Schwangerschaften sind ansteckend

«Schwangerschaften sind ansteckend»
München (dpa): Schwangerschaften wirken laut einer Studie ansteckend auf Arbeitskolleginnen. Im Jahr nachdem eine Kollegin Mutter geworden ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, fast auf das Doppelte, wie Forscher der Universität Bamberg herausfanden.
Die Wissenschaftler werteten dafür Daten von etwa 42 000 Frauen in 7600 Betrieben aus. Der Austausch mit der schwangeren Kollegin oder ihrem Baby stärke den Kinderwunsch und auch das Selbstvertrauen, heißt es in der Studie. «Da die Entscheidung für ein Kind unter erheblicher Unsicherheit getroffen wird, sind die Erfahrungen sozialer Kontakte besonders relevant.»
Berufstätige Frauen, die sich für ein Kind entschieden, könnten eine Art «Kettenreaktion» unter ihren Kolleginnen hervorrufen. Dieser Effekt sei besonders bei etwa gleichaltrigen Frauen bemerkbar.
Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) betonte am Dienstag, familienfreundliche Strukturen in Unternehmen seien für die Familiengründung genauso wichtig wie eine abgesicherte berufliche Position. Sie forderte von den Betrieben daher konkrete Maßnahmen – angefangen von flexiblen Arbeitszeiten bis zur Ermöglichung von Erwerbsunterbrechungen für die Erziehung. (Quelle: FZ, 28.11.2012)
Schwangerschaften sind also ansteckend. Und nicht nur das, eine Schwangere geht gestärkt aus der Situation heraus, hat mehr Selbstbewusstsein. Zuvor aber spüren die werdenden Eltern eine große Unsicherheit und da braucht es dann ein gutes soziales Gesamtgefüge, um die Schwangerschaft in gute Bahnen zu leiten.

Maria, die später in der Geschichte noch eine tragende Rolle spielen wird, scheint all das, was die Wissenschaft in einer langen Versuchsreihe herausgefunden hat, intuitiv gespürt zu haben. Sie macht sich sogleich auf den Weg zu ihrer Verwandten und hilft, „ein gutes soziales Gesamtgefüge“ zu schaffen. Was muss das für ein Schock gewesen sein für alle Beteiligten: Die hochbetagte Elisabeth schwanger. Nach so langer Zeit. Der Begriff „spätgebärende“ wäre wohl immer noch geschmeichelt, stellt man sich einmal vor, welches Alter Zacharias, ihr Mann und der Vater des Kindes, selber schon erreicht hat. Ab und an geistern durch unsere Boulevardnachrichten ja auch immer wieder mal Meldungen über Männer, die im hohen Alter Vater geworden sind. Zuletzt hat das Rainer Calmund geschafft und der war da schon 62. Hilfe braucht die „junge“ Familie also allemal.

Elisabeth, die werdende Mutter, hatte von den Vorschlägen einer Frau Haderthauer überhaupt keine Ahnung und auch sonst dürfte sie die Einhaltung irgendwelcher menschlichen Versprechungen bezüglich der Rückkehr an den Arbeitsplatz oder die Garantie des Mutterschutzes eher wenig interessiert haben. Für Elisabeth war es dagegen wichtig, dass Gott an ihr gehandelt hat. Wer sonst hätte die Kraft, die Macht, die Freude daran ihr zu helfen? Elisabeth hat Gottes Wirken an ihr erkannt. Und darum hat Elisabeth auch einen „sprechenden Namen“. „Mein Gott hat geschworen“ bedeutet der Name der Elisabeth ins Deutsche übersetzt. Und Gott hat seinen Schwur gehalten. Er hat seine Zusage des Bundes mit den Menschen in dieser Frau noch einmal erneuert. Ganz persönlich mit ihr, aber auch darüber hinaus.

Überhaupt: Dieser Bund Gottes mit den Menschen. Dieser Bund ermöglicht Elisabeth und ihrer Familie – und darüber hinaus natürlich allen Menschen – ein von der Angst befreites Leben; eben weil Gott da ist. Das bedeutet, dass Elisabeth sicher auch in der Schwangerschaft manche Stunde durchleben wird, in der sie sich sorgt um das in ihr heranwachsende Kind und sich Gedanken macht über die Zukunft. Aber darüber hinaus kann sie sich und ihre Familie, ihr Volk, alle Menschen getragen vorstellen, wie in einem Netz, das Gott unter uns gespannt hat. Du kannst bekanntlich nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand. Das bedeutet: Ab und an fallen wir hin, aber Gottes Hand, oder besser gesagt, sein Netz ist ausgespannt. Angstfrei bedeute in diesem Sinne, dass wir Vertrauen haben dürfen in diesen Gott, der seinen Bund hält! Angstfrei leben eben. Was uns blüht, wenn Gott diesen Bund kündigen würde, ist auch in der Bibel beschrieben: Viel Wasser, kein Land und lange Tage auf See.

Und Elisabeths Mann? Zacharias ist der typische Fall des alten Vaters, den die anderen Kinder in der Schule für den Großvater halten und mit dem eine Begegnung, z.B. an der Kindergartentür, immer wieder zu heiteren Episoden führen kann: „Ach, das ist ja schön, dass der Opa sein Enkelkind abholt!“ Leider ist es nicht überliefert, wie oft Zacharias am Tor zum Tempelkindergarten auf diese Weise fälschlich vom Vater zum Großvater mutierte, aber wahrscheinlich wäre Zacharias in einem solchen Fall auch nicht lange böse gewesen. Denn auch für ihn gilt: Gott hat an mich gedacht, das bedeutet sein Name nämlich übersetzt. „Jahwe hat sich erinnert!“ Und so zeigt sich gerade an Zacharias, diesem optischen Großvater, dass Gott nichts vergisst. Egal, wie alt du wirst, Gott erinnert sich. Ob das für einen jeden oder jede Einzelnen von uns jetzt und in Zukunft gut oder schlecht ist, müssen Sie selber entscheiden.

Auf jeden Fall ist Zacharias sehr adventlich gestimmt. Er erwartet das Kommen seines Sohnes Johannes und er ist – überglücklich. Bisweilen, wenn Menschen das Herz übergeht, gerade, wenn solches vor Freude geschieht, muss diese fröhliche Anspannung raus und Zacharias singt. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest [77] und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, [78] durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, [79] damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Die Grundlage dieser Freude ist dabei nicht die Hoffnung oder gar die Forderung nach religiösen oder politischen Revolten, sondern das Wissen darum: Gott kommt! Es ist die „Vorfreude auf den Gottesbesuch“, die da aus Zacharias heraussprudelt. (Vgl.:H.G. Link, in: GPM 1974, Bd.11, S.10)

Es ist die Hoffnung auf Frieden, die Zacharias das Herz und die Lippen öffnet. Dem geneigten Beobachter mag es auffallen: Es entbehrt nicht einer gewissen Komik im Zusammenhang mit einem neugeborenen Menschenkind von Frieden zu sprechen. Gerade der nächtliche Frieden in einer jungen Familie ist selten intakt. Angefangen von den berüchtigten Drei-Monatskoliken bis hin zu den ersten Zähnen, dann den Backenzähnen, diversen Fieberschüben und anderen quersitzenden Winden und Lüften, die den Wunsch nach häuslichem Frieden zu etwas ganz besonderem machen und damit, je länger die Zeit des Unfriedens andauert, größer als alle irdischen Wünsche zusammen werden lässt. Diesen Frieden meint Zacharias wohl nicht.

Der Frieden, den die beiden werdenden Eltern mit dem heranwachsenden Kind verbinden ist anderer Natur. Allumfassender und von anderer Qualität. Die Nähe Gottes zu den Menschen wird dafür sorgen, dass alles Leid, alle Traurigkeit, alle Zerrissenheit, alle Trauer, ja, der Tod selbst wird aufhören. Johannes, der, dem Gott gnädig ist, wird dem Christus den Weg bereiten. Es ist seine Aufgabe, die Welt, uns, darauf vorzubereiten, dass da noch ein anderer kommt. Johannes bereitet uns auf den lange ersehnten Gottesbesuch vor: Wir sind angewiesen auf ein helles Licht in dunkler Zeit. Wir brauchen Frieden in einer unfriedlichen Welt. Wir brauchen Liebe und Hoffnung darauf, dass ein krummer Weg gerade werden kann; das Verletzungen. Kränkungen und Schmähungen aufhören und vergeben werden können. Darauf, dass Friede werden kann. Die Vorfreude auf Gottes Besuch hier bei uns auf Erden ist die Vorfreude auf unsere Befreiung. (Vgl. Ebd., S. 11)

Maria ist auf dem Weg zu Elisabeth. Sie will mit ihr die Freude der frohen Botschaft, der guten Hoffnung, teilen. Freude ist ansteckend, mindestens genauso wie Schwangerschaften angeblich ansteckend wirken. Maria ist auf dem Weg zu Elisabeth und sie weiß, dass sie auch schwanger ist. Sie wird den Christus zur Welt bringen. Und damit nicht nur das soziale Gesamtgefüge für Elisabeth richten, sondern für die ganze Welt.
Advent ist eine Zeit der Freude. Lassen Sie sich anstecken!

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