Reue und Zuspruch

Kerzen auf dem Altar, im Gottesdienst, bei Taufe oder Trauung sind schön – und mehr. Sie sind ein Symbol dafür, dass wir, wenn wir Gottesdienst feiern, nicht leben in der Finsternis sondern im Licht. Aber wie das so ist mit Symbolen. Sie sind Zeichen, nicht Wirklichkeit. Man kann Kerzen ohne Ende anzünden. Sie machen hell und gemütlich, aber wirklich Licht wird nicht durch sie. Wirklich Licht wird erst dort, wo Menschen auch leben mit diesen Symbolen und entsprechend diesen Symbolen. Von nichts Anderem schreibt Johannes in seinem 1. Brief, der kein wirklicher Brief ist, sondern eher ein kleines Lehrbuch:

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Fragen nach dem Lebensstil sind ja eine heiße Sache. Sie werden immer aufs Neue diskutiert und bewertet. Sie prägen unseren Alltag. Und Johannes stellt die Frage nach der Basis unseres Lebensstils: Die erste Basis ist Gott, der das Licht ist – und darum die Frage: wo wird es mit eurem Lebensstil heller bei den Menschen? Wo in Eurem Lebensstil erscheint ein Abglanz von dem Lebensstil Christi?

Die andere Basis: Ich darf Fehler machen, aber ich muss mit diesen Fehlern umgehen können. Und die erste Form mit meinen Fehlern umzugehen, ist sie zuzugeben – vor Gott und vor den Menschen.

Licht kann nur dort leuchten, wo Helligkeit erwünscht ist. Und wer will, dass es hell wird unter den Menschen, muss aufhören auf Andere zu zeigen und damit beginnen, sich selbst zu öffnen. Offen zu werden für die Wirklichkeit – die eigene Wirklichkeit. Wer bin ich? Wie verhalte ich mich?

Es geht um Gemeinschaft miteinander und um Gemeinschaft mit Gott. Nur in der Gemeinschaft kann das Licht seinen Zauber, seine Gemütlichkeit entfachen. Nur in der Gemeinschaft kann Liebe leben. Und Gemeinschaft kann nur dort bestehen, wo Menschen fair miteinander umgehen.

Gott ist kein Privatgott, den irgendwelche besonders fromme Menschen für sich haben, sondern Gott ist Gott für alle Menschen. Von ihm heißt es, dass sein Sohn in die Welt gekommen ist, dass alle Menschen das Licht und das Leben haben. Und erst wenn ich das nicht nur mit dem Verstand begreife, sondern auch mit dem Herzen erfasse, werde ich die Chance haben, Gott wirklich zu erkennen.

Genauso wie ich Menschen niemals erkennen kann, wenn ich nur mit dem Verstand an sie herangehe. Versuchen Sie mal zu beschrieben, weswegen Sie Ihre Eltern oder Kinder oder Partner lieben. Es kommt Unsinn daraus. Aber deswegen ist die Liebe kein Unsinn, sondern unser Verstand ist nicht in der Lage, unsere Gefühle angemessen zu erfassen. Liebe kennt nicht objektive Gründe. Liebe ist Liebe. Und Liebe kann man auch nicht besitzen. Sie will gelebt werden.

Wir fühlen die Nähe Gottes, wenn wir auch in finsteren Situationen Licht erkennen können. Wir spüren die Nähe Gottes, wenn es Schwestern und Brüder gibt, die für uns da sind. Die Erkenntnis der Wahrheit Gottes heißt Gemeinschaft mit ihm zu und mit Mitmenschen haben. Ich muss lernen den Blick zu bekommen, der diese Wahrheit sieht, der die Gemeinschaft nicht als meinen Verdienst ansieht, sondern als Geschenk der Gnade Gottes, an dem ich mitwirken darf.

Wer glaubt, er habe das verdient, weil er ohne Fehl und Tadel ist, der belügt sich selbst und seine Mitmenschen. Darum ist es für Johannes so wichtig, dass wir uns selbst prüfen und unsere Schuld bekennen. Wir haben die Verheißung, dass Fehler und Sünden vergeben werden können. Das erleben wir manchmal beglückend in menschlicher Gemeinschaft, wenn wir uns zu unseren Handlungen bekennen und dankbar hören, dass ein anderer uns vergibt. Das gilt auch für unsere Begegnungen mit Gott. Wir dürfen unsere Schuld ihm anvertrauen. Er will uns vergeben. Deswegen steht auch im Eingang jeden Gottesdienstes das Schuldbekenntnis. Auch als Signal: Du darfst zu Gott und in seine Gemeinde kommen wie du willst, dich zu deinem Tun bekennen und Vergebung erfahren.

Das ist kein Freibrief. Das wird ja oft der Beichte unterstellt, sie sei ein Freibrief nach der Absolution munter weiterzumachen wie bisher.

Es geht aber um wirkliche Reue, die eigene Schuld erkennt und um den Zuspruch Gottes, der weiß, dass wir auch dort wo wir mit der besten Absicht handeln Sünder sind, Menschen, die andere Menschen verletzen, die sich verrennen und Fehler machen.

Wer sich zu Gott bekennt, kann sich auch dazu bekennen und dankbar Vergebung empfangen und Vergebung gewähren – und wird lernen, wie viel heller sein Leben wird, wenn er so in Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern lebt.

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