Innerlich von Gott erfrischt

Diese Woche war in der Zeitung zu lesen: Ältere Menschen in Deutschland fühlen sich deutlich jünger als sie sind. Eine Studie belegt es: Die 60-75-Jährigen empfinden sich durchschnittlich um acht Jahre jünger als in ihrem Ausweis steht. Die über 75-Jährigen empfinden sich sogar zehn Jahre jünger als sie wirklich sind. Wie kommt das zustande? Leider war in der Zeitung keine Erklärung zu lesen. Darüber könnten wir allerdings nachdenken: Warum fühlen sich so viele ältere Menschen jünger als sie sind? Ihr Konfirmanden werdet es nicht nachvollziehen können. Bei Euch gelte ich mit fast 50 auch schon als alt. Ich würde es mir so erklären: Viele ältere Menschen sind noch relativ gesund. Sie sind beweglich, körperlich beweglich, aber auch mit dem Auto mobil. Viele sind geistig rege und interessieren sich für alles Mögliche. Viele haben Enkelkinder oder Urenkel, die sie brauchen. Einige haben noch Aufgaben, auch bei uns in der Gemeinde. Ältere Menschen kleiden sich oft ähnlich wie Jüngere. Das alles trägt dazu bei, dass sie sich jünger fühlen.

Um das Alt fühlen und jung fühlen geht es heute im Predigttext. Er spricht davon, dass wir manchmal müde sind und uns manchmal aber auch sehr lebendig fühlen. Ich lese aus dem 2.Korintherbrief Kapitel 4, 16-18.

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Ich glaube, wir könnten uns gegenseitig Geschichten erzählen, wann wir müde sind. Das könnten die Jugendlichen genau so tun wie die Alten. Ihr Jugendlichen würdet wahrscheinlich sagen: Wir sind müde in der Schule. Da ist es langweilig. Da muss man so früh aufstehen. Es ist alles so anstrengend. Und mittags dauert es so lange, manchmal in den Nachmittag hinein. Und dann noch Konfirmandenunterricht. Das macht so müde. Manche Erwachsenen würden sagen: Mich hat wieder einmal die Frühlingsmüdigkeit gepackt. Heute ist das Wetter zwar schöner, aber bisher war es kalt und ungemütlich. Mir hat das Licht gefehlt und die Wärme. Deswegen bin ich so müde. Ich erlebe oft müde Eltern mit kleinen Kindern. Ich sehe, wie müde manche alleinerziehenden Frauen sind. Bei Berufstätigen sehe ich es auch. Besonders müde sind Menschen, die an irgendetwas leiden. Menschen, die unglücklich sind oder traurig, die werden müde. Eine Mutter, die verzweifelt ist über die Eskapaden ihrer pubertären Tochter, wird oft krank. Dann legt sie sich ins Bett und will niemanden sehen und hören. Traurig sein macht müde.

Wir werden nicht müde, schreibt Paulus in unserem Predigttext. Wie kann er das behaupten? Wie kriegen wir das hin? Paulus schreibt weiter: Wenn auch unserer äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Ist das eine Art Verjüngungstipp ? Regeneration, Erneuerung steht auf manchen Hautcremes. Aber Paulus verspricht nicht, dass der Körper erneuert wird durch Fitness oder Hautcreme. Er verspricht, dass die Seele erneuert wird. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch, heißt eine Redewendung. Ich fühle mich wie neu geboren. Fallen Ihnen Situationen ein, in denen Sie das schon mal gesagt haben? Ich fühle mich wie neu geboren? Vielleicht nach einem Urlaub? Oder nach einem Wellness-Wochenende? Oder mit einer neuen Liebe? Oder nach überstandener Krankheit? Wie neu geboren- Das sagt man nicht so oft. Das ist ein Satz für besondere Lebenszeiten. Aber Paulus überträgt es auf den Alltag: Der innere Mensch wird von Tag zu Tag erneuert. Jeden Tag wie neugeboren. Das ist schon ein großes Versprechen.

Wie geschieht das? Paulus sagt: Blickt doch mal ein bisschen weiter. Denkt daran, dass die Welt nicht nur aus dem besteht, was Ihr seht. Was Euch jetzt so belastet, wird irgendwann überwunden sein. Paulus schreibt: Was sichtbar ist, das ist zeitlich. Was unsichtbar ist, das ist ewig. Schaut doch einmal ein bisschen tiefer. Wenn Ihr daran glaubt, dass es eine andere Welt gibt bei Gott, dann wird alles relativiert. Lasst Euch von Gott frei machen. Lasst Eure Sorgen los. Ihr empfindet alles als schwer. Ihr seufzt über das Leben. Ihr fühlt Euch so müde. Aber wenn Ihr auf Gott schaut, werdet Ihr erkennen, dass er groß ist und Eure Nöte dagegen klein. Ihr werdet erkennen, dass Gott unendlich ist und Eure Sorgen begrenzt sind. Ihr werdet ahnen, dass Gott herrlich ist und dass Euer Leben irdisch ist. Eure Lasten werden leichter werden, indem Ihr zu Gott blickt.

Ich habe neulich etwas von einem Theologen gelesen, der schon im 19.Jahrhundert gelebt hat. Er heißt Sören Kierkegaard. Er schreibt über die Sorgen der Heiden. Dazu sagt er: Heiden leben so, als würde es gar keinen Gott in der Welt geben. Sie denken, sie wären nur auf sich selbst gestellt. Sie planen die Zukunft, als gehörte sie ihnen. Sie sorgen sich um den morgigen Tag. Christen verlassen sich darauf, dass Gott für sie sorgt. Sie leben im Hier und Heute. Heiden denken heute immer schon an das, was kommt. Sie machen sich mit solchen Gedanken nervös. Christen können den heutigen Tag auskosten. Sie glauben, dass Gott bei ihnen ist. Sie wissen, dass sie Gott ihre Sorgen anvertrauen dürfen. Christ sein heißt: Heute da sein. Heide sein heißt: auf Morgen fixiert sein.

Diese Gedanken sind alt. Wir reden ja heute auch kaum noch von Heiden und Christen. Aber ich finde die Gedanken interessant. Wir denken doch auch manchmal wie Nichtchristen. Wir leben auch manchmal so, als gäbe es Gott nicht. Wir planen, als gehörte uns die Welt. Wir sorgen uns. Wir machen uns müde.

Paulus sagt: Ihr braucht nicht so leben wie Menschen, die keinen Gott haben. Ihr habt die Ewigkeit. Die sieht man nicht, aber sie steht Euch offen. Gott begleitet Euch. Er sorgt für Euch. Wenn Ihr Euch darauf verlasst, seid Ihr getröstet. Ihr könnt Sorgen los lassen. Ihr findet Kraft. Ihr seid von Gott geliebt. In Jesus Christus ist der Tod überwunden. Ihr werdet frei von Schuld. Ihr seid erlöst. Deshalb werdet Ihr jeden Tag innerlich erneuert. In Eurer Müdigkeit werdet Ihr von Gott gestärkt. Jeden Tag seid Ihr wie neu geboren.

Ich habe am Anfang erzählt, dass sich viele Alte jung fühlen. Das ist schön. Da kann man sich mitfreuen. Aber es gibt eben nicht nur eine äußere Frische, sondern auch eine innere. Unsere Quelle ist Gott.

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