Gott spricht – will ich hören?

Propheten begleiten unser Leben. Ein schönes Bild vom Propheten liefert der Asterix-Band ‚der Seher‘: Gutemiene, die Frau des Chefs kommt mit einer Gans, weil der Seher aus den Innereien lesen soll. Vor Ort fällt Ihr auf, dass die Gans gefüllt also ohne Innereien ist. Der Seher: Macht nichts: vollen Bauch studier ich auch‘ und prophezeiet ihr die herrlichste Zukunft, so wie sie sich erhofft.

Manchmal hat man den Eindruck: Es muss nur oft genug jemand künden, dass 2+2=5 ist, dann glauben es alle. Zumindest dann, wenn es in ihre Erwartungshaltung oder Wunschvorstellung passt.

Aber woran erkenne ich wahre Prophetie. Sind nur die echte Propheten, die möglichst bald den Weltuntergang vorhersagen. Aber den Mayas, die das angeblich für dieses Jahr getan haben, glaubt auch (fast keiner). Hören wir auf biblische Prophetie:

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Der sittliche Verfall im Lande betrifft auch die Kultbeamten, die Propheten und Priester. Und das war damals wie heute. Korrupte Geschäftsleute ist Schlimm, Korrupte Politiker und Beamte schlimmer. Aber Kirchenleute, Geistliche. Nicht umsonst schlagen Probleme dort besonders hohe Wellen.

Aber wenn wir ehrlich sind, gehört es zum Mensch sein dazu, dass wenn jemand wichtige Aufgaben hat, er darin auch versagen kann. Wir selber werden ja vielleicht auch nicht immer unseren hohen moralischen Ansprüchen gerecht.

Die echten Propheten stellen darum jeden in Frage, wollen ihn dazu bringen, dauernd das eigene Tun zu überprüfen. Das eben gehörte Evangelium vom reichen Mann und armen Lazarus weist mich darauf hin, dass meine Verantwortung im hier und jetzt Platz hat.

Verantwortung ist nicht etwas, das vor einem jenseitigen Gericht Platz hat, sondern heute stattfindet – vor meinem Gewissen.

Dazu muss ich hören: Wo Gott redet trifft es den Menschen manchmal wie ein Unwetter, weil es seinen geregelten Alltag durcheinanderbringt, Pläne stört, in Regelkreise eindringt. Aber natürlich kann das Wort Gottes mich auch aufbauen, mich trösten und mich bestätigen. Echte Prophetie werde ich nicht daran erkennen, dass sie mich heftig angreift. Aber auch nicht darin, dass sie mir Recht gibt.

Von KonfirmandInnnen habe ich das Wort ‚Dissen‘ gelernt. Ein lautmalerisches Wort, das sich schon aggressiv anhört. ‚Dissen‘ kommt von Diskreditieren und bedeutet in der Hip-Hop und Rapper-Szene einen Menschen runterzumachen, um selber groß dazustehen. Das kenne ich aus vielen Zusammenhängen. Immer wieder erlebe ich, wie andere kritisiert werden, klein geredet werden nach dem Motto: Wenn alle unbedeutend sind, bin ich bedeutend. Auch das ist keine Prophetie, sondern kleinkariert. Ich muss Prophetie prüfen auf Inhalt und Ziel.

Die Bibel erzählt von nicht gesandten Propheten, die trotzdem laufen und ihre Weisheit verkünden, um selbst im Mittelpunkt zu stehen. Die Wahrheit Gottes ist dagegen verletzend und selbstverletzend. Es tut weh, die Wahrheit Gottes auszusprechen. Der wahre Prophet muss von Gott gedrängt werden (wie Prophetenberufungen zeigen – Jeremia, Amos, Jesaja etc.). Auch Martin Luther King hat sich wohl weniger gedrängt, als dass er vielmehr in die Situation hineingedrängt wurde. Bei Martin Luther oder Dietrich Bonhoeffer ist das noch deutlicher.

Wirkliche Propheten treten dann auf, wenn die Notwendigkeit deutlich wird, dass ein klares Wort gesagt wird – der Zeitpunkt ist entscheidend und das Ziel ist entscheidend.

Ich muss entscheiden wie ich mit den Botschaften umgehe, die mich erreichen. Und ich muss erkennen, ob sie von Gott sind oder von Menschen. Ich werde nicht darum herum kommen, meine Urteile zu finden, sie vor meinem Gewissen zu prüfen und sie dann zu verantworten. Nur so kann Prophetie bei mir ankommen.

Gott spricht – will ich hören?

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