Tröstende Worte und Geschehnisse

„Leben mit dem Tod“, liebe Gemeinde. Das tun wir und das wissen wir.
Wer geboren wird, muss eines Tages sterben.

Mit dieser Wahrheit gehen wir Menschen aber unterschiedlich um. Damit meine ich, dass es nur wenigen gelingt, sich mit den Themen „Sterben und Tod“ auch wirklich zu beschäftigen.

Das dies wertvoll ist und nötig und hilfreich – das ist alles keine Frage. Und doch zucken die meisten von uns davor zurück.

Um das zu verändern, gab es bis vorgestern eine Themenwoche in der ARD, in den Fernseh- und Radioprogrammen.

Unter der Überschrift „Leben mit dem Tod“ wurden verschiedene Aspekte beleuchtet, mit denen sich diejenigen beschäftigen konnten, die es wollten und sich die Zeit dafür nahmen.

Für eine bessere Übersicht wurden die Beiträge in die folgenden drei Bereiche eingeteilt: „Wenn ich einmal sterbe – Im Leben den Tod gestalten“, „Wenn jemand stirbt – gemeinsam bis ans Lebensende“ und „Wenn jemand gestorben ist – Was nach dem Sterben kommt“.

Weil die meisten dieser Sendungen auch nachträglich per Internet angeschaut und nachgehört werden konnten, habe ich mir einen groben Überblick verschaffen können.
Mein persönlicher Eindruck: dieses Angebot ist gut gewesen.

Mit besonderem Interesse habe ich – mit Blick auf diesen Gottesdienst – die Beiträge der dritten Kategorie verfolgt: „Wenn jemand gestorben ist – Was nach dem Sterben kommt“.

Ich bekam eine Fülle von Informationen über das, was alles geregelt werden muss.
Angefangen von der Notwenigkeit eines Totenscheins über die unterschiedlichen Formen einer Beisetzung bis hin zu den Gestaltungsmöglichkeiten einer Grabstätte.

„Wenn jemand gestorben ist: Was nach dem Sterben kommt“ – ist mit dem, was wir alles regeln können, dann auch alles getan?

Für mich führt die Frage „Was nach dem Sterben kommt“ weiter.
Führt über den Bereich dessen, was wir erledigen und veranlassen können, hinaus.
Und führt zu dem, was hält und trägt und unverfügbar ist. Was noch kommt und was wir nicht machen können.

Führt zu dem, was uns versprochen ist in den alten Texten, bewahrt von Generation zu Generation.
Worte wie diese hier.
Sie stammen von einem Propheten, den wir den „dritten Jesaja“ nennen. Aus seinem Mund ist uns dieses Versprechen von Gott überliefert:
17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.
18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude,
19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.
Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.
23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.
24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.
25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.
Jes 65,17-19.23-25

Was für ein schönes Bild von unserer Zukunft, denke ich.
Kein Klagen und Weinen mehr, stattdessen ganz viel Freude und Fröhlichkeit.

Dass dies irgendwann einmal wieder kommen wird, das wünsche ich Ihnen:
Eine Freude, die sich aus der Dankbarkeit über einen schönen Augenblick speist, weil wir erfahren haben, wie zerbrechlich unser Glück ist – ja.
Eine Fröhlichkeit, die von ganz tief innen, aus unseren Herzen perlt ohne eine gedachte Schranke oder ein Stoppschild und ohne schlechtes Gewissen – ja.

Die Hoffnung auf ein Dasein ganz nah bei Gott, ohne Leid und ohne Schmerzen. Ohne alles das, was uns in unserem irdischen Leben so beschwert und bekümmert. Frieden. Und eine Liebe, die bleibt.
Davon reden wir bei unseren Trauerfeiern.
Und hoffen und vertrauen darauf, dass diese Worte gehört und aufgenommen werden. Dass sie trösten in schwerer Zeit.

Und dann dürfen wir bei unseren Abschiedsfeiern so manches Mal zu Zeuginnen und Zeugen von etwas werden, das sich einfach ereignet, das wir nicht machen können.
Geschehnisse, die sich wohl noch stärker in unser Bewusstsein hinein graben, als tröstliche Worte es vermögen.

Drei Begebenheiten soll verdeutlichen, was ich meine.
Die erste ist mir erzählt worden, die anderen beiden habe ich hier in unserer Kirche miterlebt.

Mein erstes Beispiel:
Bei einer Seebestattung an einem regnerischen Tag erscheint in dem Moment, in dem die Urne der See übergeben wird, plötzlich ein Regenbogen am Himmel.

Das zweite Erlebnis:
An einem anderen Tag, an dem wir hier zur Beerdigung zusammen sind, ist der Himmel grau verhangen.
Und dann – während der Trauerfeier – reißt der Himmel plötzlich auf.
Und durch das erste Fenster hier auf der Südseite kommt zu uns ein Sonnenstrahl hinein, der wie ein gewaltiger Scheinwerfer genau auf den Sarg gerichtet ist und den gesamten Altarbereich erhellt und in ein warmes Licht hineintaucht.

Und dann – drittens, und das ist noch gar nicht so lange her – sahen wir während der Trauerfeier einen Schmetterling.
Ob er mit den Blumen in unsere Kirche gekommen war oder durch die offene Tür – ich weiß es nicht. Und das ist auch gar nicht so wichtig. Der Schmetterling war da – und das ist wichtig.
Und tanzte im Sonnenlicht ein Loblied auf das Leben und die Hoffnung und die Liebe.

Und man soll … nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens, denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Ereignisse und Geschehen – außerhalb dessen, was wir machen können.
Und Worte, die uns überliefert sind, auf die wir zurückgreifen können.

Zeichen der Hoffnung.
Gott gebe uns offene Augen und Ohren und ein empfangsbereites Herz, das wir seine Spuren in unserer Welt wahrnehmen können und uns mit den Fragen beschäftigen, die zum Leben dazu gehören.

Amen.

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