Blindheit mit Glauben überwinden

Liebe Gemeinde, allem, was fremd ist, stehen wir kritisch gegenüber.

Solange wir über unsere Nachbarn kein detailliertes Wissen haben, sind sie für uns Fremde. Und wenn sie dann noch eine fremde Sprache sprechen und ihr äußeres Erscheinungsbild unseren Vorstellungen zweifelhaft erscheint, ja dann, dann ist er oder sie für uns sehr fremd.

Solch fremde Menschen machen uns furchtsam. Je fremdartiger und verwegener sie aussehen, umso mehr fürchten wir uns vor ihnen. Daran hat sich, seit dem wir Menschen existieren, nichts geändert. Oder vielleicht doch?

Wir können fremden Menschen näher kommen, wenn wir uns über sie informieren und somit in der Lage sind, „diese Fremden“ zu verstehen. Vielleicht haben wir ja doch an der einen oder anderen Stelle etwas dazugelernt. Trotzdem bleiben unsere Bedenken gegenüber der „Fremdheit“ bestehen.

Wie Jesus mit einem Fremden, der sogar blind war, am Straßenrand saß und bettelte, umgegangen ist, das erfahren wir in unserem heutigem Predigttext.

Dieser ist niedergeschrieben bei Lukas 18, 31-43.

Auf den ersten Blick scheint es so, als haben wir hier zwei Texte die unabhängig voneinander und auf ganz unterschiedliche Weise betrachtet werden können.

Zum 1. Jesus wusste von dem Leiden das über ihn kommen würde. Es hat ihn nicht plötzlich und unerwartet wie ein Schicksalsschlag überfallen. Jesus weist uns darauf hin, dass er seinen Leidensweg sehenden Auges angetreten hat. Ihm war klar, dass der Gang nach Jerusalem für ihn der Weg in die Höhle des Löwen war.

Christus war bekannt, dass das Alte Testament mit Blick auf den kommenden Messias nicht von einem rauschenden Empfang und vom Beifall der Massen, sondern von Ablehnung und von handgreiflichem Hass gesprochen hat.

Jesus hat denen, die zu ihm gehören verheißen, dass ihr Weg unlöslich mit seinem Weg verknüpft ist. Dieser Weg führt durch sein Leiden zur Herrlichkeit. „Hört zu, wir gehen nach Jerusalem.“ Am Anfang begriff niemand, warum Jesu diesen gefährlichen Weg nahm, ja, nehmen musste, aber am Ende des Weges wird GOTT von allen hoch gelobt.

Am Anfang steht die ganze Zwanghaftigkeit der Tradition und am Ende die Heilung eines Blinden. Am Anfang steht das Kreuz und am Ende der Glaube.
Öffnet uns dieser Weg die Augen? Wundert uns das, dass die Jünger dies damals nicht verstanden? Verstehen wir das heute?

Da geht einer, der leben durfte, der die Herrlichkeit der Schöpfung kannte wie kein anderer, ans Kreuz.

Zum 2. Die Blindheit ist vielfach dargestellt. Sie erfasst den ganzen Menschen. Die Jünger verstanden kein Wort. Was Jesus sagte, blieb ihnen verborgen. Sie waren physisch und psychisch, also körperlich und geistig, noch blind.

Liebe Gemeinde, wir sind doch auch wie die Jünger Jesu. Vieles war ihnen unverständlich und doch sind sie treu mit Jesus gegangen. Wir sind doch heute auch noch blind, oder?

Es kann aber auch sein, dass manche von uns sich in diesem fremden, blinden Bettler wieder finden. Zuerst hörte er nur von Jesus und dann begann er nach ihm um Hilfe zu schreien.

Die Einen gehen mit Jesus, sind sehend und begreifen nichts. Der Andere ist fremd und blind und muss fragen wer da ist. Als er es erkannte dachte sich der Bettler: „Ja, das ist meine Chance, denn der, der da vorbei geht, den muss ich anhalten. Vielleicht kann und wird er mir helfen. Er ist doch der große Heiler. Hoffendlich komme ich doch noch aus dem Dunkel heraus und kann das Licht sehen.“

Jesus, liebe Gemeinde, hörte das Schreien dieses Menschen. Er hörte es, obwohl die Jünger ihn drängten weiter zu gehen. Jesus hörte es, obwohl er auf seinem schweren Weg war. Ja, er hörte das Schreien eines einzelnen Menschen. Obwohl er doch einen wesentlich höherwertigen Auftrag hatte; die Rettung der Menschheit.

Jesus erklärte den Grund für die Heilung und für das geschehene Wunder nicht durch sich selbst, sondern er verwies auf Gott und auf die Beziehung des Geheilten die er zu Gott hatte. Die Heilung erfolgte durch den Glauben des Bettlers.

Jesus unterlässt es seine Macht zu demonstrieren. Er verwies auf die liebevolle Macht Gottes. Im Vertrauen auf Gott ging Jesus seinen Weg mit den Jüngern und das letzte Stück allein.

In diesem Vertrauen auf GOTT, seinem Vater, heilte Jesus die Gebrechen seiner Nächsten. Darin zeigte sich Jesu Herrlichkeit und Größe, dass er sich der Leiden seiner Nächsten annahm und selbst Leiden ertrug.
Jesus nahm an, was Gott ihm auferlegt hatte. Jesus stellt Gottes Willen, der schon durch den Propheten angesagt war, in keiner Form infrage. Sein Vertrauen in seinen Vater war und ist grenzenlos.

Der Bettler, fremd und blind, wurde zum Jünger durch sein Vertrauen. Er vertraute auf die Barmherzigkeit Gottes. Zu dem blinden Bettler ist Jesus damals hingegangen. Der Bettler, er musste nur schreien und Jesus hat gehört. Der Bettler war gering, trotzdem oder gerade deshalb hatte Jesus gefragt: „Was soll ich für dich tun?“

Diesen Mut, liebe Gemeinde, den wünsche ich uns allen. Jesus anzurufen, wenn er das nächste Mal an uns vorbeigeht. Das kann morgen oder übermorgen sein. Das kann in einer Woche sein. Es kann allerdings auch, hier und jetzt, in diesem Gottesdienst sein.

Die Kraft und den Mut zum Sehen, schenkt uns Jesus. Und wenn von uns die Blindheit genommen ist, dann werden auch wir in die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes mit hinein genommen.

Liebe Gemeinde, wenn wir auf die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes vertrauen, dann löst sich auch unser Blick aus dem Bann der Vorurteile gegenüber unseren nächsten, fremden Mitmenschen.

Der Friede GOTTES, der höher ist als alle Vernunft, öffne unsere Augen für die Nächsten und die Schönheit seiner Schöpfung. Und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Prädikant Manfred Zuzak in Windesheim-Guldental.)

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