Wahrheit und Freiheit für das Jahr 2013

Liebe Schwestern und Brüder!

Welch große Worte! Jesus spricht:
Die Wahrheit wird euch frei machen!

Wahrheit und Freiheit sind zwei exponierte und fast schon lebensnotwendige Kategorien der menschlichen Existenz und des menschlichen Daseins.
Im jesuanischen Sinn – und in den Worten des Evangelisten Johannes gesprochen-, machen eben diese Wahrheit und die als vorher praktizierte Wahrhaftigkeit und Authentizität frei.

Frei von und frei für: Frei von Zwängen und frei zur Liebe und zur geübten Nächstenliebe. Frei von Sünde, frei von innerer Knechtschaft, eben: frei zur Annahme und Erlösung durch Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
Das ist die christliche Freiheitskategorie!
Die Wahrheit wird euch frei machen!

Doch sind wir wirklich frei? sind wir frei im Strom der Zeit, sind wir frei im Übergang vom einen Jahr zum nächsten Jahr?
Sind wir frei von Abhängigkeiten!?, frei von den ungeschriebenen Regeln und Riten unserer Familien, unserer Gruppen, unserer Arbeitsplatzbedingungen oder unserer Nation und der globalisierten, einen Welt, in der wir leben!? Sind wir wirklich innerlich frei? Oder äußerlich frei das zu tun, was uns unserer Wille oder Freiheitsdrang vorgibt!?
Schätzen wir die Freiheit wirklich, die wir in unserem Land haben und in unserer Nationalhymne als deutsches Volk besingen (Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand) oder ist Freiheit nur eine menschliche Illusion wie manche Wissenschaftler behaupten und sind wir vielmehr gefangen in unseren Abhängigkeiten und Unfreiheiten oder:
ist Freiheit vielmehr nur ein Gedankenkonstrukt wie führende Neurowissenschaftler schreiben und sind nicht wir alle vorherbestimmt oder begrenzt durch unsere Gene und familiäre Herkunft, durch Hormone oder unsere Klassenzugehörigkeit, determiniert wie die Philosophie sagt?
Sind wir nicht frei zu tun und zu lassen, was wir wollen?!. Sind wir nicht frei heute Nacht z.B. aufhören zu rauchen oder irgendeinen anderen Schwur abzulegen, der durch unsere zwanghaften Abhängigkeiten wie z.B. Nikotin- oder Alkoholsucht zunichte gemacht wird?!

Und wir hören Jesu Wort (Johannes 8,32) im Strom der Zeit und Gezeiten:
Und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!

Macht die Wahrheit wirklich frei, wenn wir jemandem z.B. ungeschminkt die Wahrheit ins Gesicht sagen oder um die Ohren hauen? Und derjenige dann tief gekränkt ist oder ewig beleidigt ist!?
Wenn wir das sagen, was wir schon immer mal sagen mussten!
Meistens reißen wir damit große emotionale Gräben auf und Verletzungen und Kränkungen entstehen, die mancher sein ganzes Leben mit sich rumträgt.
Nur Betrunkene und kleine Kinder sagen bekanntlich die Wahrheit!
Kindermund tut Wahrheit kund!
Ist dann der Kindermund wirklich frei?!

Und wieder hören wir Jesu Wort:
Und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!

Wer sich schon einmal auf den inneren oder äußeren Weg der Freiheit gemacht hat, wer also den Verheißungen der menschlichen Freiheit gefrönt hat und deren Wahrheit gelauscht hat, der weiß, dass diese Art von Freiheit und Wahrheit faszinierend sind.

Klärende und in Liebe ummantelnde Wahrheit, also wenn uns die Wahrheit wie ein Mantel umgehängt wird, kann festgefahrene Strukturen und Beziehungen aufbrechen und für einen Neuanfang im Strom der Zeit führen.

Doch wir sind gefangen in unserem Alltag und dessen knechtisches Wesen und in unserem versklavten Ich: Mach dies!, mach jenes!, hör auf damit!, bloß nicht das!, bist du verrückt!, was werden die Leute dazu sagen!, so spricht die innere Stimme, der Teufel der Unfreiheit und der Knechtschaft in uns.
Und somit sieht unser Alltagsleben gegen alle innere Beteuerungen, Anläufe und Schwüre zu mehr Freiheit und Wahrheit häufig sehr viel bescheidener und ganz anders aus. Wir sind nicht frei und träumen noch nicht einmal von der Freiheit, weil wir uns selbst im Gedanken die Freiheit und deren Wahrheit verbieten.

Wir folgen den falschen Götzen der Freiheit und deren zugrunde legender Wahrheit!
Gier und Unersättlichkeit nach Leben und vermeintlichem Lebenssinn bestimmen oft unser Leben, die aber dann in der totalen Niederlage der eigenen chronischen Selbstüberschätzung untergehen können.
Immer hoch zu Ross sitzen und der Logik des ewigen Höher, Schneller und Weiter zu frönen, führt in die gesellschaftliche und persönliche Sackgasse. Viele wissen das, kommen aber aus diesem Teufelskreis der prahlerischen Selbstüberschätzung nicht heraus. Oder enden im Burn-Out oder der Depression. Dabei waren Selbst- und Fremdeinschätzung noch nie jedermanns Sache, denn die Einschätzung durch Dritte reduziert das eigene aufgeblähte Ego meistens auf das normale Maß, das die Hilfe Gottes nötig hat.
Und wer die Hilfe Gottes braucht, wenn er sich in der inneren Wüste befindet, der träumt von der Wahrheit Jesu, die frei macht.

Frei von diesen Abhängigkeiten, gespielten Normen und Regeln, die uns das Dorf, die Nachbarn (was sollen die darüber denken?) oder der Anstand oder die allgemeine Lage oder was auch immer für eine Gesetzmäßigkeit, Regel, Unfreiheit, Sitte oder Moral jegliche Freiheit und damit auch Wahrheit im Keim erstickt!

Und wieder hören wir Jesu Worte:
Und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!

Wir hören das Wort Jesu und seine Botschaft im Übergang des einen Jahres zum anderen.
Was für eine Wahrheit bringt das Neue Jahr 2013 und welche Unfreiheit im Jahr 2012 kann ich hinter mir lassen?
Ein paar kleine Wahrheiten, die großes bewirken können.

– Wir alle brauchen Liebe. Liebe, die gegeben wird und die wir empfangen. Liebe in der Schwachheit, aber auch in der Stärke. Liebe ist das tägliche Sakrament des Zusammenlebens, das Heil und die Heilung in unserem Leben bewirkt. Das macht frei zu einem erfüllten Leben.

– Wir brauchen innerliche und äußerliche Stärke, um gegen das Unvermeidliche und das Kranke vorzugehen und dieses zu ertragen. Doch wir sind nicht allein: Gott gibt uns Stärke und Halt in der Situation. Nicht im Voraus, sondern dann, wenn und wann wir sie brauchen. Das macht frei.

– Wir brauchen Frieden. Persönlichen Frieden und die Möglichkeit sich vom Psychokrieg des Alltags zu entspannen und auch die Kraft, Geduld und den Frieden für unser Land zu erbitten im Gebet und in der Anbetung Gottes. Das ist des Glückes Unterpfand.

– Wir brauchen und wünschen uns Vertrauen, Hoffnung, Geduld und Mitleid, um diese Reise durch die Zeit zu bestreiten. Oasen der Barmherzigkeit sind nötig, die uns nähren mit der dosierten Wahrheit, die uns frei macht und der Liebe, die uns krönt mit aller Erfüllung des menschlichen Daseins.

Das alles macht frei im jesuanischen Sinn und das alles ist die Wahrheit und innere Wahrhaftigkeit von der Jesus in seiner Botschaft spricht.

Und dann gilt auch die religiöse Wahrheit des guten alten Bonhoeffer-Gebets:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Und ganz gewiss im neuen Jahr.

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