Leuchtfeuer auf dem dunklen Meer des Lebens

Liebe Gemeinde,
Stellen Sie sich vor: ein Schiff ist unterwegs auf dem Meer. Draußen ist es dunkel, und das Schiff nähert sich allmählich der Küste. Der Kapitän hat einen Matrosen einen Ausguck geschickt, um nach der Küste Ausschau zu halten.
Doch wie soll der etwas in der Dunkelheit sehen? Der Matrose blickt scharf aus, er sucht ein Licht, das den Weg weisen wird.
An Land steht ein großer Turm, an der Küste hart ans Wasser gebaut. Das oberste Stockwerk ist rundum verglast. Nicht, um die Aussicht zu genießen, was jetzt in der Dunkelheit auch wenig sinnvoll wäre, sondern um ein Licht weithin strahlen zu lassen: Das Licht, nach dem der Matrose auf dem Schiff Ausguck hält.
Der Leuchtturm, denn um einen solchen handelt es sich, leuchtet weit über die Wasser hinaus, um ankommenden Schiffen zur Orientierung zu dienen.

Auch wir sind wie so ein Schiff. Wir sind Kapitän, Steuermann und Matrose zugleich. Wir halten Ausschau nach dem Licht, das uns helfen soll, sicher in den Hafen einzulaufen. Unser Licht ist Christus, der uns Orientierung und Wegbeleuchtung zugleich ist. Wir halten uns mit unserem Lebensschiff an ihn, um sicher anzukommen.

Doch nicht jeder Mensch kennt dieses Licht Christus. Manche irren auf dem Meer der Ungewissheit, kreuzen mal hierhin, mal dorthin, und suchen verzweifelt nach dem richtigen Licht, dass ihnen den Weg weisen soll. Auf dem Meer der Ungewissheit ist es dunkel, doch blinken vielerlei Lichter auf: Irrlichter, die keineswegs den Weg weisen, sondern ins Verderben führen.
Der Prophet Jesaja beschreibt diese Situation, wenn er schreibt: „Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker.“
Damals wie auch heute leben viele Menschen in dieser Dunkelheit: Sie sehnen sich nach Licht, nach Erleuchtung. Und sie folgen bereitwillig jedem Licht, das sie sehen. Die Lichter führen sie an viele Orte, aber nicht in den Hafen, der ihr Ziel ist. Die Menschen gehen in buddhistische Zentren, um die Wahrheit zu finden. Sie schließen sich dem Ufologen an und erwarten, dass sie zu den Außerirdischen weggebeamt werden. Sie suchen nach Erlösung bei den Zeugen Jehovas oder in der neuapostolischen Kirche. Sie hören von dem Maya-Kalender und erwarten den Untergang der Welt. All diese Lichter und noch viele weitere führen in die irre, doch den Weg in den Hafen, der Erlösung, den weisen sie nicht. Und wer sich in der Seefahrt an die falschen Lichter hält, der steht in der Gefahr, Schiffbruch zu erleiden.

Der Matrose auf unserem Schiff hält scharf Ausschau. Da plötzlich taucht ein Licht vor ihm auf, und er ruft hinunter zu Steuermann und Kapitän: „Licht voraus!“
Nun wissen die beiden, wie sie zu steuern haben. Sie nähern sich dem Licht und halten sich daran.

Auch wir haben unser Licht entdeckt: Christus ist es, der uns führen und leiten will. An Weihnachten haben wir die Geburt von Jesus gefeiert. Doch das war nicht nur eine schöne Geburtstagsfeier, sondern es ging an Weihnachten um viel mehr. Wir feiern an Weihnachten, dass Gott Mensch geworden ist, dass er uns ethische Weisungen hinterlassen und Wunder gezeigt hat, dass er uns vorgeführt hat, wie wir leben sollen. Und wir feiern zugleich, dass Gott sich für uns hingegeben hat und am Kreuz gestorben ist, damit wir leben können.

Jesaja schreibt: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“
Ja, liebe Gemeinde, unser Licht, Christus selbst, ist gekommen und hat die Herrlichkeit des Herrn offenbar gemacht. Von diesem Licht profitieren wir in unserem Leben, denn wir können es als Wegweiser nutzen. Doch nicht nur allein wir sollen etwas von diesem Licht haben. „Mache dich auf, werde licht“ – wir sollen selbst zu Wegweisern werden. Wie der Matrose im Ausguck nach unten meldet, dass er ein Licht sieht, so sollen auch wir weitergeben, dass wir das Licht Jesus Christus sehen.
Wir sollen in unseren Familien und bei unseren Freunden, bei Bekannten, Verwandten, aber auch bei ganz Fremden von Gott erzählen. Wir sollen davon erzählen, dass Gott diese Welt mit allen, was auf ihr ist, auch uns Menschen, ins Leben gerufen hat. Wir sollen davon erzählen, dass Gott das Gute für uns will. Wir sollen von Jesus Christus erzählen, von seinen Predigten, von seinen Wundern, davon, wie er Menschen überzeugt hat.
Wir sollen hell werden, sollen selbst zum Licht werden. Und die Menschen werden unser Licht sehen. Sie werden staunen und werden fragen, sie werden Christus und Gott kennen lernen wollen. An uns liegt es, ob auch sie das Licht entdecken oder ob sie auch weiterhin in der Dunkelheit umherirren.

Heute feiern wir nicht nur die Epiphanias, also die Erscheinung des Herrn, sondern zugleich auch Heilig Drei Könige. Drei Könige oder nach anderer Lesart drei Weise Männer hatten von dem Licht gehört, dass auf die Erde kommen sollte. Ein neuer König sollte geboren werden, ein König, mit dem ein neues Zeitalter anbrechen sollte. Sie wollen zu diesem König ziehen, wollen ihn anbeten, ihre Ergebenheit ausdrücken, ihm Geschenke bringen. Doch wo sollen sie hinziehen, wo sich hinwenden? Nach Süden, Ostern, Norden oder Westen? Sie ziehen einem Licht hinterher, einen Stern, der sie leitet über das dunkle Meer der Wüste an den Ort, wo sie endlich Christus finden. Sie ziehen den Licht hinterher in der Gewissheit, dass es nun hell werden wird bei Ihnen. Und sie lassen sich anstecken von der Freude, die bei den Hirten herrscht. Sie zweifeln nicht, sie verlangen keine Zusagen, keine Beweise, sie glauben einfach. Und legen dem neugeborenen Kind, dem neuen König der Welt ihre Geschenke zu Füßen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dabei steht Gold für die Macht, die dieser König über die Menschen haben wird. Weihrauch symbolisiert dagegen die göttliche Verehrung, die ihm zukommen wird. Und Myrrhe, dieses Harz, das auch als Medizin benutzt wurde, zeigt an, dass Jesus in all seiner Göttlichkeit trotzdem Mensch wie du und ich bleibt.

Liebe Gemeinde,
viele Schiffe sind unterwegs auf dem dunklen Meer des Lebens. Sie alle suchen nach dem rechten Licht, nach dem Leuchtfeuer, das Ihnen den richtigen Weg weist. Wir Christen sollen Ihnen diese Leuchtfeuer sein, sollen für Christus brennen. Sollen durch unser Leben unsere Welt erhellen. Dann wird es auch geschehen, was Jesaja gesehen hat: „Über dir geht auf der Herr. Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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