Für Jesus entbrennen (Konfirmation)

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde!
Nun ist der Tag eurer Konfirmation gekommen. Fast zwei Jahre haben wir uns gemeinsam darauf vorbereitet.
Wenn ich in anderen Gemeinden unser Modell des Sonntags¬unter¬richts vorstelle, dann gibt es meist erst mal großes Erstaunen. Was denn? Da finden sich Jugendliche, die regelmäßig Sonntag Morgen um 8:30 schon ins Gemeindehaus kommen? Wenn ich dann sage, dass wir die Plätze meist sogar auslosen müssen, fangen die Kollegen an nachzudenken.
Ich hatte den Eindruck, ihr zumindest seid meist gerne gekommen! Klar hat es manchmal etwas gebraucht, bis ihr richtig munter wart. Aber dann aber ihr sehr ernsthaft gearbeitet. Die lange Zeit, die wir am Stück zusammen verbringen konnten, hat das Erleben mancher Themen sehr intensiv gemacht. Und das gilt auch, obwohl ich weiß, dass für einige von euch noch Fragen offen geblieben sind. Ihr hättet gerne noch tiefer über einiges nachgedacht. So haben wir im Unterricht einen Mittelweg gesucht und wie ich finde meist auch gefunden.
Viele von euch haben sich begeistern lassen. Sind in der Pfadfinder¬arbeit oder im Kindergottesdienst aktiv geworden. Andere denken noch darüber nach, wo ihr Platz in der Gemeinde sein könnte.
Heute am Pfingstsonntag werdet ihr konfirmiert.
Das passt gut. Pfingsten ist das Fest des heiligen Geistes. 50 Tage nach der Auferstehung so erzählt die Bibel, hat Jesus den Heiligen Geist über die Jünger ausgegossen und sie beauftragt, Verantwortung für die Kirche zu übernehmen.
Deshalb gilt Pfingsten auch als Geburtstag der Kirche. An diesem Geburtstag nun bekommt ihr neue Verantwortung. Es ist sozusagen auch euer Geburtstag als verantwortliche Glieder dieser Gemeinde und unserer Kirche.
Das Symbol des Feuers gehört zum Pfingstfest. Ich habe es auf den Gottesdienstzettel gedruckt. Wie Feuerflammen senkt sich der Heilige Geist in der Apostelgeschichte auf die Jünger.
Für euch möchte ich hier vorne ein kleines Feuer als Bild für das was ich euch heute sagen möchte, entzünden.
Feuer aufstellen, anzünden.
Feuer ist ein vielschichtiges Bild. Es gibt Wärme und Geborgenheit aber man kann sich daran auch die Finger verbrennen.
In dieser Vielseitigkeit wird es auch in der Bibel benutzt, um Gott zu beschreiben.
Da gibt es den feuerspuckenden Gott, der in seinem Zorn ganze Städte zerstört. Vor allem da wo Menschen unter Gewalt und Krieg leiden, wird Gott so mächtig beschrieben. Er stellt sich an die Seite der Schwachen. Aus dem Glauben erwachsen den Menschen ungeahnte Kräfte. Einige werden sich vielleicht an die Friedensverheißung des Jesaja erinnern, die häufig in den Weihnachtstagen im Gottesdienst gelesen wird: Soldantestiefel und -mäntel werden verbrannt. Krieg und Gewalt sollen im neuen Reich Gottes keinen Einfluss mehr haben.
Aber auch das Bild von Gott, der seinem Volk als Feuersäule voran geht auf dem Weg aus der Sklaverei in die Freiheit, kennen viele.
Im brennenden Dornbusch gibt er sich Mose zu erkennen. Ich bin der Gott, der immer an deiner Seite ist.
Voller Leidenschaft entbrennen die Jünger in der Pfingstgeschichte für Jesus. Endlich – mit einigen Wochen Abstand haben sie den Weg Jesu durch Kreuz und Tod verstanden. Jetzt mit dem Feuer des Geistes geht ihnen das Herz über und sie beginnen zu reden und zu singen. Sogar in Fremdsprachen können die einfachen Menschen, die sicher nie eine Schule besucht haben, auf einmal von Gott erzählen.
Darum geht es, wenn Gottes Geist ausgegossen wird: Wir werden sprachfähig. Wir werden in die Lage versetzt, über unseren Glauben zu reden.
Deshalb passt auch eure Konfirmation so gut zu Pfingsten: Mit der Handauflegung gebe ich euch Gottes Segen, seinen Heiligen Geist weiter. So wie auch ich den Geist durch Handauflegung empfangen habe. Dass ihr über euren Glauben Auskunft geben könnt, habt ihr in eurem Vorstellungsgottesdienst und dem anschließenden Quiz eindrucksvoll gezeigt.
Nach eurer Taufe seid ihr in die Kirche hineingewachsen. Habt über eure Eltern und Paten, Kindergottesdienst, Religionsunterricht in der Schule, die Andachten bei den Pfandfindern und hoffentlich auch durch meinen Konfirmandenunterricht erfahren, was alles zum Glauben dazu gehört. Nun habt ihr euch selber entschieden, dass dieser Glaube euer Weg ist. Mit eurem „Ja“ heute sagt ihr „Ja“ zu dem, was eure Eltern und Paten bei eurer Taufe für euch entschieden haben.
Bei einigen ist das schon deutlich zu spüren. sie sind entbrannt, wie das Feuer in dieser Schale. Voller Eifer habt ihr euch schon in die Gemeinde eingebracht. Habt in Gottesdiensten gesungen, das Krippenspiel mitgestaltet, Gemeindebriefe in die Häuser getragen oder mit kreativen Ideen dafür gesorgt, dass unser Gemeindefest dieses Jahr eine neue Gestalt bekommen wird.
Ich freue mich über die Lebensfreude, die ihr dabei ausstrahlt und hoffe, dass jetzt wo die regelmäßigen Unterrichtstermine wegfallen noch andere aus der Gruppe eine Aufgabe für sich in der Gemeinde finden.
Das Feuer in der Apostelgeschichte unterscheidet sich deutlich von dem, was ich hier vor euch entzündet habe. Dieses Feuer brennt aus der Schale heraus nach oben. Das Feuer, das die Herzen der Jünger entbrennen lässt züngelt von oben auf sie herab.
Es hat Kraft. Wie ein Stich durchfährt es die Menschen. Und so wie ihr das auch vom Feuer kennt, wirkt es ansteckend. Es breitet sich schnell aus. Das werde ich jetzt hier nicht vorführen. Mein Feuer soll in der Schale bleiben.
Gottes Feuer aber breitet sich aus. Die Jünger erhalten es alle. Sie reden über ihre Erfahrungen mit Jesus und stecken damit andere an. Innerhalb weniger Jahre hat die Flamme des Heiligen Geistes das ganze römische Reich erreicht und dessen Grenzen sogar überschritten.
Das wird nun auch eure Aufgabe sein. Der Geist wird über euch ausgegossen. Ihr sagt ganz bewusst „Ja“ zu eurer Taufe. Damit seid nun auch ihr verantwortliche Träger des göttlichen Feuers. Ab heute dürft ihr selber Patinnen und Paten werden. Wir trauen euch zu, dass ihr nun andere auf ihrem Weg in den Glauben begleiten und stärken könnt.
Das ist nicht immer ganz einfach. In der Schule oder in der Werbung begegnen euch auch andere Modelle der Weltdeutung. Engagement für die Schwachen, der Verzicht, die eigene Macht um jeden Preis auszubauen, das erscheint manchem als Schwäche.
Dazu lese ich den für heute vorgesehenen Predigttext aus dem 1. Korintherbrief:
„Wir haben aber nicht den Geist dieser Welt erhalten, sondern den Geist, der von Gott kommt. Darum können wir erkennen, was Gott uns geschenkt hat. Davon reden wir nicht in Worten, wie sie menschliche Weisheit lehrt, sondern in Worten, die der Geist Gottes eingibt. Von dem, was Gott uns durch seinen Geist offenbart, reden wir so, wie sein Geist es uns lehrt. Menschen, die sich auf ihre natürlichen Fähigkeiten verlassen, lehnen ab, was der Geist Gottes enthüllt. Es kommt ihnen unsinnig vor. Sie können nichts damit anfangen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann. Wer dagegen den Geist hat, kann über alles urteilen, aber nicht von jemand beurteilt werden, der den Geist nicht hat. Es heißt ja in den Heiligen Schriften: »Wer kennt den Geist des Herrn? Wer will sich herausnehmen, ihn zu belehren?« Und das ist der Geist, den wir empfangen haben: der Geist von Christus, dem Herrn.“
Wer sich auf sich selber verlässt wird in Egoismus und Habgier enden. Wer sich von Gottes Geist entbrennen lässt, trägt dazu bei, dass diese Welt ein freundliches Gesicht bekommt. Mit dem Feuer eurer Überzeugung seid ihr ein Teil von Gottes Licht für diese Welt. Amen.

drucken