Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!

Liebe Schwestern und Brüder!
Pfingsten?!
„Ich versteh nicht den Sinn, doch ein freier Tag ist drin!“, so der Moderator Holger Weinert im Hessenfernsehen.
Welch Geistes Kind treibt die Menschen an Pfingsten um?

Viele wissen es nicht oder wollen es nicht wissen. Meine ehemaligen Schüler antworteten früher: „Weinfest im Kurpark.“ O.K. Wein ist ein geistvolles Getränk. Viele Menschen sagen Grillfest, Kinderfest, Backfest, Wanderfest oder Reitfest usw.
An Pfingstmontag hat die Frankfurter Börse geöffnet, natürlich nur wegen des Wettbewerbs. Geld muss arbeiten. Auch der Geist des Kapitalismus muss gefördert werden.
Andere machen an Pfingsten ein großes „Staufest“ auf der Autobahn wegen der Möglichkeit zum Pfingst- und Kurzurlaub. Bei über 25 Grad im Stau. Das geht einem dann gehörig auf den Geist. Allüberall Wanderungen, Radfahrten und Feste an Pfingsten. Meistens weltliche Feste, die keinen göttlichen Geist und Segen benötigen. Wofür den Geist Gottes in Anspruch nehmen, wenn wir Menschen doch so unabhängig und selbstbestimmt leben und feiern können!?
Welch Geistes Kind treibt die Menschen an Pfingsten um?!
Soweit zum Menschengeist und soweit auch
-ich gebe es zu- zur Ironie!

Auch der Apostel Paulus wusste dies schon vor ca. 2000 Jahren in Korinth, der griechischen Hafen- und Großstadt. Er schreibt dazu und stellt fest:
Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.

Was ist Pfingsten für ein Fest, was wird an Pfingsten gefeiert?
An Pfingsten –von: griechisch: Pentekoste, „fünfzig Tage“ nach Ostern- feiern wir das Fest des Hl. Geistes, das Fest der Kirche und der Gaben des Hl. Geistes an und für uns Menschen. Das ist der Grund für den heutigen Gottesdienst.
Gottes Geist, sein Hl. Geist trägt und erhält uns. Das glauben wir und das feiern wir heute.
Und doch tun wir uns mit Pfingsten so schwer. Selbst die Werbeindustrie hat noch nichts Handgreifliches erfunden. An Weihnachten gibt es Geschenke und an Ostern wenigstens Osterhasen und Ostereier. Doch an Pfingsten gibt es scheinbar nichts.
Vielleicht feiern viele deswegen irgendetwas, auch das freie Wochenende, bloß nicht den Hl. Geist.
Wo ist Gott, wo ist sein Geist und wo rechnen wir mit Gottes Geist in unserem Leben? Rechnet ein moderner Mensch – Paulus würde sagen: ein natürlicher Mensch- überhaupt noch mit Gott? Oder ist es nicht vielmehr so, dass Gott sich gefälligst in Not als Hilfe zu offenbaren hat und ansonsten der liebe Gott ein guter Mann sein kann?!

Wer nicht mit Gottes Geist, Liebe, Barmherzigkeit und Allmacht in seinem Leben rechnet,
wer in seinem Alltag lebt ohne Gott,
wer agnostisch vor sich hindämmert und lebt, denn es gibt genügend arglistige Täuschungen und Versuchungen im Leben, der wird sich auch gottverlassen fühlen, wenn es ihm schlecht geht. Wie will so ein Mensch eine Beziehung zu Gott haben?! Wie! Und warum sollte sich Gott ihm gnädig zuwenden oder persönlich offenbaren! Gott wendet sich dem reuigen, fragenden und suchenden Menschen zu!
Und außerdem gibt es Glaube nicht zum Null- und Freizeittarif! Soweit dazu.

Ich möchte heute hingegen über Gottes Hl. Geist predigen, seine Hilfe und Offenbarung im Glauben ansprechen und seine Gaben und Aufgaben, die er uns geschenkt hat, benennen.
Gottes Geist wirkt und weht, wo er will. Er er-greift, aber er ist nicht zu be-greifen.
"Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2.Kor.3, 17), schreibt der Apostel an anderer Stelle.
Gottes Geist ist Freiheit. Das bedeutet. Gott macht uns frei von menschlicher Lehre und Irrlehre, Gott schenkt uns im Glauben die Freiheit seinen Geboten und vor allen Dingen An-Geboten des Lebens zu folgen. Gottes Geist schenkt uns seine Befreiung vom Tod durch die Auferstehung von den Toten. Gottes Geist bringt uns die Erlösung.
Und wo der Geist Gottes in seiner Freiheit wirkt, da geschieht diese Geistes-Gegenwart: mitgegeben in der Geburt, zugesprochen bei der Taufe, bekräftigt durch die Konfirmation, angenommen und gelebt im Glauben, bewährt im Dienen und im Dienst durch unsere Gaben, vollendet im Leiden und letztendlich offenbart an den Erlösten. Diese Art von Freiheit ist für uns Christen Grundbedingung und Lebensgesetz. Diese Freiheit ist das A und O, der Anfang und das Ende.
Gottes Geist macht frei. Frei zur Liebe, frei zum Dienst, frei unsere Begabungen und Gaben als Aufgabe und Verpflichtung für andere zu sehen und zu nutzen.
Wenn wir damit rechnen und darauf hoffen, dann sind wir nicht von allen guten Geistern verlassen, sondern werden vom Heiligen Geist geschützt und getröstet.
Gottes Geist bedeutet Freiheit.
Wo der Geist des Herrn weht, da ist Freiheit.
Wo der Geist Gottes weht, da ist Liebe und
wo der Hl. Geist weht, da ist ein Öffnen der Herzen und Sinne jenseits aller menschlichen Erkenntnis-Möglichkeiten.
Nochmal: Wer den Hl.Geist begreifen will, im Sinne eines intellektuellen Verstehens oder einer rationalen Durch-dringung der Welt, der wird scheitern. Weil sich Gott im Glauben nicht so offenbart, wie wir es uns wünschen, sondern wie er es will.
"Dein Wille geschehe", heißt es im Vaterunser.
Wir können Gott nicht be-greifen, aber sein Geist er-greift uns im Glauben immer wieder neu.
Und das Geheimnis von Gottes Heiligem Geist bleibt immer, dass dieser Geist sich im Inneren des Menschen im Herz und an seiner Seele offenbart.

Woran und wodurch kann ich ihn dennoch sehen?
Gottes Geist beschenkt uns mit Gaben, Begabungen und Aufgaben.
In den je eigenen Gaben und Begabungen eines Menschen kann ich die Wirkung des Hl. Geistes für uns Menschen sehen. Diese Gabe und Begabungen können wir sehen und
als Kirche und Kirchengemeinde leben wir davon. Vielleicht kennen sie auch solche Menschen, die häufig unsichtbar und ohne großes Aufsehen ihre Gaben einbringen. Leise und geduldig, beharrlich und treu. So schafft sich auch die Liebe Gottes ihren Raum. In Gottes Geist und mit Gottes Liebe geschehen viele Dienste und Aufgaben in unseren Gemeinden und Familien. Dieser Geist der Liebe und Besonnenheit ist der Antrieb für unsere Kirche. Für eine Kirche, die noch inmitten des Dorfes steht und die für die Menschen da sein will.
Und der Geist Gottes, der Hl. Geist hat noch vielmehr Äußerungsformen. Eine kennt jeder. Gottes Geist ist der Fürsprecher jedes Betenden, Anwalt der Seufzenden und Verzweifelten, Mund der Stummen, Stimme der Gequälten und Leidenden, denn "der Geist hilft unserer Schwachheit auf."

In Christi Namen und Geist sind wir mit Gaben beschenkt worden. Mit wundervollen und einmaligen Gaben, mit Liebe, Herzenswärme und Verstand. Kein Leben ist umsonst oder unwert, sondern eine wunderbare Gabe Gottes. Ein Geschenk der Liebe Gottes. Und Gottes Geist und Segen bewahrt es.
Tief in unserem Inneren wissen wir es. Und die, die meinen Gott nicht zu brauchen, auch sie ahnen es hin und wieder, auch wenn sie leider selten mit Gott rechnen.
Und wenn die Liebe unter uns Menschen wahrhaftig ist, d.h.
aufrichtig, ehrlich und mit gegenseitiger Achtung und Herzenswärme praktiziert wird, dann wirkt der Hl. Geist in uns. Denn der Hl. Geist ist das heilige Geheimnis Gottes; er ist Allmacht und Barmherzigkeit, Tröster und Helfer, Schutz und Schirm vor allem Argen und Stärke und Hilfe zu allem Guten.
"Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit",
aus dieser unendlichen Freiheit des Glaubens leben wir und dieser Geist der Freiheit bedingt unser christliches Leben.
Das ist eine religiöse Tatsache für gläubige Menschen.
Wer sich auf die Macht und Heiligkeit des göttlichen Geistes verlässt, der ist nicht verlassen. Wer mit der Wirksamkeit des Hl. Geistes rechnet, der rechnet mit dem Eingreifen Gottes im eigenen Leben und dem Durchwalten Gottes in dieser Welt.
Wo der Heilige Geist wirkt, da geschieht Neues und Veränderndes.
Der Geist ist heilig. Wo der eine Gott, Jesus Christus lebt und regiert, da verlieren die anderen Götter, Götzen, Dämonen ihr Ansehen und ihre vermeintliche Macht.
Der Heilige Geist vertreibt die Fetische, den Aberglauben und die leblose Botschaft der kapitalistischen Welt. Wo Gottes Geist ist, das ist Heiligkeit und Heil.
Der Geist ist heilig.
Gott ist Geist und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Ohne seinen Geist keines Menschen Geist. Ohne seine Wahrheit keines Menschen Wahrheit. Ohne seine Liebe gibt es keine menschliche Liebe. Ohne sein Kraft und Dynamik gibt es keine menschliche Kraft.
Damit können wir in unserem Leben und im Sterben rechnen.
Das alles meint Paulus, wenn er uns verheißt, dass der Geist uns frei macht von der Sünde und der Macht des Todes.
Denn dieser Geist schenkt Befreiung und ein neues Leben. Ein Leben, das Trost schenkt. Ein Leben, das sich durch den Glauben nicht mit der Macht des Todes abfindet. Ein Leben, das einen neuen Anfang finden kann, wenn es in die Sackgasse geraten ist. Ein Leben, das nicht nur den Eigennutz als oberstes Prinzip hervorhebt, sondern von seinem materiellen und ideellen Reichtum abgibt. Dieser befreite Glaube macht sich dann nicht mit den Regeln der Welt gemein, sondern wird in der Gemeinschaft aller Christen gelebt.
Gott schenke uns die Kraft dieses Geistes, der in einem jeden von uns Christen wohnt und dessen Tempel wir sind.
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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