Wer ist dieser Jesus?

Wer ist eigentlich dieser Jesus, dessen Geburt wir gefeiert haben? Diese spannende Frage versuchen ChristInnen seit 2 Jahrtausenden zu beantworten – allgemeingültig oder für sich selbst ganz persönlich: wer ist dieser Christus für mich?

Diese Frage stellten sich schon Menschen, die Jesus nicht kannten, z.B. die Menschen um das Jahr 0 in Palästina. Die Frage dieser Menschen lautete nur anders: Wie müsste er sein, der Erlöser, der Messias?

Als die Menschen bei Johannes dem Täufer spürten, dass der mehr weiß, versuchten sie, mehr zu erfahren und der erzählt ihnen was.

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Ob diese Rede ihre Frage beantwortet hat, weiß ich nicht. Und ob sie unsere beantwortet, müssen wir für uns selbst entscheiden. Aber es gibt da Hilfen, die wir verstehen müssen, damit sie uns wirklich helfen können.

Das Lamm Gottes. Da wird angespielt auf die Sitte am Tempel ein Lamm zu opfern. Das Lamm steht dann stellvertretend für alles, was falsch gelaufen ist in meinem Leben und mit ihm, wird meine Schuld weggegeben – in die Hände Gottes gelegt.

Hintergrund ist auch die alttestamentliche Geschichte vom Sündenbock. Das Volk Israel auf der Wüstenwanderung lädt symbolisch seine komplette Schuld auf einen Bock und schickt ihn wörtlich in die Wüste. Schön, dass wir diese Tierquälerei nicht mehr kennen. Dafür kennen wir Anderes. Wir schieben auch unsere Schuld ganz gerne Anderen in die Schuhe, beteiligen uns, wenn Einer zum Sündenbock wird. Ganz altertümliche Rituale leben wieder auf. Heute heißen sie Mobbing oder Tratsch oder – ganz vornehm – Ursachenforschung. Gemeinsam ist all diesen Formulierungen, dass wir versuchen uns besser zu machen, indem wir anderen Schuld geben, wenn was falsch läuft und uns logischerweise damit freisprechen.

Unsere Ideale sind aber doch ganz andere.

Wenn wir verstanden haben, welche Funktion ein Opferlamm hatte, verstehen wir auch, warum Johannes mit seinem Hinweis Wesentliches über den Erlöser sagt. Er sieht Jesus und erkennt die Person, auf die Menschen so sehnsüchtig warten und sagt deutlich: das ist keiner, der dreinschlägt, keiner der Recht und Ordnung schafft, indem er bestraft und vernichtet. Sondern einer, der bereit ist, seinen Kopf hinzuhalten für die, die zu Opfern werden in unserer Gesellschaft.

Johannes ist derjenige, der bereit ist, sich zurückzunehmen, sich selbst klein zu machen, dass die Menschen die Chance haben zu erkennen, wo ihr wirkliches Heil steht. Johannes kennzeichnet sich als Wegweiser für den, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Für mich ist diese Geschichte eine grandiose Einladung. Ich darf mich hinstellen und hinweisen. Ich muss dabei nicht groß und bedeutend sein. Ich darf ein kleines Licht sein und hinweisen auf die Größe Gottes, die an Weihnachten erschienen ist und die im Leben von Jesus deutlich wird.

Johannes Aussage war so klar wie verwirrend: ‚Ich bin es nicht. Und ich kannte den auch nicht. Aber ich weiß auch, dass ich zu klein bin.‘ Was fang ich mit solch einer Aussage an? Vielleicht versuche ich mich in diesem Johannes wieder zu finden: Ich bin es nicht, darf auch die christliche Gemeinde antworten auf die Frage, ob sie die ideale christliche Gemeinschaft sei. Aber vielleicht gibt es dann doch eine weiter führende Antwort: Wir haben geglaubt und erkannt — und uns deswegen auf einen Weg begeben. Nicht aus eigenem Verdienst sondern durch die Gnade dessen, der sich uns offenbart hat. Weil Johannes sich klein gemacht hat und den Blick auf diesen Jesus frei gemacht hat, wissen wir, wer unser Heil im Leben und im Sterben ist.

Darum dürfen wir auch die Sicht frei machen auf den Sohn Gottes, der unser Leben so unendlich bereichert.

Johannes nimmt bescheiden seine Rolle wahr. Sie ist wichtig durch den, der sie wichtig macht. Er kann seinen Platz beanspruchen ohne daraus Ansprüche abzuleiten. Er ist Wegbereiter und Werkzeug, aber das mit Überzeugung. Das dürfen auch wir in unserem Alltag: So wie wir sind leben, uns nicht aufblasen und nicht versuchen etwas darzustellen, was wir nicht sind. Einfach nur auf das Kind in der Krippe und den Mann am Kreuz zeigen und erzählen wie wichtig dieser Herr für uns ist und was in seiner Geburt für uns geschehen ist.

Das gesamte Auftreten Johannes des Täufers dient nur dem einen, dass die Epiphanie Gottes erkannt werden kann. Unser Leben als christliche Gemeinde hat mehr. Hier wird Gemeinschaft gelebt, hier wird Vergebung erfahrbar. Hier wird miteinander gebetet und gelebt. Aber all das ist nichts, wenn nicht auch verkündet wird, dass Gott Mensch wird, damit er den Menschen begegnet. Diese Aufgabe der Predigt ist uns Pfarrerinnen und Pfarrern übertragen worden, was den Gottesdienst betrifft. Die Predigt im Gottesdienst ist aber nur ein Mosaikstein dieser Verkündigung. Wenn Menschen in ihrem Alltag nicht mit Worten und Taten verkünden, dass der Herr gekommen ist, dass wir die Liebe haben; dann verhallt die Predigt im Gottesdienst folgenlos.

Die Kernfrage für jeden Einzelnen /jede Einzelne von uns bleibt: Auf wen zeigen wir hin mit unserem Sein, unserem Tun? Was bleibt wirklich wichtig?

Und diese Frage müssen wir täglich neu beantworten – mit unserer Person.

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