Man kann es nicht oft genug sagen …

Wie oft muss ich es eigentlich noch sagen, bis du es endlich glaubst?
Du kannst das und du schaffst das – ich trau dir das zu, glaub mir !
Ungläubiges Zweifeln, vielleicht auch schon zaghaftes Staunen, aber so richtig kommt die Botschaft noch nicht an:
In dir schlummern ungeahnte Möglichkeiten, du bist voller Phantasie und Kreativität, du bist hochbegabt, du musst nur an dich glauben, dann gelingt es dir auch….
Wie oft schon kam diese Botschaft raus, aber nicht rüber…
wie viele vorher hatten schon ganz ähnliches gesagt…
Denn ich bin nicht nur das, was in mir steckt, sondern auch das, was andere in mir sehen, wie andere mich sehen und zwar positiv wie negativ:
mir zutrauen, von mir erwarten und in mir entdecken – oder aber an mir anzweifeln, pessimistisch mich hinterfragen und kleiner reden als ich wahrhaftig bin.
Warum findet das eine, das kleine, das negative nur immer so leicht Gehör und Glauben und das Positive wird so schnell als frommer Wunschtraum oder Einbildung abgeschrieben?
Wie oft noch soll oder muss auch das Gute gesagt werden, bis es endlich seine Zuhörer findet, die hören, ihr Herz öffnen und die Botschaft ankommen lassen (wollen oder können)?
Die negativen Botschaften aus der Kindheit wirken oft ein Leben lang nach; die positiven Botschaften derjenigen, die uns aufhelfen, die uns stark und groß machen wollen und mehr in uns entdecken, als wir uns zutrauen, spielen dagegen eine mühsame und manchmal auch vergebliche Rolle.
Wie oft soll ich es dir denn noch sagen?
So muss nicht nur der Vorwurf der Mutter oder des Vaters klingen !
So kann auch die Botschaft des ersten Adventes klingen und sich auf die Suche nach dem Guten, dem Wahren und dem tiefen Ehrlichen in uns und um uns herum machen.
Wie oft soll ich es dir denn noch sagen ?
„Nicht oft genug!“ kann eigentlich nur die Antwort auf diese Frage lauten. Advent kann ich nicht oft genug ansagen.
Was alles anders und besser sein kann, hören wir das ganze Jahr.
Was sich alles ändern muss, wissen wir nicht nur in Stammtischrunden gut genug.
Davon, dass die Welt immer schlimmer wird, muss uns keiner mehr überzeugen, aber das alles gut wird, ja schon gut ist, dass die Welt einen guten Ausgang nehmen wird und dieses gute Ende heute schon mit Händen unter uns zu greifen sein will, das kann man noch so oft sagen, nur: die Botschaft höre ich wohl, allein es fehlt mir der Glaube…
Wie denn auch bitte schön ?
Soll auf einmal Frieden einkehren, wo bisher Geschäfte der großen Konzerne den Ton angeben und wichtiger sind als das Wohlergehen von Frauen, Kindern und Männern, sollen also die Waffen schweigen, die bis eben noch die Kassen mancher zum Klingen brachten, soll sich ökologische Vernunft durchsetzen, wo die kurzfristige Rendite viel lukrativer und einfacher zu erzielen ist als Klimaschutzvereinbarungen? Soll etwa Friede werden auf Erden?
Soll der Nachbar Ruhe geben, den ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr ansehe und die Sprachlosigkeit in der Familie überwunden werden, wo es doch schon Jahren kein gemeinsames Thema mehr gibt?
Wie lange, glaubst du denn, wird die Advents- und Weihnachtsidylle diesmal halten? Bis zum Kaffeetrinken, oder doch länger?
Auf unsere alten Tage, soll das Warten auf einen Nachkommen, auf einen Sohn doch noch ein Ende haben und das Glück einkehren und der Spott oder das mitleidige Lächeln der Freunde und Verwandten aufhören?
Fragen über Fragen, aber die Antworten, die alle eigentlich schon kennen, will keiner wirklich hören. Da sagt keiner: Kannst du das bitte noch einmal wiederholen, Ich kann es gar nicht oft genug hören! Sondern alle wollen es dennoch lieber nicht glauben, dass es doch wahr sein soll.
Zacharias musste erst seine Lektion lernen, durch ein Tal des Schweigens hindurch bis er die Höhen seines strahlenden Lobgesanges erreichen und ihn anstimmen konnte.
Der Zweifel, die Resignation musste überwunden, das gefangene Herz befreit und die müde Seele gestärkt und ermuntert werden.
Immer wieder erreichte ihn die Botschaft und wie ein steter Tropfen erweichte sie irgendwann sein Herz und seinen Verstand und öffnete ihm die Augen. Da begreift er: Gott, gepriesen sei er, hat es ja oft genug gesagt!
Nur er, wie auch wir haben ihm irgendwann nur nicht mehr geglaubt.
„Diese Welt gebe ich nicht verloren.
An euch liegt mir viel zu sehr.
Du bist und bleibst mir wichtig, du kleines Volk im Schatten der Weltgeschichte, du kleiner Mensch, der du denkst, was soll ich schon ausrichten, was vermag ich denn schon, was kann ich denn schon im großen Weltgeschäft verändern?“
Alles mit Gottes Hilfe oder Gott kann alles, wenn du ihm Raum in dir und mit dir gibst, wenn er in dir und mit dir Mensch werden und zur Welt kommen kann.
Wenn du ihn ankommen lässt mit seinem Wort, seiner Verheißung und seinem Zutrauen in deine Person.
Glaub es ihm doch endlich und lass dir die Augen öffnen für das, was schon anders geworden ist auch mit den Menschen, die ihm Welt wurden, in die er kommen konnte.
Erinnere dich, wie oft er dir geholfen hat in ausweglosen Situationen, wie sich Dinge gefügt haben, die du nicht geplant hast, wie du Kräfte hattest, Dinge zu verarbeiten und zu stemmen, die keiner dir zugetraut hatte.
Erinnere dich an die Augenblicke, die dein Herz berührt und die Tränen laufen ließen.
Denk an das Mitgefühl und im besten Sinne des Wortes Mitleid, das dich nicht allein ließ im dunklen Tal , in den Niederungen des Lebens.
Das alles ist keine Einbildung, kein frommer Wunsch, sondern der andere Blick des Glaubens und des Vertrauens auf die Wirklichkeit, die ich immer so oder so deuten kann.
Die Botschaft des Advents lautet: Gott kommt in den Alltag dieser Welt und in die Dunkelheiten und Tiefen des Lebens, er bleibt an meiner und deiner Seite, er macht Lust auf Veränderung und hat dieser Welt schon so manches Mal ein anderes Gesicht der Barmherzigkeit gegeben. Er macht mir Mut, jeden Tag neu zu starten und loszulaufen, auch wenn das Ziel noch so unglaublich weit entfernt ist, um das Unmögliche zu erreichen oder zu bewegen.
Gott gibt dabei nicht auf, weder seine Entschlossenheit, noch seinen Plan mit dieser seiner Herzensangelegenheit und Schöpfung, und schon gar nicht uns.
Was den Vätern angesagt war, was sich für Zacharias erfüllt hat, was aus dem Munde des Täufers begrüßt und von uns immer noch sehnsüchtig erwartet wird: das Heil, das Wohl der Welt, die Gewissheit des guten Ausgangs und des wunderbaren Anfangs heute schon, erklingt im Advent Jahr für Jahr aufs Neue und fragt uns: wie oft muss ich es denn noch sagen, bis du es wirklich glaubst? „Denn er hat besucht und erlöst sein Volk“ (V.68)

Und damit darf ich Jahr für Jahr, Monat für Monat, Woche für Woche und Tag für Tag neu anfangen, Gott sei Dank und Gott sei gelobt.
Das ist Advent, vielmehr als nur ein, zwei, drei oder vier Lichter am grünen Kranz, sondern ein Flächenbrand, der diese Zeit und diese Welt hoffentlich erhellt.

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