Mut zur Veränderung, im Segen gestützt

Liebe Gemeinde,
dass Menschen ihre Heimat verlassen, hören wir oft in den Medien. Ich erinnere mich noch, als in meiner Kindheit die Zahl der Gastarbeiter immer größer wurde. Sie wurden jubelnd empfangen, weil sie die Wirtschaftskraft in Deutschland weiter stärkten.

Sie arbeiteten fleißig und viel, um sich mit dem erwirtschafteten Geld in der Heimat einen kleinen Wohlstand aufzubauen. Bahnhöfe waren oft ihre Treffpunkte. Das waren die Orte, an denen ihre Sehnsucht nach der Heimat und der Heimfahrt am deutlichsten sichtbar wurde.

Eigentlich waren und sind sie das, was man heute Wirtschaftsflüchtlinge nennt. Menschen die ihre Heimat verließen, weil zu hause ihr Auskommen unzureichend war und sie sich in Deutschland bessere Verdienstmöglichkeiten erhofften. Namen, z.B. in italienisch, spanisch, afrikanisch, jugoslawisch, polnisch, russisch, wurden bei uns heimisch. Jetzt gerade aktuell hören wir Namen wie Podolski, Klose, Boateng, Özil, Gündogan, Khedira, Gomez usw.

Aus unterschiedlichsten Gründen kamen und kommen Fremde zu uns. Sie verließen und verlassen ihre Heimat teils aus wirtschaftlichen Nöten, teils auch wegen des dort praktizierten Terrors. Vor Jahrzehnten wurden sie mit Freundlichkeit empfangen. Und heute müssen wir mit ansehen, dass der alte Satz: „Zu Gast bei Freunden.“ inhaltslos geworden ist.

Ich kenne Aus- und Umzüge aus dem Heimatort eher als Urlaubsfahrten oder als gesicherten Ortswechsel innerhalb Deutschlands, ich habe sie in durchaus angenehmer Erinnerung. Mir ist unbekannt wie ich mich fühlen würde, wenn ich plötzlich fort müsste in ein unbekanntes Land, abgeschnitten von meinen Wurzeln, meine Freunden und Verwandten.

Dass Menschen seit jeher ihre Heimat verlassen haben belegen z.B. die Völkerwanderungen. Auch die Bibel erzählt davon, wie Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Und sie begründet das mit einem Befehl Gottes in schwierigen Situationen:

Wir hören der Predigttext im 1. Mose 12, 1-4

Richtig betrachtet ist dieser Text eine Verheißung, ein Befehl klingt anders. Sie, brachte die angesprochenen Personen auf den Weg. Wie auch später eine andere Verheißung die Hirten auf den Weg schickte. Jesu Wort an die Jünger, ihm nachzufolgen war und ist eine Einladung mit Hinweisen, ohne Befehle. Und neben den Menschen, die „Ja“ gesagt haben, gab es wohl auch viele, die sich verweigerten loszugehen. Was aus ihnen geworden ist, bleibt ungeklärt.

Abraham hatte „Ja“ gesagt und bleibt uns trotzdem fremd, denn Aufbrechen und Neues wagen, ist auch in der christlichen Tradition dünn gesät. Lieber halten wir fest am Bewährten, bleiben bei dem, was wir gelernt haben. Technik darf sich weiter entwickeln, aber Mutter Kirche sollte in ihren klassischen Strukturen bleiben. Ängstlich behüten wir unsere Traditionen, unsere Formen. Experimente, nein danke!

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel beendet, in der Bibel, die Urgeschichte. Danach beginnt die Zeit des Sesshaftwerdens der Menschen, vorher waren sie meistens Nomaden. Allerdings, die Geschichte von Abraham ist eine Aufbruchsgeschichte. Den dort wo Menschen zu sesshaft wurden, gerieten sie in Gefahr unbeweglich zu werden.

Der Segen Gottes, ist eine Bewegung schaffende Macht. Abraham zog los, in dem Vertrauen auf den Segen, der ihm zugesprochen wurde. Dieses Vertrauen auf den Segen, in dem sich Gott den Menschen mitteilt, machte ihn zu einem Großen, zu einem Vorbild.

Mit dieser Erzählung beginnt die Geschichte GOTTES mit seinem Volk. Da waren Abraham und seine Frau Sara, sie waren kinderlos. Das bedeutete, in der damaligen Zeit, sie waren eigentlich ganz arme Leute. Ohne Zukunft, von Gott schmählich im Stich gelassen. Ohne Kinder, also ungesegnet, niemand der sie im Alter umsorgt hätte. Das galt damals als wahrhaft gottverlassenes Schicksal. Interessanterweise, empfinden das auch heute noch einige Paare so, die sich ein Kind wünschen und es ihnen versagt bleibt.

Dieses „gottverlassene“ Paar erhielt plötzlich einen Auftrag von Gott: „Gehe in das Land, das ich dir zeigen will.“ Sie vertrauen diesem Gott, von dem die Menschen sagten, er hätte sie im Stich gelassen. Sie hörten auf ihn und verließen die letzte soziale Sicherheit, die ihnen geblieben war, die Sippe. Einige nahmen sie mit, aber das war ein schwaches Netz. Das Wichtigste, was sie mitnahmen war ihr Glaube. Ihr Vertrauen, dass dieser Gott, der sie auf diesen Weg geschickt hatte, ihnen auch beistehen würde, wenn sich auf diesem Weg Hindernisse einstellten.

Diese uralte Geschichte aus der Bibel, ist mir bekannt seit Kindergottesdiensttagen und verbunden mit der Frage: „Würdest Du Dir das zutrauen, loszugehen auf ein Wort GOTTES hin?“ Die Antwort wäre wohl ein sehr zögerliches: „Vielleicht“. Oder ein: „Ich weiß nicht.“ Wäre ich bereit vieles aufzugeben für ein Land, das mir der HERR zeigen würde? Oder würde ich angstvoll kleben bleiben an dem, was mir heute und jetzt wichtig und lieb ist?

Abraham trennte sich von der vertrauten Sippe, dem vertrauten Terrain, von vertrauten Sicherheiten und Hoffnungen. Er spürte den Segen, der mit ihm ging.

Auch Jesus hatte seine Familie, sein Haus, sein Land verlassen, um die Botschaft Gottes zu leben. Und er hat andere Interessierte in seine Nachfolge berufen. Wie Jesus Fischer von ihren Fanggründen wegführte, wurde Abraham weggeführt. Bei den Bremer Stadtmusikanten heißt es bei ihrem Auszug: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“. Jesus hingegen bot mit seiner Verheißung etwas viel gewichtigeres, die Liebe GOTTES und das himmlische Leben. Diese Verheißung muss aber auch, wie die Geschichte von Abraham und seinen Nachkommen zeigt, dauernd erneuert und immer wieder dargestellt werden.

Darum steht am Ende jedes Gottesdienstes ein Segen. Darum sollen sich Menschen immer wieder gegenseitig den Segen zusprechen, wo immer sie sich begegnen. „Pfüat di“ heißt in Bayern und Österreich, „Gott behüte Dich“. Uns ist der Segen zugesprochen und wir dürfen ihn weiter sagen. Wir dürfen aus diesem Segen heraus leben und neue Aufbrüche wagen, in Länder die der Herr uns zeigen wird.

Der Weg war und ist schwierig und hindernisreich. Wir erinnern uns der vielen Irrwege Abrahams und des Volkes Israels. Der Segen unterstützt und hilft, aber Leid passiert trotzdem. Wir denken da an manche Verirrungen, an Sodom und Gomorra, die Unfruchtbarkeit Saras und den Betrug Jakobs an dessen Sohn Joseph, die Gefangenschaft in Ägypten, die Befreiung usw. Aber der Segen lag darin, dass er losging. Das er den Willen Gottes hörte, annahm und mit diesem sein Leben lebte. Segen lag darin, dass er wusste: „Ich werde von Gott und von Menschen begleitet.“

Auch ich brauche Menschen, die mir Mut machen, mich begleiten, die mit mir gehen, sich mit mir in Bewegung setzen lassen durch den Segen des Herrn.

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, der Widersinn dieses Sprichwortes wird deutlich, wenn wir den 75-jährigen Abraham betrachten. Der mit seiner ebenso alten Frau losging, weil Gott ihm seinen Segen gab und wurde so zum Grundstein des Volkes Israel.

Und der Friede GOTTES, der hoher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne im Vertrauen auf seine Führung und seinen Segen. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Michael Schäfer in Spiesen-Elversberg.)

drucken