Momente des Friedens und der Gerechtigkeit

Liebe Gemeinde,

es ist wieder Weihnachten geworden. Der Weihnachtsfestkreis geht noch bis zum 20 Januar. Heute haben wir einen Weihnachtstext aus dem Buch des Profeten Jesaja. Er gehört zu den bekannten Texten aus dem Alten Testament, die als Vorhersage des Kommens von Jesus Christus gedeutet werden. Ich lese Jesaja11,1-9:

[TEXT]

Das Land wird voll der Erkenntnis des Herrn sein wie Wasser das Meer bedeckt. Überall wird Frieden herrschen, sogar die Natur wird nicht mehr gefährlich und wir können heute hinzufügen nicht mehr gefährdet sein. Es wird gerecht zugehen in der Welt. Was für ein Versprechen. Wie wunderbar. Diese Verheißung hat sich also mit Weihnachten mit der Geburt des Retters erfüllt.

Wirklich? Eigentlich kann ich das nicht erkennen. Die Erkenntnis Gottes ist nach wie vor wenig verbreitet, auch in mir selbst, es gibt Kriege in Syrien und anderswo, die Natur ist weiterhin gefährlich und in Gefahr und von Gerechtigkeit kann wirklich nicht die Rede sein. Und doch feiern wir Weihnachten. Wir singen vom Frieden auf Erden und freuen uns über das Kind in der Krippe.

Und das ist gut so, denn wir denken daran: Der Frieden hat mit dem Kind in der Krippe angefangen, aber er ist noch nicht vollendet. Die Gerechtigkeit hat angefangen, aber sie ist noch nicht fertig. Und die Erkenntnis Gottes in uns beginnt gerade, aber sie kann sich noch weiter ausbreiten und entfalten.
Der Text spricht von einem neuen König von einer guten Herrschaft: 2 Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.

Heute leben wir ja zum Glück in einer Demokratie. In einer Demokratie herrscht das Volk. Das heißt wir alle brauchen heute die Kennzeichen eines guten Herrschers. Und das neue Testament sagt, dass der Geist Gottes, der auf Jesus liegt, allen Getauften verliehen wird. An dem Text können wir messen, was wir brauchen und was für uns gut wäre und wie wir werden können. Wenn wir so werden wie unser Predigttext sagt, dann werden wir in Frieden und Gerechtigkeit leben.

Wir brauchen den Geist der Weisheit und des Verstandes. Der stellt sich hoffentlich mit dem älter werden und der Erfahrung ein. Aber automatisch passiert das nicht. Der Geist der Weisheit und des Verstandes stellt sich ein, wenn wir ein bisschen Abstand von uns selbst bekommen und uns in die anderen hineinversetzen können. Dann können wir uns überlegen, wie würde es mir an Stelle des anderen gehen. Und wir entwickeln Verständnis füreinander. Und aus Verständnis zu handeln statt aus dem eigenen Gekränkt sein führt zu mehr Frieden und zu größerer Klarheit.

Der zweite Geist, den wir von Gott geschenkt bekommen ist der Geist des Rates und der Stärke. Der Geist des Rates ist wichtig, denn er lässt uns Rat suchen bei anderen und guten Rat geben, wenn wir danach gefragt werden. Aber versuchen Sie bitte nicht jemanden zu beraten, der nicht beraten werden will. Der Geist des Rates wartet darauf, dass er gefragt wird und mischt sich nicht ungefragt in Dinge ein, die ihn nichts angehen. Und aus dem Rat erwächst Stärke. Denn andere um Rat fragen, das erweitert die eigene Sichtweise. Man gewinnt mehr Handlungsmöglichkeiten. Eine schwierige Situation wird klarer, wenn wir die Meinungen anderer zu ihr einholen. Gut beraten zu sein, daraus erwächst Stärke. Und Stärke ist wichtig. Wenn wir uns stark fühlen, dann sind wir gelassener. Es kann uns nichts so leicht aus der Bahn werfen. Und wir können auch mit schwierigen Situationen besser umgehen. Eine gute Stärke führt zu Freundlichkeit und Ruhe und sucht nach Frieden und Gerechtigkeit.

Der dritte Geist, den Gott gibt, ist der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. In alten Aufzählungen kommt immer das wichtigste am Schluss. Gott zu erkennen und Gott mit Ehrfurcht zu begegnen, das zeichnet einen guten Frieden bringenden Herrscher aus. Und das ist heute richtig schwer geworden. In einer Gesellschaft, in der es selbstverständlich ist an Gott zu glauben, und Religion im öffentlichen Raum einem immer wieder begegnet, da ist es einfacher Gott zu erkennen und Gott mit Ehrfurcht zu begegnen. Aber bei uns wo der Glaube zur Privatsache erklärt wird und die Leute immer mehr Berührungsängste mit der Kirche haben, da kostet es mehr Kraft und mehr Mut, sich um die Erkenntnis Gottes zu kümmern und zu beten oder in den Gottesdienst zu gehen oder auch mal ein religiöses Buch zu lesen. Aber die Erkenntnis Gottes kommt halt nicht von alleine. Man muss sich schon damit befassen. Und der Glaube bleibt einem auch nicht alleine erhalten, wenn man ihn nicht ab und zu übt. Es reicht nicht zu beten, wenn man in Not ist und dann auf einen Trost aus dem Glauben zu hoffen. Etwas was in guten Zeiten nicht geübt ist, wird in schweren Zeiten nicht tragen können. Also auch Ehrfurcht vor Gott braucht Übung. Niemand erwartet, ein Instrument spielen zu können, wenn er nicht übt. Und niemand erwartet gut Fußball spielen zu können, wenn er nicht trainiert. Aber merkwürdiger Weise glauben alle bei der Religion wäre das anders. Klar ist es Gottes Geist, der Glauben und Ehrfurcht vor Gott in uns bewirkt, aber wenn wir nicht üben, diesen Geist in uns wirksam werden zu lassen, dann hat er es echt schwer.

Es ist immer beides. Die Gnade kommt von Gott, ist völlig unverfügbar. Wir können sie nicht machen. Aber wenn wir uns nicht für sie öffnen, dann geht die Gnade an uns vorbei und kann uns nicht erreichen. Und dann gewinnt der Glaube auch keine Sicherheit und wird uns weniger Halt geben.

Also in Jesus Christus, so die Weihnachtsbotschaft aus unserem Predigttext, ruht auf uns der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und wenn wir alle in diesem Geist leben, dann wird das geschehen, was unser Text sonst noch sagt: Es wird sich ein ungeahnter Friede über die ganze Welt ausbreiten. Ein wunderbarer ein unglaublicher Friede mit vollständiger Gerechtigkeit.

Nur da wir ja nicht immer in diesem Geist leben, ist auch der Friede und die Gerechtigkeit erst mal ziemlich unvollständig. Aber das macht nichts. Hauptsache es geht in die richtige Richtung. Jeder einzelne Moment des Friedens und der Gerechtigkeit, der sich in unserem Leben ereignet ist kostbar. Jeder einzelne Moment wo jemand sich mit jemand anderem verständigt ist wertvoll. Jede weise Entscheidung, jeder gute Rat, jedes Gebet ist ein Schritt auf dem Weg zu einer friedlicheren und gerechteren Welt. All das Gute, dass aus dem Geist Gottes in uns fließt, ist ein für alle mal in der Welt und kann auch ihr nicht mehr hinausgedrängt werden. Gott sieht es und freut sich darüber. Und all das andere wird er am Ende auch in Gutes verwandeln.

Und der Friede Gottes …

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