Ein neuer Name (Jes 62,2-3)

Jes 62,2-3
[2] Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HERRN Mund nennen wird. [2] Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes.

Liebe Taufgemeinde, hören wir den Taufspruch von N.N. aus dem Buch des Propheten Jesaja im 62. Kapitel, die Verse zwei und drei:

[TEXT]

Liebe Gemeinde, es ist ein sehr verheißungsvoller Text, der uns dort begegnet: ein neuer Name soll vergeben werden – ein Name, den Gott selber nennen wird. Gleichzeitig wird der angesprochene Mensch mit königlichen Gerätschaften verglichen, die in der Hand dieses Gottes glänzen werden: eine Krone und ein Reif. Was also geschieht dort – und wie will dieses Bibelwort zu uns – anlässlich der Taufe von N.N., der ja selbst einen sprechenden Namen trägt – heute reden?

Es ist ja bei uns nicht so, dass mit der Taufhandlung den Täuflingen ein neuer Name von Menschenhand gegeben wird, wie es bei manchen Freikirchen oder anderen Glaubensgemeinschaften oft geschieht. N.N. darf weiterhin N.N. heißen, aber etwas ändert sich doch mit dem heutigen Tag. Durch die heilige Taufe, die wir nachher miteinander feiern werden, wird N.N. von Gott selbst mit einem neuen Namen genannt werden. Und darin ist etwas verborgen, welches unsere grundsätzliche Beziehung zu Gott verdeutlicht. Ich kann nur jemanden mit Namen nennen, den ich kenne, von dem ich weiß, dass es ihn gibt. Nur so kann ich ihn ansprechen und mich ihm zuwenden. Das ist heute – liebe Taufgemeinde – das entscheidende: Gott wendet sich diesem kleinen Kind zu, Gott überwindet den Graben, der zwischen Gott und Mensch besteht aus eigener Initiative und kommt ganz speziell zu N.N., um ihm dieses Trennende zu nehmen. Und Sie, liebe Eltern, können nun getrost sein: ihr Sohn ist bei Gott mit Namen genannt und mit Namen bekannt. Gott selbst wird sein Wegbegleiter sein durch sein weiteres Leben. Damit ist Ihnen nicht die Verantwortung genommen, die Sie Ihrem Kind gegenüber haben, aber Sie haben einen Trost bekommen für die Zukunft Ihres Kindes. Vielleicht werden Sie nicht alles richtig machen in der Erziehung und Betreuung Ihrem Kind gegenüber, vielleicht lassen Sie sich etwas zu Schulden kommen. Vielleicht wird es Umstände geben, die kaum beeinflussbar sind: Arbeitslosigkeit, Geldmangel, sogenannte äußere Einflüsse, die aber doch die Entwicklung und das Gedeihen Ihres Sohnes mitbestimmen werden. Wer weiß, welchen Weg N.N. selber einst einschlagen wird. Wie wird es ihm in der Schule gehen, im Berufsleben, in seinem eigenen privaten Leben? Wird er gesund bleiben und glücklich werden? Wird er lange leben? Diese ganze Fragenkette wird niemals abreißen, solange Sie sich als Familie verbunden sind. Viele Fragen werden bestimmt positiv beantwortet werden können, ja vielleicht sogar die meisten davon. Aber es wird auch einige geben, die ein negatives Vorzeichen tragen. Dann ist es gut und heilsam, wenn Sie sich an den heutigen Tag zurückerinnern können und die Worte, die Ihnen heute zugesprochen werden, wieder ins Ohr und in Ihr Herz aufnehmen: N.N. ist bei Gott bekannt. Ganz egal, wie verschlungen sein Lebensweg sein wird, ganz egal, wie erfolgreich oder wie gescheitert nach heutigen Maßstäben sein Leben einst aussehen wird: Gott wird ihn nicht vergessen. Gottes Begleitung wird sogar über sein Leben hinaus andauern und sein Versprechen ist die Gerechtigkeit, die allen Menschen widerfahren soll. Gott wird einen Ausgleich schaffen. N.N. trägt sogar in seinem Namen verborgen dieses Wort: Gerechtigkeit – gewissermaßen als Siegel auf diese Verheißung Gottes.

Ein Leben als Christ – getragen von dieser Hoffnung, die jedem, der glaubt und getauft ist, gewiss ist, ist freier als das Leben anderer. Und diese innere Freiheit wird sich ins Äußere umsetzen: da bin ich mir sicher. N.N. ist mit dem heutigen Tag ein Kind Gottes geworden – er gehört diesem König der Welt an und wird ein Schmuckstück in seinen Händen sein. Die schöne Krone, der königliche Reif, der uns in N.N.s Tauftext begegnet ist ein Zeichen dafür. Jeder Mensch ist einmalig und unverwechselbar und jeder Mensch hat von Gott Gaben und Talente geschenkt bekommen. Das ist die Wahrheit vor Gott, wenngleich diese Wahrheit in der Gesellschaft nicht immer anerkannt wird. Denn in der Zeit, in der wir leben, zählt oft nur der äußere Schein, die Leistungsfähigkeit im wirtschaftlichen Sinne, die Statussymbole, die ich vorzeigen kann. Gottes Kinder aber sind alle zu königlichen Gerätschaften gemacht worden: sie glänzen beständig – jeder auf seine Weise. Als Christ darf ich meinen Mitmenschen mit solchen Augen begegnen: was finde ich dort an Strahlendem, an Hellem, an Gaben, die ihm Gott mit auf den Weg gegeben hat? Welche Gaben und welche Kronen Gott N.N. mit auf den Weg gegeben hat, das werden Sie, liebe Taufgemeinde noch erleben und erfahren dürfen. Aber seien Sie versichert, dass sie da sind, dass Gott seiner Zusage treu bleibt.

Dies alles soll den Eltern und den Menschen, die für N.N. Verantwortung übernommen haben, eine Hilfe sein, denn es drückt eine Wertschätzung dieses Kindes aus, die bereits schon vorhanden ist. Sie sind eingeladen, diese Wertschätzung in Ihrem eigenen Umgang mit Ihren Kindern zu wiederholen und sich an sie zu erinnern, selbst wenn die Tage einmal grauer sein sollten, als es der heutige Tag für uns ist. Sie haben mit der Taufe dazu den richtigen Schritt unternommen.

Ich wünsche Ihnen, dass Gottes Geist in Ihrem gemeinsamen Leben aufleuchtet und Sie begleitet. Ich wünsche Ihnen, dass diese schöne Krone und der königliche Reif auch nach außen hin sichtbar werden und Sie Ihre Freude daran haben. Und ich sage Ihnen zu: der Name, mit dem N.N. heute von Gott benannt worden ist, wird Bestand haben in alle Zeit.

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