Hoffst du noch?

Gnade und Frieden sei mit euch von Gott, der da ist und da war und da sein wird. Amen.

Wohnst du noch oder lebst du schon? So lautet der Werbespruch für das schwedische Möbelhaus Ikea. Wohnst du noch oder lebst du schon? Beim ersten Hören sehr verwirrend. Klar lebe ich, aber ich wohne ja auch. Ich wohne in einem Haus, in einer Familie, in einem Ort. Wohnst du noch – dieses „noch“ am Ende klingt irgendwie negativ. Als ob wohnen allein nicht genug sei. Nur zu wohnen bringt wohl nichts, man muss auch leben. Mit allem was zum Leben gehört.

Heute ist Rogate. Betet ! Dieser Sonntag hat einen Befehlston. Klarer Imperativ. Betet!

Und so möchte ich heute Werbung machen für etwas Urchristliches. Ich frage sie:

Hoffst du noch oder betest du schon?

Und sie merken: Hoffen ist gut, beten ist besser.

So, wie ich zunächst irgendwo wohnen muss, bevor ich dort leben kann, muss ich wohl auch erst eine Hoffnung haben, bevor ich anfange zu beten.

Hoffen, das können wir gut. Die Fans hoffen das Bayer die Champions-League gewinnt, die Bauern hoffen auf gutes Wetter. Der Kranke hofft auf Heilung, die Schülerin auf eine gute Note.

Hoffen wir mal das Beste. Ich hoffe es geht dir gut, Hoffentlich sehen wir uns bald.

Hoffen – das können wir gut. Aber beten?

Beten scheint schwer. Erst in der äußersten Not lernt man beten. Dabei ist das Gebet unsere Verbindung zu Gott und unsere Verbindung untereinander.

Hoffst du noch oder betest du schon?

Beten ist viel mehr als bloßes Hoffen. Darum fordert der Sonntag uns heute auf: Betet! Eine klare Ansage. Eben nicht: es wäre schön, oder es wäre toll wenn ihr beten würdet. Sondern es heißt: Betet!

Uns ist heute ein Text aus dem Kolosserbrief gegeben. Vermutlich ist es ein Schüler des Paulus der diesen Text geschrieben hat. Vielleicht kommt er sich selbst als zu unbedeutetnd vor, deshalb unterschreibt er mit dem Namen seines Lehrers Paulus.

Aber was dieser Unbekannte den Christen in Kolossa schreibt, das hat Kraft. Aus dem Gefängnis sind die folgenden Worte geschmuggelt um die Christen an ihre Aufgabe zu erinnern.

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, daß Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muß.
Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, daß ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Seid beharrlich im Gebet und wacht mit Danksagung.

Seid beharrlich – Der Jünger weiß wie schwer es ist regelmäßig zu beten. Vor 2000 Jahren und heute wohl noch viel mehr.

Unser Leben ist geprägt von den Beziehungen die wir haben. Von Freunden und Kollegen. Und wenn diese es nicht gewohnt sind zu beten, so lassen wir uns all zu oft darauf ein.

Ein gutes Beispiel ist das Tischgebet. Mit den Konfirmanden bete ich vor dem Essen. Auch wenn Konvent ist oder sich christliche Gruppen untereinander treffen gehört das Beten am Tisch dazu.
Bin ich zu Besuch bei Freunden, so fangen wir zwar gemeinsam an, aber gebet wird nicht. Ich vergesse es einfach. Und ich ärgere mich dann über mich selbst.
Wenn der Arbeiter im Stahlwerk mittags zu Tisch sitz, dann senkt er nicht den Kopf zum stillen Dank. Die Kollegen könnten ihn schief ansehen.

Ein anderes Beispiel ist das Abendgebt am Bett des Kindes. Eine Bekannte berichtete: Ich bete vor dem Schlafen mit meinen Kindern und neulich da waren wir zum Sport und sollten uns auf eine Matte legen, da hat meine Tochter gefragt ob jetzt noch gebetet wird. Der Mutter war das peinlich. Es muss ja keiner wissen, dass ich abends bete.

Eine andere Sache ist das Gebet für andere. Ich weiß nicht ob sie für ihre Enkelkinder beten. Ich mache das ab und an für meine Neven wenn Klassenarbeiten anstehen. Aber ich traue mir nicht ihnen das zu sagen. Vielleicht kennen sie ähnliches?

Seid beharrlich im Gebet ruft uns der Apostel zu. Er kennt die Schwierigkeiten die uns das Beten schwer machen. Und doch sagt er mit Ausrufezeichen: Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!

Der Apostel sitzt im Gefängnis als er diese Worte schreibt. Und doch weiß er: keine Gelegenheit soll ungenutzt bleiben. Hier kann er mit den Insassen beten, er kann den Wärtern von Gott erzählen und er kann von der Auferstehung Jesu berichten.

Vielleicht erntet er dafür Spott, vielleicht schlagen die anderen Häftlinge ihn dafür, aber er bleibt beharrlich.

Wie einfach haben wir es hingegen.

Beharrlich sein, das ist ein Standhalten. Das ist trotzig sein.

Und vielleicht sollen wir auch so trotzig sein wie ein bockiges Kind, wenn uns jemand das Beten verbieten will. Gegen die Masse, gegen den Strom, gegen die Welt sollen wir trotzen und beharrlich im Gebet sein.

Bleibt wach! Haltet die Augen offen, Hört hin und dann betet.

Darum ist es so wichtig, dass wir heute hier zusammen kommen, damit wir beten. Für uns, für andere, für Dinge die uns auf dem Herzen liegen, für Sorgen, die andere bedrücken. Wir sind hier und können es vor Gott bringen.

Gegenseitig anteilnehmen in der Fürbitte. Überall auf der Welt beten heute Menschen und so sind wir verbunden mit der Christenheit. Wenn sie hier im Ort ihre Glocken hören, dann wissen sie: Es ist Gottesdienst, oder es ist eine Taufe, eine Hochzeit eine Beerdigung.. was auch immer: Sie wissen: jetzt wird gebet. Und gleichzeitig ist der Glockenklang die Melodie des Predigttextes: Denn ihr Dröhnen ruft uns zu: Seid beharrlich im Gebet.

Immer neu überlegen, welches Gebete denn heute mein Gebet ist und darüber meinen Mitmenschen nicht vergessen. Dazu ruft das Mittags und Abendgeläut auf.

Ich brauche diese äußeren Ermahnungen immer wieder, ich brauche feste Gebetszeiten weil ich sonst vergesse. Aber ich merke auch, wie gut es mir tut.

Und das ist das Spannende in unserem kurzen Abschnitt. Denn er endet mit den Worten: Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, daß ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.
Das Gebet hat Folgen für unser Leben. Das Gebet macht aus unserem Wohnen ein Leben. Dadurch, dass wir für andere beten, dadurch, dass wir unsere eigenen Dinge vor Gott bringen und dadurch, dass wir dankbar sind für das was wir haben, dadurch ändert sich unser Handeln. Luther sagt: ich muss heut viel arbeiten, also muss ich viel beten. Wir lernen unsere Zeit neu zu nutzen – nicht um uns zu ärgern, sondern um freundlich miteinander umzugehen.

Beten bringt leben. Wohnst du noch oder lebst du schon? Hoffst du noch oder betest du schon?

Ich wohne und hoffe, ich lebe und bete. Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als unsere Vernunft fassen kann, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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