Bund 2.0

Liebe Gemeinde.

Wer heutzutage ein technisches Gerät kauft, der kann eigentlich davon ausgehen, dass es spätestens übermorgen schon veraltet ist. Man kanns wohl noch benützen, aber es gibt mit ziemlicher Sicherheit schon wieder eines, das noch besser ist, noch mehr kann und womöglich auch noch weniger kostet. Manchmal sagen Leute, wenn es um ein neues Handy oder einen neuen Fernseher geht: Das kauf ich jetzt noch nicht, bestimmt gibt es bald ein neues Modell. Und auch mit den Computerprogrammen, die in den Produkten stecken, ist das so. Die sind irgendwann nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dann muss man sie updaten, wie das Neudeutsch so heißt. Z.B ist mein Navi im Auto mittlerweile 6 Jahre alt und neulich habe ich damit fast das Haus meines Bekannten nicht gefunden, weil es das vor 6 Jahren noch nicht gab – folglich kannte das Navi es nicht. Ich bräuchte also dringend ein update fürs Navigationsgerät. Fast noch wichtiger ist das beim Antivirenprogramm auf dem Computer. Auch das muss man regelmäßig updaten, damit es auch gegen immer neue Viren gewappnet ist. Meistens bekommen die überarbeiteten Programme eine fortlaufende Nummer. Da heißt es dann Antivirenprogramm 2.0. oder 3.0 oder 10.0. Das ist im Grunde das, was früher die Auflage war. In der Computersprache heißt das eben 2.0

Auch im heutigen Predigttext geht es um ein update – eine neue Auflage. Gott schließt nämlich einen neuen Bund mit den Menschen. Den ersten Bund gab es schon länger. Er war mit der Zeit schon etwas in die Jahre gekommen. Geschlossen hat Gott den ersten Bund damals mit Noah, nachdem die Arche wieder auf festem Grund gelandet war. Da hat Gott versprochen, nie wieder so eine schlimme Flut zu schicken. So lange die Erde steht, soll nicht mehr aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, so heißt es da in der Schöpfungsgeschichte. Und als sichtbares Zeichen dieses Bundes mit den Menschen hat Gott seinen Regenbogen an den Himmel gesetzt.

Dann wird es Zeit für einen Bund 2.0. Hören Sie den Predigttext aus dem Jeremiabuch im 31. Kapitel:

[TEXT]

Wenn man sich mit jemandem verbündet, dann ist man eng miteinander verbunden. Enger, als mit jemand anderem vielleicht. Man verbündet sich mit dem Bruder gegen die Schwester oder mit den Geschwistern, um bei den Eltern gemeinsam etwas durchzusetzen. Man verbündet sich mit Freundinnen in der Schule, um ein Projekt zu stemmen. Wenn man heiratet, schließt man den Bund fürs Leben. Und schließlich leben wir in einer Bundesrepublik, die sich aus verschiedenen recht eigenständigen Bundesstaaten zusammensetzt. Die Zusammenarbeit ist in einem Bund geregelt. Der Bundesrat und der Bundestag gehören zur Bundesrepublik. Und samstags, da schauen ganz viele die Fußballspiele der Bundesliga – wobei es die natürlich auch in vielen anderen Sportarten gibt.

Ein Bund, das ist ein Vertrag, den zwei oder mehr miteinander schließen um gemeinsame Sache zu machen. Und an das, was das abgemacht wurde, muss man sich eigentlich halten – sonst ist das Vertragsbruch.

Und wie das Volk den Vertrag gebrochen hat…

Mose kann es kaum glauben. Der Lärm, der Trubel, das Tanzen und Singen dringt schon von Weitem an sein Ohr. – Sogar den Berg hinauf. Mit den beiden steinernen Tafeln hatte Mose sich gerade zum Abstieg aufgemacht. Weiter unten bleibt er wie versteinert stehen. Entsetzen macht sich in ihm breit. In Mitten des Treibens erkennt er eine goldene Skulptur, ist es ein Kalb oder ein Stier? – Mose merkt, wie die Zornesröte in ihm aufsteigt.

Hatte das Volk nicht klar und deutlich zugestimmt? Es hatte sich doch vorgenommen allein Gott dem Herrn dienen zu wollten. Es hatte Treue geschworen, nachdem Gott sie schon so weit aus der Unterdrückung heraus geführt hatte. Das Volk hatte doch versprochen, die Angebote Gottes für ein Leben in Freiheit, die zehn Gebote, zu halten. Welchen Sinn hatten da jetzt noch die beiden steinernen Tafeln, die er unter seinen Armen trug, auf denen die Gebote festgehalten waren. Sie sollten doch das Zeichen des Bundes sein zwischen Gott und den Menschen.

Erst jetzt hatten die Menschen Mose kommen sehen. Das Treiben rund um das Goldene Kalb verebbte und die Menschenmenge muss mit ansehen, wie die beiden steinernen Gesetzestafeln vor ihren Augen mit voller Wucht auf den Erdboden knallen und in viele Teile zersplittern.

Was macht man mit einem, der den Bund nicht gehalten hat? In der Regel trennt man sich. Vielleicht noch gütlich, anderenfalls mit Hilfe zweier Rechtsanwälte, die versuchen, für jeden der Vertragspartner das Beste heraus zu holen. Man kann aber auch versuchen, aus der Situation zu lernen. Warum hast du den Bund nicht gehalten? Was können wir beide tun, damit das nicht wieder passiert? Da braucht man manchmal einen Mediator, einen Vermittler. 
Das Volk Israel merkt wohl, dass es einen ziemlich großen Fehler gemacht hat – aber dann ist es bekanntlich ja meistens schon zu spät. Aber da ist Mose – schon immer der Vermittler, der auch dieses Mal wieder für das Volk in die Bresche springt.

Und Gott lässt sich auf einen neuen Versuch ein, er gibt dem Volk noch mal eine zweite Chance. Obwohl er doch allen Grund gehabt hätte, das Volk abzuhängen. Und Gott überlegt sich, was er es den Menschen erleichtern kann, sich auf den Bund mit ihm einzulassen. Denn die Bedingung war, dass die Menschen sich gegenseitig belehren sollten, um Gott zu erkennen. Sie sollen das Gesetz studieren, es lernen und dann danach handeln. Gott macht quasi ein update seines Bundes – er bietet uns einen Bund 2.0 an.

Anders ist, dass wir Menschen gar nichts mehr im Voraus leisten müssen. Der Bund 2.0 der ist ein reines Geschenk an uns. Gott will jetzt sein Gesetz direkt ins Herz der Menschen schreiben, damit es unser Denken und Handeln bestimmt. Damit wir von innen heraus Gott vertrauen können – ohne besonderes Wissen oder Können. Gott will unser Freund sein – einen Herzensbund mit uns schließen. Und das gilt uns bedingungslos.

Allerdings: zur Zeit des Propheten Jeremia gilt der neue Bund noch gar nicht. Er wird den Menschen erst angekündigt. „Siehe, es kommt die Zeit,“ so verkündet der Prophet. Heute würde das Produkt Bund 2.0 sicherlich großflächig auf Plakaten und minutenlang in Fernsehen und Radio beworben. Schließlich sollte ja auch jeder mitbekommen, was da kommen wird. Damals hat der Prophet diese Aufgabe übernommen – zu informieren und zu bewerben.

Er hatte vom Produzenten direkt erfahren, was es mit dem neuen Bund auf sich haben wird. Zwei gewichtige Argumente nennt er: Gott wird unser Gott sein und wir werden sein Volk sein. Und: Gott wird nicht mehr unserer Sünde gedenken. Was war wird keine Rolle mehr spielen. Mit dem neuen Bund fängt Gott nochmal neu mit uns Menschen an.

Und so ein neues Produkt, das braucht auch ein neues Design. Zeichen des bisherigen Bundes war der Regenbogen. Das Zeichen des neuen Bundes ist das Abendmahl. „Das ist das Blut des neuen Bundes“, so sagt Jesus, als er das Abendmahl das letzte Mal feiert. Und der neue Vermittler, der neue Vertreter, ist Jesus Christus. Und er redet nicht nur darüber, sondern er macht den neuen Bund Gottes mit uns Menschen erfahrbar.

Übrigens ist „Testament“ eine andere Übersetzung für das griechische Wort für Bund. Im Alten Testament wird also erzählt, wie Gott den alten Bund mit den Menschen geschlossen hat, mit Noah und dann dem Volk Israel. Und im Neuen Testament erfahren wir in den Geschichten vom Leben Jesu, was es mit dem neuen Bund auf sich hat. Jesus kündigt nicht nur an, dass Gott unser Gott sein möchte, sondern er kommt uns als Mensch nahe. Jesus spricht nicht nur davon, dass Gott unsere Schuld nicht mehr ansieht, sondern er geht zu den Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, er isst mit denen, die Fehler gemacht haben und ermöglicht so ein neues Leben. Das ist wie wenn da einer ist, der einem das neue Gerät gleich vorführt und zeigt, was man damit alles machen kann und was da alles drin steckt.

Kritisch, wie wir sind, kaufen wir aber natürlich nicht alles und schon gar nicht unbesehen. Was hab ich davon? Was bringt es mir? Wir sind ja gewohnt, das zu fragen. In Zeiten, in denen wir so viel Auswahl haben sowieso. Was es uns bringt? Dass auch wir immer wieder neu anfangen können. Mit Gott, der uns das vormacht, mit unseren Mitmenschen, in unseren Beziehungen – ja, in unserem ganzen Leben. Nichts muss so bleiben, wie es war, festgefahren und althergebracht. Jeden Tag darf unser Leben sich verändern, jeden Tag darf etwas neu werden an uns, in uns, um uns. Der Bund 2.0 macht´s möglich. Denn Gott will, dass wir leben.

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