte von der Schöpfung im Licht des Evangeliums. Schöpfung und Neuschöpfung. Tod und Auferstehen. So wie Gott Jesus auferweckt hat, kann er alles wandeln und ändern was ist. Auch in deinem Leben.

Und dann gibt’s natürlich noch welche, die sagen, diese Erzählung von der Erschaffung der Welt in 7 Tagen sei out, weil vorwissenschaftlich. Wir wüssten es angeblich viel besser. Dahinter stecke nicht Plan, sondern Zufall, und natürlich dauerte es nicht 7 Tage, sondern Jahrmillionen. Stimmt das? Nun, ich sage nicht, die Forschung irrt, schließlich bin ich kein Naturwissenschaftler.

Aber ich sage: Sie wissen es nicht besser. Sie können es sich nicht besser erklären. Die Annahme der Evolution erklärt die Funde auf der Basis eines Modells, wo Gott nicht vorkommt. Das ist kein böser Wille, wenn die Forschung Gott außen vor lässt. Ein Wissenschaftler darf nicht genötigt sein, seine Modelle abzustimmen mit der Bibel oder mit dem Vatikan. Selbst Eltern, die gläubige Christen sind und Mose mehr zutrauen als Darwin, sollten gelassen bleiben, wenn ihre Kinder im Bio-Leistungskurs das Glaubensbekenntnis der Evolution lernen.

Es ist einfach ein anderer Ansatz. Unter normalen Umständen braucht ein Kind neun Monate im Mutterleib, haben sich Gebirge in Jahrtausenden abgetragen. Aber Gott ist der Herr der Zeit. Vor ihm sind 1000 Jahre wie ein Tag. Da müssen auch die Fachleute ganz still werden.

So wie der Kellermeister bei der Hochzeit zu Kana. Dort war zu später Stunde der Wein ausgegangen. Peinliche Sache für den Gastgeber, also das Brautpaar oder wohl noch eher deren Eltern. Jesus löst das Problem. Er schickt die Diener zu den großen Krügen die fürs Händewaschen gefüllt werden. Noch sind die leer. Man soll sie füllen bis zum Rand. Die Diener können sich wohl keinen Reim darauf machen, folgen aber dem Wunsch. Jesus bittet sie, zu schöpfen und den Speisemeister kosten zu lassen. Dem bleibt die Spucke weg. Aus dem Wasser ist Wein geworden. Ein noch besser Tropfen als von der Sorte, die ausgegangen ist.
Was eigentlich übers Jahr wachsen und reifen muss, wird hier im Handumdrehen besorgt, ja erst geschaffen. So ist Gott. Darum kann ich mir problemlos vorstellen, wie er mit jedem Schöpfungstag unsere Welt bereichert hat, bis am sechsten die Krone der Schöpfung, der Mensch, dazu kommt.
Und so wie bei dem Wein, mit dem sie in Kana angestoßen haben, handelt Gott auch bei der Weltschöpfung. Mit Phantasie. Liebevoll. Mit Freude. Mit Sorgfalt. Gott freut sich an Schönheit. Er schuf nicht schnell mal 20 Pflanzen zum Sattwerden. Ein paar Schafe als Rasenmäher. Drei Sterne als Scheinwerfer und die Menschen als Gartenhilfskräfte dazu. Vielmehr schuf er eine ganze Welt voll Schönheit und Kraft. Eine Welt mit überwältigenden Sonnenuntergängen und Stürmen, wo man weggeblasen wird. Gewaltige Kräfte, die die Milchstraßen in ihrer Bahn halten. Und die winzigen Wunderwerke, aus denen wir aufgebaut sind, die Zellen. Er schuf die verschwenderische Fülle der Farben und Düfte und Töne. Er schuf Wesen, die Augen haben, das alles zu riechen und zu sehen und zu hören. Und Herzen, sich daran zu freuen. Er sorgt dafür, dass es alles zusammen passt und sich selbst reguliert.

Und wenn die Bibel die Geschichte von Gottes Freude am Leben und an der Fülle erzählt. Dann bedeutet es nicht: Das war einmal so. Sondern das ist etwas, was sich wiederholt, weil Gottes Segen weiterhin über der Schöpfung steht.
Aber wir müssen immer Jesus dazu sehen. Sonst verarmen wir. Gerade liegt Ostern hinter uns. Das Fest der Neuschöpfung. Leben aus dem Tod. Wenn wir Jesus nicht dabei im Blick haben, wie es immer mehr um sich greift hierzulande, dann verkümmert Ostern zum Frühlingsfest. Eröffnung der Grillsaison. Wäre nicht der Papst mit seinem Segen Urbi et Orbi, würden viele in Europa gar nicht mitkriegen, dass wir dieses Fest dem Christentum zu verdanken haben.

Jesus ist das Ziel der Schöpfung. Jesus war, so sagt es die Bibel geheimnisvoll, schon von Anfang an dabei, aber er sollte im Werk der Schöpfung noch eine ganz besondere Rolle bekommen. Anfangs unscheinbar, ein Kind wie andere auch. Aber am Ende einzig. Auferstanden von den Toten.

Jesus selbst hat in seinen Predigten und Geschichten oft von der Schöpfung geschwärmt. An den Vögeln unter dem Himmel, an den Lilien auf dem Felde hat er Gottes Art abgelesen. Die Schöpfung ist kein stummer Hintergrund. Sie redet. Sie erzählt von ihrem Schöpfer, so wie ein Haus von den Menschen erzählt, die es gebaut haben.

Als die ersten europ. Seefahrer in der neuen Welt eintrafen, in Amerika. Da erschien ihnen dieses Land wegen der Fülle seiner natürlichen Gaben unglaublich. Die sind ja Wochen über See gefahren mit der Sehnsucht, vielleicht Land zu finden. Auf einmal kündigte es sich meilenweit vorher an. Durch einen schweren, üppigen Duft. In einem Bericht heißte es, die Zedern der Ostküste waren schon 100 Stunden vorher zu riechen. Manchmal fuhren die Schiffe durch riesige Flächen schwimmender Blumen. Wo immer die Entdecker das Land betraten, fanden sie einen üppigen Reichtum vor. An Farben und Klängen, Tieren und üppigem Bewuchs.

Sie hätten Dichter sein müssen, um die richtige Antwort darauf zu finden. Aber weil sie so waren, wie sie waren, begannen sie sofort mit der Eroberung des Landes. Auf der Suche nach Gold und Ruhm.

Und all das hat Gott lange vorher gewusst. Trotzdem hat er uns so geschaffen, wie wir sind. Trotzdem ist das erste, was in der Bibel über uns steht, ist nicht, dass wir arme Sünder sind. Sondern als erstes wird von uns gesagt, dass wir der große Wurf Gottes sind. Das hat sich bis heute nicht geändert. Und Gott wird nicht zulassen, dass der Satan, der Vater der Lüge, ihm sein Werk verpfuscht. Als Jesus kam, da machte er alles wieder heil und es kam in Ordnung. Und die Menschen erkannten in ihm sofort wieder die Stimme des Schöpfers. Und wurden froh.

Letzte Woche fuhr von Diepholz aus ein Bus nach Hannover, der hielt an vielen Orten unseres Kirchenkreises. Die Leiterinnen der Kindergärten, Pastoren und Kirchenvorsteher stiegen dazu. Ziel war eine Veranstaltung vom Kindertagesstättenverband, wo nach anderthalb Jahren Fortbildung ein Siegel verliehen wurde. Ein Gütesiegel. Qualitätsmanagement, ja das macht vor keinem Betrieb halt, auch vor den Kindergärten nicht. Stolz nahmen die Verantwortlichen die Urkunden entgegen. Zertifiziert. Ich nehme an, das gilt wie beim TÜV für ein paar Jahre, dann muss man es neu erwerben.

Nachdem Gott in 6 Tagen geschaffen hat, gab es auch ein Gütesiegel. Alles sehr gut. Triple A, wie die Rating-Agenturen sagen. Aber nicht auf Zeit. Sondern für immer. Solange, bis die Zeit der Erde um ist und eine neue Welt, das Reich Gottes kommt. Und das auch wieder durch Jesus. Auf ihn hin sind wir geschaffen. Mit ihm kommen wir gut behütet durchs Leben, wenn auch durch Stürme hindurch. Und wenn einmal mein letzter Tag kommt, dann möchte ich dankbar sagen können: Danke Herr. Du hast alles sehr gut gemacht. Amen.

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