Alles Gute kommt von oben

Liebe Schwestern und Brüder!
„Alles Gute kommt von oben“ (Jak.1, 17), sagt das zum Sprichwort gewordene Bibelwort. Auch scherzhaft formuliert und ironisch gemeint, wenn es z.B. regnet oder Vögel „etwas“ fallen lassen, wird das Bibelwort gerne benutzt.
Weniger scherzhaft oder ironisch gemeint, vielmehr auf eine sehr ernste, abstrakte und philosophische Weise spricht der heutige Predigttext für den 1.Weihnachtstag aus dem Johannesevangelium von „oben“ und „unten“.
Christus ist oben, wir Menschen sind unten. Christus, „der vom Himmel kommt, der ist über allen“, über allen, die auf der Erde sind.
Man könnte meinen, der Evangelist will den Unterschied zwischen Gott und Mensch nochmals so richtig heraus stellen und uns Erdenbewohnern vor Augen halten wie klein wir Menschen wirklich sind. Gott ist oben und wir sind unten.
Gott ist allmächtig und wir sind ohnmächtig. Und tatsächlich spüren wir häufig unsere Hilflosigkeit und Ohnmacht. Gott ist im Himmel, jenseits unserer irdischen Verhältnisse und wir regieren unsere kleine Welt oder die ganze Welt nach unserem Gutdünken, häufig mehr schlecht als recht. Scheinbar sind wir frei!
Mit diesem Gott im Himmel hat man es ja auch schwer. Er ist nicht zu sehen. Seine Gedanken und Absichten sind nicht zu erfassen. Der Psalmschreiber sagt: Wie groß ist die Summe deiner Gedanken?
Seine Allmacht und Barmherzigkeit passen nicht in unsere irdischen Bahnen und Gerechtigkeitsvorstellungen.

Gott scheint ganz weit „oben“, weit weg aus unserem Leben, weit entfernt von unseren Gedanken und unserem Tun. Und für manchen ist es auch gut und richtig so.
Auch wenn wir gestern, an Heilig Abend, einen ganz anderen heiligen Text hörten: wo von Hirten und Engeln, von Maria und Josef die Rede ist. Und vor allem vom kleinen Jesuskind. Irgendwie ist es ja auch praktischer und romantischer das kleine Jesusbaby, so viel handlicher, lieblicher und wehrloser ist es gegenüber unseren Interessen als der allmächtige und jenseitige Gott, der mit voller Wucht von schräg oben kommt und mitten in unsere Leben hinein regiert.
Denn das sagt der heutige Text: es geht um nichts geringeres, um nicht weniger und mehr als das ewige Leben in Christus für den oder die, die glauben. Jesus Christus schenkt das ewige Leben.
Somit bleibt die Verheißung, die Botschaft von Weihnachten, dass derjenige, der an Jesus Christus glaubt, das ewige Leben erbt.
Und somit stimmt für jeden Gläubigen der Satz: Alles Gute kommt von oben.
Doch, so fragen sich auch viele religiöse Menschen, was nutzt die gläubige Erkenntnis und religiöse Einsicht, dass das Gute durch Jesus Christus von „oben“ kommt, aber hier „unten“ nichts davon wirklich zu sehen und zu spüren ist? Außer vielleicht den vielen Geschenken unter dem Weihnachtsbaum und dem ersten handfesten Ärger am Heiligabend! Oder sogar soweit gehend, dass manche vor lauter weihnachtlicher Geschäftigkeit vergessen, dass Jesus Christus die Mitte des Weihnachtsfestes ist und nicht ein Smartphone oder andere materielle Besitztümer!
Und wie soll ich mir das ewige Leben vorstellen? So wie es einmal einer meiner ersten Konfirmanden Spessart beschrieb: als langweilige Veranstaltung, womöglich wie die Hitparade der Volksmusik, die sein Vater gerne hörte und sah.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Botschaft von Weihnachten lautet: Gott ist da. Gott spielt mit in unserem Leben. Jesus Christus ist die Mitte und das Zentrum unseres Glaubens. Gott in Menschengestalt und unter menschlichen Bedingungen, kommt von oben herab zu uns Menschen. Wie immer ich dieses „oben“ verstehe, ob als räumliche Ausdehnung oder als Majestätsangabe! Mir gefällt in diesem Zusammenhang immer die englische Sprache besser als unsere deutsche. Im Englischen unterscheiden sie zwischen „sky“ und „heaven“. „sky“, das ist da, wo die Flugzeuge fliegen und die Erdatmosphäre ist. Und „heaven“, das ist der Raum und Ort, wo die himmlischen Sphären beginnen. Das ist der Ort, wo wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, wie Paulus schreibt.
Gott spielt mit. Gott gibt Geist ohne Maß, wie es im Text heißt.
So lautet die Botschaft. Und Gott schenkt im und durch den Glauben an Jesus Christus das ewige Leben.
Das Geschenk Gottes an uns Christen ist, dass Gott seinen eigenen Sohn dahingibt, um uns das ewige Leben zu schenken.
Der Evangelist Johannes spricht nicht vom irdischen Leben, von siebzig oder achtzig Jahren Lebenszeit, sondern von der Ewigkeit.
Der Evangelist verkündigt und verheißt die Erlösung durch Jesus Christus.

Und nichts anderes will Weihnachten sein. Die Botschaft von der Errettung der Menschheit durch den Glauben an Jesus Christus.
Der Heiland ist gekommen. D.h. der, der uns heil macht im umfassenden Sinne, heil in Körper und Geist. Der uns sein Heil, das göttliche Heil schenkt, der uns die Ewigkeit Gottes in unsere Herzen gegeben hat, der uns die Ewigkeit dereinst schauen lässt.
Wer ist es? Es ist Jesus Christus, unser Heiland und Erlöser.

Wer diese Botschaft annimmt, d.h. wer im Leben und auch im Sterben darauf vertraut, dass Jesus Christus sein Erlöser ist, der sieht nicht nur das kleine süße Jesuskind und die vielen Weihnachtsgeschenk, sondern dessen Augen werden die Erlösung im Glauben an Gottessohn, an Jesus Christus immer sehen. In seinem Herzen und in seinem Verstand leuchtet die Ewigkeit Gottes.
Gott ist wahrhaftig zu uns Menschen. Doch wir vergessen das häufig im Tages- und Jahresablauf. Häufig ist unser Glauben bescheiden bis jämmerlich oder berechnend und selten rechnen wir mit dem Eingreifen Gottes in unser Leben. Aber davon spricht der johanneische Text auch. Wer Gott nicht gehorcht, der fällt seinem Gericht anheim. Ich verstehe das eher ermahnend als drohend.
Doch die wahre Botschaft von Weihnachten lautet: Gott schenkt uns im Glauben an seinen Sohn das ewige Leben.
Und ich denke, die Ewigkeit Gottes ist etwas ganz anders als die Hitparade der Volksmusik. Denn, der der Erlösung und Heil schenkt, ist auch in der Lage einen neuen Himmel und neue Verhältnisse in mir zu etablieren Die Betonung liegt auf neu.

Wie wird dieses ewige Leben wohl aussehen, von dem Johannes spricht?
Nun ich habe darüber auch nicht die einzig wahre Vorstellung. Die Bandbreite der Ewigkeit Gottes und Tragweite des Glaubens ist Gott sei Dank sehr groß und nicht kirchenamtlich normiert.
Ich glaube, Gott geht zeit unseres Lebens mit uns mit. Er leitet uns durch seine ewige Hand. Er war vor uns da, und er wird auch noch da sein, wenn wir diese Erde verlassen müssen. Dann ist er bestimmt da. Er war vor unseren Eltern und vor all denjenigen da, die wir lieben oder jemals liebten und er hat diese, sofern sie verstorben sind in sein ewiges Reich aufgenommen. Und er geht mit unseren Kindern und Enkeln mit. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Der ewige Gott führt uns durch sein befreiendes Wort und durch seine in Jesus Christus geschenkte Gnade durch unser Leben. Er schenkt uns als Schöpfer die Liebe, die wir unseren Nächsten geben sollen. Er hält viel häufiger seine ewige, schützende und bergende Hand über uns als uns bewusst ist oder wir wahrhaben wollen. Er führt uns im Glauben an den Heiland Jesus Christus durch die Stürme, Ängste, Nöte und Schwierigkeiten unseres Lebens.
Er schenkt uns seine Erlösung, wenn wir diese Welt verlassen müssen und er tröstet durch seinen Heiligen Geist diejenigen unter uns, die trauern oder am Verzweifeln sind. Wenn ich das im Leben erfahre und manchmal auch mit dem Verstand in seiner religiösen Dimension begreife, dann habe einen winzigen Flackerrest des ewigen Lebens gesehen. Dann beginnt schon im Diesseits das Jenseits zu leuchten. Dann ist uns Jesus Christus ganz nahe mit seinem Wort und seinem Sakrament.
Und diese Hoffnung auf Rettung, dieser Glaube an die Erlösung und das Heil in Jesus Christus und diese göttliche Liebe gilt für uns Menschen für alle Ewigkeit.
Der Evangelist schreibt dazu:
Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. (Joh. 3,36)

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