Mensch – die Schöpfung, dein Mandat

Liebe Gemeinde,
Politskandale gibt es ständig. Langsam ist es schon peinlich, welche Euro-Millionen, unrechtmäßig, wohin verschoben werden. Oder welche betuchten Unternehmer hohen politischen Persönlichkeiten den Garten gemacht haben oder wessen Haus mit Marmor verschönert wurde. Interessanterweise, ohne dass diese Politiker etwas davon gemerkt haben und somit auch nichts dafür bezahlen mussten. Oder aber auch, wo wieder mal mit „Spendengeldern“ „politische Landschaftspflege“ betrieben wurde.

Der Missbrauch der „Herrschaft“ insgesamt belastet uns alle. Umso mehr, wenn manche Herrschenden argumentieren: „man hätte ihnen ein Mandat gegeben“. Ein Mandat wahrzunehmen heißt doch zuallererst Verantwortung zu übernehmen, zugunsten der Menschen von denen sie gewählt wurden. Das die Wähler über die Art der Ausübung des Amtes teilweise sehr unglücklich sind ist eine Sache. Betrug am Menschen hat aber zu unterbleiben.

Ein Mandat haben unsere Politiker bekommen. Wer außer ihnen noch? Hören wir den Predigttext aus der Schöpfungsgeschichte im 1. Mose 1, 1-4a 26-31a; 2, 1-4a

Liebe Gemeinde, ist es Ihnen aufgefallen? Wir alle haben einen Auftrag, ein Mandat erhalten, wir die Menschen, Männer wie Frauen! Der Mensch, soll walten und herrschen über diese Welt, die Gott geschaffen hat.

Eine ungläubige Frage, ob diese Welt in sieben Tagen erschaffen wurde ist erlaubt. Diese Darstellung ist aus alter Zeit, die uns begreiflich zu machen versucht, wie planvoll Gott diese Erde geschaffen hat. Die Schöpfungsgeschichte wurde ca. 500 Jahre vor Jesus geschrieben. Damals schon haben die Menschen nach dem Sinn des Lebens und dem Grund dieser Welt gefragt. So wurde von den Priestern, aus den Überlieferungen, dem was ihnen wichtig war und was sie im Glauben erlebt hatten, dieser Bericht aufgeschrieben.

In Kriegen und Gefangenschaften erlebten diese Menschen andere Glaubenswelten und betonten für sich: Gott hat alles nur durch sein Wort erschaffen, auch die Götter anderer Kulturen.

Zum Abschluss seiner Schöpfung hat der HERR Stellvertreter eingesetzt. Kein König ist das Abbild Gottes wie z.B. der Pharao oder später die Cäsaren, die sich selber als Halbgott empfanden. Nein, einfach den Menschen, uns alle Frau und Mann, hat GOTT die Herrschaft übertragen. Darin steckt etwas Revolutionäres.

Herrschen heißt Verantwortung übernehmen, wie ich für meine Kinder Verantwortung übernehme, die GKR-Vorsitzenden für die Gemeindekirchenräte und die Politiker für ihren gewählten Bereich Verantwortung tragen sollten. Sie und ich, wir habe ein Mandat auf dieser Erde und für diese Erde.

In den Jahren 30 vor bis 09 nach Christi lebte Hillel, einer der bedeutendsten pharisäischen Rabbiner. Er war der Gründer einer Schule zur Auslegung der Schrift, auf den sich Juden bis heute oft berufen.

Hillel wurde eines Abends von einem Schüler gefragt: „Wo gehst Du hin?“ Er antwortete: „Ein Gebot erfüllen. Zum baden ins Badehaus“. Der Schüler verstand nicht, wieso das eine Gebotserfüllung sei. Hillel: „Wenn schon alle Denkmäler und Kaiserbilder regelmäßig gereinigt werden, um wieviel mehr ich, der ich Ebenbild Gottes bin. Wenn ihr schon viel Kraft daran setzt, Sachen zu pflegen, Häuser und Wagen, wieviel mehr dann in das Ebenbild Gottes, geschaffen als Mann und Frau“. Das abendliche Bad Hillels wurde so zur Demonstration von Menschenwürde. Der Mensch ist nicht irgendeine Kreatur, sondern er ist das Abbild Gottes und als solches ist jeder Mensch besonderer Ehren wert.

Hier hinein passt die Aussage: „Du sollst den Feiertag heiligen“. Dies zeigt ein Detail: Zur Schöpfung gehört der siebte Tag, der Ruhetag für GOTT und den Menschen. Dieser Ruhetag gibt den Menschen Zeit für sich selber, Zeit innezuhalten, Zeit für Gefühle, das Menschsein zu genießen mit sich und der Familie.

In der Schöpfungsgeschichte gibt es nur zwei unterschiedliche Menschen: Frau und Mann. Trotzdem haben beide dieselbe Qualität. Daraus dürfen wir folgern, das gilt auch für rot und gelb, für schwarz und weiß, für arm und reich. Der Mensch, als Bild GOTTES, hat in seiner Gesamtheit ein Mandat!

Durch diese Erkenntnis eröffnet sich der Blick auf einige politische Fragen der Neuzeit. Z.B. die Gentechnologie: Wer sind wir eigentlich, dass wir am Bild Gottes manipulieren wollen? Der Mensch, das Werk seiner Hände, erdreistet sich dem Meister sagen zu wollen wie und was er zu fertigen hat.

Oder Sterbehilfe: Dürfen wir das Ende unseres Lebens oder das eines Anderen in unsere Hand legen? Mir erscheinen in diesem Zusammenhang alle Antworten zweifelhaft. Ich kann nur ahnen, wie nah die Grenzen zum „sozialverträglichen Ableben“ sind.

Und das Glaubensbekenntnis in modern lautet wohl eher: „Ich glaube nur das, was ich sehen kann; ich glaube nur, was sich beweisen lässt.“ Dies bedingt allerdings den Menschen, der alles kann und alles darf. Der sein eigener Gott ist. Glücklicherweise gerät der Mensch dort an seine Grenzen, wo es um Gefühle geht. Wie z.B. die Liebe, die sich eben weder sehen noch beweisen lässt. Dieser Mensch missbraucht seine Freiheit und verpasst so sein Leben. Er plant und belegt seine Vorhaben durch Machbarkeitsstudien und verliert dabei Gottes gute Schöpfung und sich selbst aus dem Blick.

Dass der Mensch Gottes Bild ist, darüber dürfen wir uns freuen. Auch wenn wir beim Weiterlesen des Berichtes im 1. Mose das Entsetzen des Schreibers über die vorgefundenen Menschen spüren und nachvollziehen können.

Trotz all unserer Fehlerhaftigkeit und Anmaßungen bleibt der Mensch ein geliebtes Geschöpf GOTTES. Trotz allem bleibt sein Auftrag bestehen: Diese Erde zu verwalten, zu erhalten, für sie sein Mandat wahrzunehmen.

Heute feiern wir Jubilate! Geben unserer Freude darüber Ausdruck, für all das Schöne das GOTT für uns geschaffen hat. Lasst uns dem HERRN dafür danken.

Der Friede GOTTES, der höher ist als alle Vernunft, öffne unsere Augen für die Schönheit seiner Schöpfung, gebe uns festen Stand sie gegen Ausbeutung und Missbrauch zu verteidigen. Und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Michael Schäfer in Spiesen-Elversberg.)

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