Ein neuer Ort

Als getaufte Christrinnen und Christen feiern wir einen Gottesdienst. Und ich vermute, die meisten wüssten mit nicht einmal zu sagen, wann sie getauft sind. Wo vielleicht noch, aber die Frage nach dem Wann löst oft peinliches Schweigen auf.

Dabei bezeichnen wir das Taufdatum gerne als Urdatum unseres Christseins, bzw. Christin-Seins.

Aber wann das war? Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die meisten als Kleinkind getauft wurden und dadurch zugegebenermaßen die Erinnerungsfähigkeit getrübt ist.

Das sieht heute noch für Menschen, die sich als Erwachsene taufen lassen anders aus. Aber um ehrlich zu sein. Nicht das Datum ist entscheidend, sondern was in der Taufe geschehen ist.

Paulus drückt das, was für ihn in der Taufe geschehen ist so aus:

[TEXT]

Eine verquaste Sprache, die Paulus hier gebraucht und die deutlich machen soll: Die Herrschaft des Todes ist beendet, seit in Christus Gott Mensch geworden ist.

Und er beschreibt auch, was das für unseren Alltag bedeuten könnte. Aber offen gesagt. Da hat er Probleme einmal weil die Sache doch wohl etwas zu komplex ist, zum Anderen weil er im Erklären nicht so großartig ist.

Aber seine Kernaussage ist doch deutlich: Ich habe einen neuen Ort seit meiner Taufe. Ich gehöre zu Christus. Das kann mir keiner rauben. Das kann ich vielleicht vergessen, achtlos behandeln. Und doch bleibt es dabei: Ich bin getauft.

In der Taufe will Gott mir eine neue Selbstsicherheit schenken: Wir sind wer, nicht weil wir toll sind, nicht weil unsere Fußballer alles gewinnen, sondern weil Gott für uns Mensch geworden ist und für uns die Herrschaft des Todes beendet hat.

Diese Botschaft verändert unser Leben vor dem Tod und nach dem Tod. Ich bin jemand, weil ich Gott so viel wert bin. Ich muss niemandem beweisen, wie viel ich wert bin. Ich muss auch nicht vorweisen, dass ich alles weiß, alles kann und alles beherrsche. Ich darf ich sein mit meinen Mängeln, mit meinen Fehlern.

Die Botschaft der Zuwendung Gottes kann mit eine neue Selbstsicherheit verleihen, aus der sich leben lässt.

Selbstsicherheit ist notwendig. Die brauche ich beim Vorstellungsgespräch im Sport, oder auf den Laufstegen der Eitelkeit. Aber die Frage bleibt: Woher beziehe ich meine Selbstsicherheit?

Für Paulus ist auch die Antwort deutlich: Selbstsicherheit entsteht für ihn durch das Bewusstsein: Durch meine Taufe gehöre ich ganz und gar zum Herrn Jesus Christus. Er steht mir bei im Leben – und über das Leben hinaus. In der Taufe hat er Ja zu mir gesagt – ist volles Risiko gegangen. So wie bei einer Hochzeit zwei Ja zueinander sagen, obwohl sie überhaupt nicht wissen, wie sie sich entwickeln, was sie sein werden in wenigen Jahren oder in 50 Jahren.

Dieses Ja soll alle Stürme überstehen, was uns Menschen ja nur sehr bedingt gelingt. Gott sagt zu, dass es ihm gelingt. Er steht treu zu uns und zu seinem in der Taufe gegebenen Versprechen.

Das Alte, was uns immer wieder runterzieht ist getötet worden. Ich erhalte eine neue Chance – und das immer, wenn ich mich an meine Taufe erinnere. Davon erzählt Paulus in seinem unübersichtlichen Text. Daran muss ich mich immer wieder erinnern lassen.

Ich will mir selber Mut machen mit den Worten des Apostels zu glauben, dass durch die Taufe etwas anders geworden ist, bei mir und bei den Menschen, die mir begegnen, nämlich die Liebe Gottes ist lebendig geworden, die täglich einen Neuanfang ermöglicht und jedem Menschen die Chance gibt, ein anderer zu werden.

drucken