Wie soll ich dich empfangen?

Heute am 23.12. ist der Tag der Revision. Stimmen meine Vorbereitungen. Bin ich gut gerüstet für das Fest der Feste? Hoffentlich kommt jetzt niemand und lenkt mich ab von dem, was getan werden muss. Und überhaupt: Alles muss stimmen; denn Weihnachten soll gelingen.

Aber was genau muss da stimmen, wenn Weihnachten gelingen soll? Was genau muss ich machen, dass wirklich Weihnachten werden kann bei mir und den Meinen.

Unser Predigttext stammt aus einer Zeit, als die Menschen keine Ahnung hatten, was Weihnachten ist. Aber sie hatten eine Hoffnung. Sie waren in der römischen Provinz, fühlten sich unfrei, als Knechte und Mägde, und warteten, dass Gott seinen Messias sendet, dass diese Römer vertrieben werden, dass Gottes Volk Israel triumphieren wird, dass die Welt das Paradies wird, das es einmal war. Sie warteten auf den himmlischen Frieden, den nur Gott schaffen kann. Und als da Einer war, der mit Vollmacht predigte, da sandten Sie Boten zu ihm, ob er Elia sei, der Vorläufer des Messias.

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Die Fragenden kommen aus dem Synhedrium, der obersten Zentralbehörde für den glauben. Es geht also um ein Verhör, denn mit Elia würde das messianische Zeitalter anbrechen. Johannes leugnet nicht, dass er ein Prophet ist, aber er übernimmt auch nicht die ihm zugedachte Rolle. Er ist nicht mehr als der Wegbereiter für den Gesandten Gottes, dem er nicht einmal das Wasser reichen kann.

Er ist der Prediger und Täufer, der ein Geschehen vorbereitet, das Gott selber für die Menschen bereiten will. Darum redet er und darum tauft er, dass es Weihnachten werden kann für die Menschen. Weihnachten im eigentlichen Sinne: Der Herr kommt.

Advent ist eigentlich nichts anderes, als dass wir die Frage unseres Liedes stellen: Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?

Dieser Johannes lebt anders als wir. Er kann sich nicht vorbereiten auf Weihnachten, weil er spürt: Das, was die Menschen erwarten, das, weswegen sie extra kommen um ihn zu fragen, ist längst mitten unter ihnen. Da geht es nicht mehr um Tanne, Kugeln und Geschenke. Da geht es ums Leben. Und er weiß wenig dazu zu sagen: Ebnet dem Herrn den Weg. Das ist ein uraltes Zitat. Mehr gibt es nicht zu sagen, als das, was alle eigentlich schon wissen. Nichts Neues und doch etwas revolutionär Neues.

Er kann nur zugeben, wie klein und unbedeutend er ist. Nicht einmal würdig genug, dem, der da kommt, die Schnürsenkel zu binden.

Er zeigt Demut: Ich bin nicht Wert. So etwas zu sagen, bedeutet auch den Mut zu sagen: ich habe meinen Wert nicht aus mir selbst heraus, sondern weil Jesus ihn mir verleiht. So wie Johannes seine Rolle findet, muss ich meine Rolle finden in der Gemeinde im Leben an der Krippe. Die Bußzeit mit Namen Advent will mir dabei helfen.

Weihnachten wird nun wirklich nicht dadurch, dass ich etwas mache, sondern Weihnachten ist, weil ER schon alles gemacht hat, weil der Weg bereitet ist, weil er die Frage Wie soll ich dich empfangen längst beantwortet hat. Ich muss Weihnachten nur Wirklichkeit werden lassen bei mir und den Menschen. Dafür kann ich mich vorbereiten. Darauf darf ich mich einstellen.

Das hat wenig mit weihnachtlichem Schmuck und wenig mit Geschenken zu tun und viel mit mir, meiner Seele und meiner Zeit. Was bin ich bereit, dafür zu tun, dass Gott Heimat findet bei den Menschen, in ihrem Glauben und Denken?

Das will ich lernen: Es geht um mich. Alles andere ist Beiwerk. Gott will Mensch werden für mich. Darauf kann ich mich vorbereiten mit Kerzen, mit Plätzchen, mit allerlei Schmuck. Aber so wenig ein Auto Chromleisten braucht, so wenig braucht die Geburt Gottes, die Ankunft Christi all dies. Vielleicht brauche ich es, damit mir bewusst wird: der Herr kommt, weil ich ihm so viel wert bin. Dann ist es gut. Aber vielleicht lenkt mich das Vielerlei von vorweihnachtlichem Brauchtum auch nur ab von dem wirklichen Inhalt. Dann lass ich es besser. Gott will Mensch werden. Das dürfen wir feiern, aber wir dürfen es nicht verpassen.

‚Ebnet dem Herrn den Weg‘ – das ist eigentlich nur ein Zitat aus dem Propheten Jesaja. Viel mehr kann Johannes der Täufer nicht sagen – und sagt damit auch: es ist eigentlich alles gesagt. Es gibt nichts, was ihr nicht schon wissen könntet. Und so ist es. Es ist alles gesagt. Wir wissen alles, aber wir tun nicht alles. Wir haben bereits das Leben. Aber es liegt sehr ärmlich –gottserbärmlich weit weg auf heu und auf Stroh. Ob wir das packen?

Aber versuchen könnte ich es ja…….

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