Auf das Fundament Jesus Christus kommt es an!

Liebe Schwestern und Brüder!
Laut Werbung liegt das „Häusle bauen“ in der Natur von uns Menschen. Und wenn man unseren Banken und Bausparkassen Glauben schenken sollte, dann muss jeder Mensch im Leben ein Haus gebaut haben. Wir Deutschen sind ja berühmt dafür, dass wir so rechte Häuslebauer sind. Ich kenne kaum jemand in meinem Bekannten- und Freundeskreis, der entweder nicht schon ein Haus unter Auferbietung aller finanziellen Möglichkeiten gebaut hätte oder zumindest nicht ernsthaft über den Hausbau nachgedacht hätte.
Wir Deutschen lieben das Hausbauen. Und teilweise gibt es drei Generationen von Häuslebauer pro Familie: Großeltern, Eltern und Kinder. Jede Generation baute ihr eigenes Haus. Obwohl alle drei Generationen in einem Haus wohnen könnten, hat jede Generation ihr eigenes Heim. Und die Älteren beklagen sich darüber, dass die Jüngeren nicht bei ihnen im Haus wohnen, obwohl diese doch auch ein eigenes Haus haben. Jammern auf hohem Niveau, könnte man denken. Drei Generationen, drei Häuser.
Vielleicht leben und arbeiten die Menschen nach dem Motto:
der kluge Mann baut vor!
Horten, sammeln, sparen und bauen!

Und auch die Worte der Parabel, mit denen Jesus die Bergpredigt enden lässt, sind einleuchtend, fast banal:
Wer auf Sand baut, der wird keine lange Freude am Hausbau haben. Nur wer ein ordentliches Fundament legt, wer auf felsigem Boden baut, der wird über Generationen in einem Haus leben können.
Irgendwie banal das Gleichnis und von jedermann nachvollziehbar! Und das alles am Ende der berühmten Bergpredigt, in der die nicht weniger berühmtem Seligpreisungen, die Aufforderung zur Feindesliebe, das Vaterunser und die Goldene Regel und einiges mehr stehen.
Irgendwie simpel die Erkenntnis, das der Hausbau auf einem tragendem Fundament geschehen muss. Damit hätte auch eine Versicherung werben können; "als Fels in der Brandung" oder "auf diese Steine können sie bauen."
Doch das scheinbar banal anmutende Gleichnis Jesu will den Zuhörer zu etwas ganz anderem bewegen.
" Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute."
Es geht um den Zusammenhang von Hören und Tun. Von Wort und Tat, von Rede und Handeln. Ein wichtiger Zusammenhang bei der Lehre Jesu. Dem Wort soll die Tat folgen. Hören und Tun bilden in der jesuanischen Rede eine Einheit.
Und Jesus demonstriert diese innere Haltung, den Weg vom Hören zum Tun nicht nur in letzter Konsequenz im eigenen Leben und Sterben, sondern auch in vielen Gleichnissen und Beispielerzählungen.
Nächstenliebe wird anhand der Geschichte vom Barmherzigen Samariter illustriert. Wirkliche Dankbarkeit anhand der Geschichte von den zehn Aussätzigen und die göttliche Vergebungsbereitschaft und Liebe anhand des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn. Immer sollten den Worten Taten und Werke folgen. Und auch wenn wir Protestanten über Jahrhunderte eingebläut bekamen, dass das "Wort" von der Gnade das einzig wichtige ist und wir uns vor falscher Werkgerechtigkeit und Frömmigkeit hüten sollen, so ist das gute Werk doch eine Folge des vorausgegangen Wortes. Glaube ohne Werke ist kalt und nutzlos.
"Seid Täter des Wortes", schreibt der Apostel Jakobus.
Jeder soll seine von Gott verliehenen Talente und Gaben zum Allgemeinwohl einsetzen. Eben nicht nur fromme Lippenbekenntnisse ablegen, sondern Taten der Nächstenliebe und Diakonie folgen lassen.
Übrigens hat die Kirche im diakonischen und helfenden Bereich das höchste Ansehen und genießt den größten Respekt und nicht in der auch wichtigen Wortverkündigung des Evangeliums von Jesus Christus.

Aber um im Bild der Parabel zu bleiben:
Hat man bisweilen nicht den Eindruck, dass die meisten Zeitgenossen ihr Haus zwar auf einem vermeintlich soliden und selbstgefälligen Fundament bauen, aber den Baumeister, das Fundament, Jesus Christus, überhaupt nicht benötigen?
Haben die auf Sand gebaut? Oder müssen die den nächsten Platzregen fürchten?
Wenn man diese Menschen fragt, dann brauchen die in aller Regel kein tragfähiges Fundament im Leben, das christlich geprägt ist.
Selbstgefälligkeit, der unerschütterliche Glaube an den menschlichen Fortschritt und das persönliche Ego oder ein bisschen fernöstliche Religion hier und da scheinen oder sind die banalen Lebensfundamente. Und wenn es einem zu langweilig wird, dann sucht man sich den in neuhochdeutsch formulierten sog. "Kick" oder "Fun", auch wenn der in den Abgrund führt, wie beim unnötigen und frühen Tod vieler Freizeit- und Hobbybergsteiger in den Alpen. Leben als „Ent-Grenzung“ und auf einem dünnen Eisboden als Fundament. Wer sich in Gefahr begibt, der kommt auch häufig darin um.

Oder anders gefragt:
Haben nicht manchmal die schwierigsten und selbstgefälligsten Zeitgenossen, bösen Buben die dicksten Häuser mit soliden finanziellen Konten gebaut?
Von wegen der kluge Mann baut vor!
Und ist es nicht auch so, dass viele Häuser von den Banken bei schlechter und maroder Finanzierung zwangsweise versteigert werden?
Und dann im übertragenen, im bildlichen Bereich des Lebens:
Was mache ich, wenn ich als kluger Mann vorgebaut habe durch Hausbau, Lebensversicherung, Aktien, noch einem Hausbau für die Kinder und viele andere Dinge mehr? und plötzlich über Nacht kommt die Hiobsbotschaft wie beim reichen Kornbauern?
Dann beginnt meistens das Klagen und Grübeln über Gottes ach so große Ungerechtigkeit gegenüber der eigenen Person und dem eigenen Leben, obwohl viele von Gott in den entscheidenden Phasen ihres Lebens nichts wissen wollten.
Warum sollte sich Gott jetzt um sie bemühen?

Liebe Schwestern und Brüder, Sie sehen, eine so vermeintlich einfache und alltägliche Sache wie der Hausbau kann ohne das richtige Fundament zum großen Problem, zur Lebenskrise werden!
Unser Fundament des Glaubens, Hörens und Tuns ist und bleibt Jesus Christus. Ein Fundament, das fest gründet in Gottes Ewigkeit und im Glauben zur je persönlichen Wahrheit wird.
Übrigens und das ist das Entscheidende: Gottes Jawort zu uns Menschen gilt für alle Menschen, nicht bloß für diejenigen, die ihr Haus auf Fels gebaut haben, sondern auch für die, die auf Sand gebaut haben.
Gottes Jawort schützt alle Häuser. Die auf Fels stehen und die auf Sand stehen. Und wenn Fels für Klugheit und Sand für Dummheit steht, so lächelt Gott über unsere menschliche Klug- und Dummheit gleichermaßen.
Denn nicht alles, was ich im Leben mache oder entscheide ist klug und auf Fels gegründet, vieles ist auch dumm, unüberlegt und ohne Vertrauen in Gott geschehen.
Jesus hat deshalb die Menschen nicht verworfen oder abgewertet. Bei ihm hatten gerade die Außenseiter, Verfemten, Verlierer und Verachteten, eben Sünder, die reuten eine Chance sich zu bessern. Eben die Möglichkeit das Haus wieder auf Fels zu bauen.
Und somit fordert Jesus seine Zuhörer immer wieder auf seiner Botschaft zu folgen. Folgen mit der Tat auf das Wort. Mit der christlichen Nächstenliebe auf die christliche Botschaft zu antworten.
Wie kann oder könnte das geschehen?
Als Christen haben wir die Aufgabe und die Verheißung unser Licht nicht unter dem Scheffel zu verstecken, sondern es leuchten zu lassen. Wir sollen den Worten Taten folgen lassen. Nicht in dem Sinne, dass wir uns zum Selbstruhm hinreißen lassen, sondern zum Ruhme unseres Herrn Jesus Christus und seiner christlichen Gemeinschaft.
Dieses Talent, von dem ich rede, hat eine feste Basis. Diese
Basis ist das Vertrauen zu unserem Gott, Jesus Christus.
Es geht also um Vertrauen in die eigenen geschenkten und verliehen Talente, die ein jeder und eine jede von uns von Gott mitbekommen hat. Talente und Vertrauen, und biblisch heißt Vertrauen, Glaube. Glaube an Gott, der uns allen unendlich viele Talente geschenkt hat. Vertrauen haben wir nicht nur in unsere Banken. Um wie viel größer ist das Vertrauen, das wir zu Gott haben können! Dieses Vertrauen zahlt sich im Glauben immer aus.
Und Gott zahlt uns aus mit unserem Talent und er fordert unser Talent, damit wir mit diesem Talent wuchern. Sein Vertrauen genießen wir, wenn wir auch in uns selbst Vertrauen setzen. Dazu gehören auch Risikobereitschaft und der Mut zu Veränderung, wenn Dinge falsch laufen. Niemand ist untalentiert oder nutzlos; auch wenn er einmal das Haus auf Sand baut. Und niemand wird für den Nichtbau eines Hauses bestraft. Das erzählt das Gleichnis Jesu auch nicht.

Vielmehr erinnert uns das Gleichnis Jesu daran, die eigenen gottgegeben Talente und individuellen Fähigkeiten zum Wohle aller einzusetzen, den Worten Taten folgen zu lassen und für die Sache Gottes, sein Reich einzubringen. Dadurch wird die Welt schöner und gerechter. Und gegen eine gerechtere und schönere Welt mit einem menschlicheren Antlitz hat doch niemand etwas einzuwenden? Dazu gehört auch im übertragenen Sinn der Hausbau an einer schöneren und gerechteren Welt für alle Menschen und Rassen. Manches dabei wird auf Fels und wieder anderes auf Sand gebaut. Vieles geschieht aus Klugheit und einiges auch in großer Dummheit.
In beiden Fällen schützt Gott die Menschen, die in den Häusern leben. Sein Jawort schützt alle Häuser -die auf Fels und Sand. Und Gott lächelt über unsere Torheit nicht weniger als über unsere Klugheit.
Gott sei Dank.
Amen.

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