Vom Aufgang der Sonne … (Röm 12,12)

Röm 12,12
[12] Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

[Tod einer sehr aktiven 81jährigen Frau, Mitbegründerin eines Frauenchores, Bäuerin mit Leib und Seele. In der Traueranzeige war das Motiv einer untergehenden Sonne zu sehen.]

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang … dieses schöne Volkslied und Kirchenlied ging mir durch den Kopf als ich ihre Anzeige sah. Eine Sonne schaut noch über die Berge, sendet noch wärmend Strahlen. Und selbst, wenn die Sonne untergegangen ist, wissen wir, dass sie weiter Menschen begleitet auf ihrem Lauf. Und – dass sie wieder erscheinen wird. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Ich kann’s nicht genau sagen, aber ich könnte mir vorstellen das die Verstorbene N.N. dieses Lied gern gesungen hat oder hätte. Nicht alleine! gesangsbegeistert, wie sie war, hätte sie es mit ihrem Singkreis anstimmen mögen und so im gemeinsamen Klang der Stimmen der Wahrheit dieser Verse nach zu spüren.

Vom Aufgang der sonne bist zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn. Im Chor und im Kanon gesungen spüren wir bei diesem schönen Lied seine tiefe Aussage: Der Lob Gottes flechtet sich in den vom Lauf der Sonne bestimmten Rhythmus unseres Lebens.

Dann spüren wir, dass das Leben, wie es uns geschenkt ist, eben ein Leben ist, das getragen bleibt. Wir können und dürfen im Lauf unserer Zeiten – vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang – lobend unserem Herrn danken, dass er uns im Zeitenlauf führt und behütet.

N.N. wusste sich da eingebunden in den Lauf der Sonne und den Lauf von Tag und Nacht, von Geben und Nehmen, von Säen und Ernten, von Ruhe und sich aufmachen.

Sie wusste sich tief verwurzelt mit dem ihrem Ort, der Region. Sie wusste, dass sie hier ihren Ort hatte, and den sie gestellt war.

Einen Ort, den sie ausfüllte, lange Jahre mit ihrem Mann, der zu früh sie verlassen musste, mit ihren Kindern und mit den Menschen an ihrer Seite. Eingebunden in das Leben und Arbeiten mit Gottes guter Schöpfung und offenbar fast immer mit einem Lied im Sinn oder mit Freuden bei ihrem Chor, den sie mitgegründet hatte.

So war sie ein zuversichtlicher Mensch, ein Mensch der getragen war. Und dies haben viele an ihrer guten Art spüren können.

Und wenn das Leben die N.N. viel und manchmal zu viel von ihr verlangte, dann mag vielleicht ihr Trauspruch ihr eine Stütze gewesen sein.

[TEXT]

Denn nicht immer können wir unbelastet einstimmen in frohe Melodien. Da brauchen wir die Vergewisserung, dass unser Leben noch an Hoffnung tief in sich eine Zusage trägt, die wir auch in Zeiten der Trübsal zugesagt haben. Wir dürfen Hoffnung haben, die uns auch über dunkle Zeiten hinweg trägt, uns wieder Kraft und Zuversicht schenkt. Die Verstorbene hat dies wohl in sich gehabt, diesen stillen Glauben. Wie sonst wäre ihre Lebenszuversicht und ihre Freude, ihre Kraft auch zu erklären als wenn nicht eben auch aus dem tiefen Glauben eines einfachen aber klaren Lebens.

Und so mag es eben die Beharrlichkeit im Gebet sein, die uns zugetraut wird. In Zeiten der Not aber auch in Zeiten der Freude unsere Gedanken zu öffnen hin auf Gott und seine Liebe.

Und so kann dann vielleicht auch eben der Kanon Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang auch uns heute weitertragen über dieses Grab hinaus.

In dem wir dankend auf das Leben schauen mit der Verstorbenen, bei euch früher in Lautenhausen, bei mancher Fahrt die sie gemeinsam unternommen haben, bei den vielen schönen Zusammenkünften eures Singkreises und vor allem bei ihnen im Verbund der Familie. Wenn s auch noch einmal eine schwere Zeit war, dieses letztes Stück Wegstrecke, gezeichnet von Krankheit, so bleibt doch die Zusage Gottes über diesem Leben bestehen und dies in besonderem Maße, weil sie sich unserem Gott immer wieder anvertraut hat. In diesem Sinne wollen wir nun N.N. unserem Gott anvertrauen, der sie eben begleitet auch dann, wenn ihre Lebenssonne in liebevoller Erinnerung unsere Herzen wärmt.

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