Friede wird sein und Leben

Totensonntag oder Ewigkeitssonntag. Ich denke zurück an viele Beerdigungen, an Menschen, die Abschied nehmen mussten, die trauerten. Ich denke an durch den Tod zerrissene Gemeinschaften und Beziehungen. Ich denke aber auch an Menschen, die einsam und verlassen gestorben sind. Hier im Gottesdienst wird an jeden in gleicher Weise gedacht, weil Gott niemanden verlässt und niemanden besonders hoch hebt. Bei Gott ist jeder Mensch Wert geschätzt.

Trotzdem muss ich über mein Leben auf Erden nachdenken. Über meine Beziehungen, meine Freundschaften, meinen Umgang mit Menschen. Wie oft habe ich Menschen allein gelassen? Wie oft war ich nicht da, als ich gebraucht wurde?

Ewigkeitssonntag stellt erst einmal die Frage: Was erwarten wir vom Leben und was vom Tod? Darüber müssen wir uns dann und wann Rechenschaft ablegen. Nicht Anderen, nicht Gott, aber vor uns selber.

Gott weiß, wer wir sind. Und trotzdem spricht er nicht sein Nein über uns – oder ein ‚Mal sehen‘, sondern er hat noch Hoffnung für uns. Seine Zusagen bleiben gültig und diese Zusagen gelten uns, unserer Gegenwart und unserer Zukunft.

Davon schreibt der Prophet Tritojesaja, der dritte Jesaja, ein Prophet in armer Zeit: Das Land ist verwüstet, Häuser zerstört, das soziale Leben ungeordnet. Alles in Allem ein bisschen wie das Griechenland unserer Tage.

Da schreibt er den Menschen:

[TEXT]

Auch hinter der heutigen Trübsal wartet noch neues Leben. Auch hinter den traurigen Momenten des Lebens gibt es noch ein Lachen.

Und diese Verheißung ist keine Vertröstung. Sie ist eine Zusage Gottes. Wir Menschen neigen ja manchmal zu Floskeln wie ‚Es wird alles gut‘ ‚Zeit heilt alle Wunden‘. Das ist unaufrichtig. Aufrichtig ist es, nichts zu beschönigen, den Schmerz und das Leid ernst zu nehmen. Und aufrichtig ist es, bei dem Menschen zu bleiben, dem es schlecht geht.

Aber unaufrichtig wäre es auch, ihm zu verheimlichen, dass unser Leben nicht nur aus Leid und Elend, aus Trauer und Tod besteht. Gottes Pläne mit uns sind andere.

Von denen erzählt der Prophet. Für ihn ist klar, dass Gott ein anderes Leben will, als das Leben, das er und seine ZeitgenossInnen täglich erleben und er verschiebt dieses Leben nicht in ein jenseits, sondern es soll hier stattfinden, bei uns.

Vom zukünftigen Heil ist die Rede nicht einfach vom Jenseits. Vom Jubel und nicht von der Trauer. Wir dürfen uns freuen, auch wenn wir das Gegenteil erleben. Weil uns eine Einladung gilt, die alles überschreitet. Wir dürfen das, was uns herunterzieht verlassen und darauf vertrauen, dass Gott mit uns diese Erde zu einem lebenswerten und liebenswerten Platz machen will.

Dieses Neue Leben ist allein begründet in Gottes Handeln, in seinem Segen, in dem er sich den Menschen schenkt.

Schwarz ist nicht die Farbe des Totensonntag. Es gibt ein Leben ohne Schwarz, ein Leben in Friede, Freude und Dankbarkeit, die die Trauer aufwiegen. Allerdings lässt sich das nicht anordnen, aber vielleicht ergreifen, indem man begreift. Begreift den Sinn des Lebens. Begreift, dass ich mein Leben habe, um es zu genießen, genießen, dass ich Gottes Kind bin, genießen, dass es Menschen gibt, die mir verbunden sind. Genießen auch, dass ich nicht alles machen muss, sondern dass Gott es selber ist, der mit mir noch Pläne hat, die weiter reichen als mein Horizont.

Darum sendet Tritojesaja seine Botschaft an mich: Gott selber wird alles neu machen, alles zum Guten wenden. Der Kern dieses Neuen ist: Zwischen Gott und den Seinen wird es keine Kommunikationsstörungen mehr geben. Friede wird sein und Leben.

Es wird ein Friede herrschen, der sogar die Natur einbezieht. Der Tod wird nicht besiegt, aber nur im Alter Platz haben, die Tiere werden sich vertragen, Wölfe und Lämmer miteinander leben und selbst die Raubkatzen werden Vegetarier. Ein Traum, der uns betrifft. Wir spüren: die Welt ist noch nicht so weit. Vieles hat sich verbessert in den Jahrtausenden. Frieden ist zumindest in manchen Regionen schon seit Jahrzehnten Wirklichkeit, die Lebenserwartung hat sich seit jenen Tagen verdoppelt, die Kindersterblichkeit ist eine selten, umso tragischere Erscheinung und manche Tiere sind uns gut vertraut, andere werden um so schäbiger behandelt.

Ich glaube es ist auch wirklich so: Gott hat uns diese Welt gegeben, dass wir sie gestalten. Es gibt ein Leben vor dem Tod und wir dürfen es gestalten, als Botinnen und Boten der Gnade Gottes, so, dass es gut ist.

Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott es selbst ist der seine Welt vollenden wird, der ein Paradies schaffen wird, dass für uns eine Utopie ist. Das können wir nicht schaffen, aber wir können den Weg dahin gehen.

Kennzeichen der Zukunft Gottes ist, dass es zerbrochenes und nicht zur Fülle kommendes Leben nicht gibt. Und wir dürfen schon heute das Unsre tun, dass diese Zukunft Gegenwart wird. Wir dürfen miteinander leben, einander trösten und beistehen und HelferInnen sein zum leben und zum Genießen.

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