Unbeständiger Karfreitag – beständige Ostern!

„Karfreitag – unbeständig“, liebe Gemeinde, so hörte ich es am Montag im Radio. Okay, gemeint waren die Wetteraussichten.
Aber die Formulierung „Karfreitag – unbeständig“, sie passt so schön hierher. Denn der Tod Jesu, er ist nur vorläufig. Er bleibt nicht bestehen und er bleibt nicht beständig. Stattdessen: „Karfreitag – unbeständig“.

Dass es beim Tod nicht geblieben ist, das zeigte sich dann drei Tage später.
Und die beiden Jünger, die nach Emmaus laufen, die müssen auch innerlich einen Weg zurücklegen, bis sie verstehen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!
Und Jahre später kann es der Apostel Paulus der christlichen Gemeinde in Korinth dann schriftlich geben, dass mit Jesus etwas begonnen hat, was uns allen blühen wird: Leben!

„Karfreitag – unbeständig“.
Ja! Man könnte fast tanzen vor Freude. Natürlich noch nicht am Karfreitag, aber später.

Ja, es sind einfach gute Aussichten seit jenem allerersten Osterfest.

Und dass es einmal gut werden wird, das stellt auch der Predigttext aus dem Buch des Propheten Jesaja schon viele Hundert Jahre vor Jesu Auferstehung in Aussicht.
Im 25. Kapitel lesen wir:
8 Der HERR wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.« (Jes 25,8-9)

Es sind nur zwei Verse, aber die haben es in sich. Sie gehören in den großen Zusammenhang derjenigen Kapitel hinein, in denen der Prophet das Weltende beschreibt.
Jesaja entwirft darin eine Zukunftsschau, in der die Macht des Todes gebrochen sein wird.
Ja, mehr noch: Der HERR wird den Tod verschlingen auf ewig.

Als Entstehungszeit dieser weitsichtigen Worte ist wohl der Beginn des 6. vorchristlichen Jahrhunderts anzusetzen.
Die Adressaten dieser Trostworte hatten also am eigenen Leib erfahren oder wussten aus Erzählungen, dass Gott sein verschlepptes Volk nicht vergessen hat.
Gott hat das Exil beendet!
Gott hat sein auserwähltes Volk gerettet und befreit!
Gott hat es versprochen und Gott hat es getan.

Und dieser zuverlässige Gott – so versichert es ihnen dessen Sprachrohr Jesaja – dieser zuverlässige Gott setzt jetzt noch einen drauf: Er wird tatsächlich den Tod verschlingen.

Und wenn sich jetzt jemand fragen sollte: „Und was habe ich davon?“, dem kann ich dies antworten: Diese „Ich-verschling-den-Tod-Zusage“ Gottes gilt für nicht nur für das Volk Israel. Nein, sie gilt für alle Menschen.
Seien sie auch voneinander getrennt durch Zeiten und Räume – wir haben die Zusage: Ostern für Alle.

Denn das ist ja das Schöne an diesen Texten vom Ende der Zeiten: es geht um die Durchsetzung von Gottes Macht in der ganzen Welt!

Ich lese die beiden Verse noch einmal und fasse dann zusammen.
8 Der HEER wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.« (Jes 25,8-9)

Der Text aus dem Buch des Propheten Jesaja liefert uns die Hinweise auf das, was sich – Jahrhunderte später – mit der Auferstehung Jesu von den Toten erfüllt.
Darum haben kluge Menschen diese beiden Verse für den Ostermontag ausgewählt und darum lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.

Lauthals einzustimmen in den Osterjubel – wohl den Menschen, die das können!

Wer dazu aber einfach noch ein bisschen mehr Zeit benötigt, der kann sich innerlich denjenigen Menschen nahe fühlen, die damals die Osterbotschaft als Erste miterlebten.

Ich denke an die drei Frauen, die sich frühmorgens auf den Weg zum Grab machten, um den Leichnam Jesu zu salben.

Gewiss ein schwerer Gang für die drei. Denn mit Jesu Tod hatten sie ihre Hoffnung gleich mit begraben.
Und als sie das Grab leer finden – da schalten sie doch nicht übergangslos in den Jubel-Modus!
Können sie auch gar nicht!
Ein leeres Grab – das erschreckt!
Und es erschüttert, denn bisher konnte man sich doch darauf verlassen, dass wer tot ist, auch tot bleibt.

Und den männlichen Zeugen geht es auch nicht viel anders. Die beiden Jünger, die mit dem unerkannten Begleiter nach Emmaus wandern, die treten – was ihr Verstehen und Begreifen angeht – doch gehörig auf der Stelle.

Ostern, liebe Gemeinde, das ist zuallererst Erschrecken, das ist ungläubiges Kopfschütteln und Nicht-Verstehen.
Gejubelt wird erst später.

Und diesen – wie ich finde, sehr behutsamen Weg – den geht mit uns auch der Text aus dem Buch des Propheten Jesaja.
Am Anfang steht da Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.
Die Tränen der Enttäuschung und des Verlassenseins und der Einsamkeit.

Und erst später heißt es dann: … lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.

So, wie der Tod dem Leben weichen muss, so kann aus der Traurigkeit und dem Trost Fröhlichkeit werden.
Weil wir eine Hoffnung haben: Das Ende, das uns allen blüht, ist nicht der Tod, sondern das Leben!

Eine Hoffnung, die schon zu Jesajas Zeiten bestanden hat.
Eine Hoffnung mit Bestand!
Amen.

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