Mit Hoffnung auf die Zukunft blicken

Liebe Gemeinde,

heute haben wir Volkstrauertag. Im Anschluss an diesen Gottesdienst wird hier die Feier zum Volkstrauertag stattfinden. Der Kranz für das Ehrenmal liegt hier schon.

Heute möchte ich einen Predigttext unter der Frage betrachten: Wie ist das mit der Ehre? Man könnte auch formulieren: Wie ist das mit der Anerkennung? Die Feier zum Volkstrauertag ist dazu da, die gefallenen der Weltkriege zu ehren. Wir denken an die Gefallenen damit wir im Auge behalten wie schlimm Kriege sind und damit wir uns nicht mehr leichtfertig in einen Krieg verwickeln lassen. Aber wie ist das mit dem Ehren oder Anerkennung geben heute?

Ich lese: Offenbarung 2,8-11:

[TEXT]

Die Gemeinde befindet sich in harten Verfolgungen. Der Verfasser der Offenbarung des Johannes möchte die Gemeinde ermutigen durchzuhalten. Er verharmlost nichts. Die Leute in Smyrna sind in echter Gefahr. Die Synagoge hat sie rausgeworfen. Die jüdischen Gemeinden im römischen Reich waren von der Verpflichtung den Kaiser als Gott zu verehren und ihm zu opfern befreit. In dem Moment, wo die Christen nicht mehr als Juden galten, wurden sie zum Opfer herangezogen. Und wenn sie sich weigerten wurden sie ins Gefängnis gesteckt. Wenn es in der Gegend einen sehr feindseligen Statthalter gab, konnten sie auch im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen werden. Dazu sagt Johannes nicht, es wird schon nicht so schlimm werden, sondern er sagt: Fürchtet euch nicht. Geht das Risiko ein. Klar der Kaiser kann euch grausam umbringen. Aber ihr seid ja verbunden mit dem, der von den Toten auferstanden ist. Ihr werdet die Ehre, die ihr hier bei den Menschen verliert, von Gott mehr als zurück bekommen. Wenn ihr ins ewige Leben kommt, dann wird Gott euch den Siegerkranz aufsetzen. Was ihr jetzt tut, wird euch später gewaltige Ehre einbringen und ihr werdet ewig leben, denn das Gericht Gottes kann euch nichts anhaben.

Die Vorstellung dahinter ist: Es gibt einen ersten Tod. Das ist der Tod, den alle Menschen sterben. Den zweiten Tod sterben nicht alle Menschen, nur diejenigen, die im Gericht Gottes nicht bestehen. Und diejenigen, die heute wegen ihres Glaubens an Jesus Christus verfolgt werden, die sind nicht mehr von dem zweiten Tod bedroht. Sie haben sozusagen die gefährlichere Gefahr hinter sich gelassen. Denn das ewige Leben ist ihnen sicher. Johannes ermutigt die Gemeindeglieder in Smyrna durchzuhalten. Er verspricht ihnen, wenn sie durchhalten, dann werden sie von Gott geehrt und sie werden ewig leben.

Die Zeit damals war für das Überleben des Christentums absolut entscheidend. Diese Verfolgungen hätten das Christentum für immer vernichten können. Wir verdanken den mutigen Frauen und Männern der damaligen Zeit viel. Denn ohne sie müssten wir heute auf den Trost unseres christlichen Glaubens verzichten. Deshalb finde ich es wichtig diese mutigen Zeuginnen und Zeugen, die bereit waren für ihren Glauben zu sterben, zu ehren und ihrer in Dankbarkeit zu gedenken.

Aber was fangen wir mit ihren Ideen an? Sicher verstehe ich den Schreiber der Offenbarung des Johannes. Natürlich hat er auch Rachewünsche gegenüber seinen Verfolgern. Natürlich möchte er, dass Gott sie vernichtet. Und er kann sich auf keinen Fall vorstellen mit denen, die ihm und seinen Freundinnen und Freunden das angetan haben, einen Himmel zu teilen.

Die Vorstellung, dass Gott in einem Endgericht die einen zum Tod verurteilen wird und die anderen ins ewige Leben schicken wird, zieht sich durch die Kirchengeschichte als anerkannte kirchliche Lehre. Hier hat die Offenbarung des Johannes prägend gewirkt.

Heute finden viele eine andere Vorstellung sympathischer. Man nennt sie Allversöhnung. Sie besagt vereinfacht: Alle kommen in den Himmel. Gott ist die Liebe und er wird niemanden, den er geschaffen hat und den er liebt, grausam bestrafen oder endgültig dem Tod überlassen. Auch diese Vorstellung gibt es schon sehr lange. Und sie hat auch Anhaltspunkte in anderen Büchern der Bibel: Zum Beispiel steht im Brief an 1. Brief an Timotheus 2,4: Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und wie könnte es sein, dass etwas das Gott will, nicht geschieht.
Diese Vorstellung von der Allversöhnung liegt uns heute näher als die vom ersten und vom zweiten Tod. Aber das liegt einfach daran, dass wir heute in friedlicheren Zeiten leben und als Christen auch nicht verfolgt werden. Es gibt zwar einen gewissen Druck sich nicht zu seinem Glauben zu bekennen. Aber mehr als dass man ausgelacht wird, passiert einem im Allgemeinen nicht.

Gut, es gibt zu dem, was nach dem Tod passiert also schon in der Bibel unterschiedliche Vorstellungen. Genau wie es in der Bibel unterschiedliche Erfahrungen mit Gott gibt. Das ist normal, denn die Menschen sind unterschiedlich und Gott stellt sich auf uns Menschen ein. Gott spricht uns also je nach Situation auch unterschiedlich an. Und in der Bibel sind Erfahrungen von Menschen mit Gott zusammengestellt.

Aber was ist denn jetzt? Was wird denn passieren? Wer hat denn recht? Das ist eine wichtige Frage. Denn an der Antwort hängt schließlich unsere Zukunft und auch unsere Gegenwart.

Eine mich überzeugende Antwort hat der Tübinger Systematische Theologe Eberhard Jüngel gegeben: Er sagt: In Gottes Gericht werden wir verändert. Gott wird unsere Taten ansehen und Gott wird unsere Person ansehen. Und er wird beides beurteilen. Und er wird uns so verwandeln, dass wir in den Himmel passen. Dabei werden auch Teile unserer Person vernichtet also dem zweiten Tod überlassen, und andere Teile werden mit der Siegerkrone geschmückt also geehrt. Das Gericht Gottes wird also nicht unterschiedliche Menschen an unterschiedliche Orte schicken, sondern unterschiedliche Teile der Menschen. Das Gericht scheidet nicht Menschen voneinander sondern es findet in den einzelnen Menschen statt.

Man kann das überzeugend finden oder nicht. Mir gefällt diese Idee gut. Aber im Endeffekt wissen wir nicht, was genau geschehen wird. Wir können uns nur Vorstellungen machen. Und jetzt sehen wir, wie Paulus sagt, nur wie durch einen Spiegel ein dunkles Bild. Aber eines Tages werden wir erkennen, wie wir selbst erkannt sind. Ich glaube Gott wird am Ende im Stande sein, allen Menschen gerecht zu werden. Den Zeuginnen und Zeugen in der Gemeinde in Smyrna und auch uns heutigen und denen, deren Namen auf dem Kriegerdenkmal stehen. Am Ende kommt es nur auf eines an, dass wir Gott vertrauen und mit Hoffnung auf unsere Zukunft blicken. Und diese Zukunft wird sicher nicht mit unserem ersten Tod enden denn wir glauben wie die Menschen damals an Jesus Christus, den ersten und den Letzten, der tot war und lebendig wurde.

Und der Friede ….

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