Die Kirche wird voll!

In den nächsten Jahren wird sich hier einiges ändern. Ich möchte Sie schon einmal darauf vorbereiten, damit Sie sich einstellen können. Es wird nämlich eng in unserer Kirche. Die Zahl der Gottesdienstbesucher wird sich nämlich langsam aber stetig erhöhen. Es wird voller. Unsere Gemeindegliederzahlen werden auch steigen.
Und dieser Trend betrifft nicht nur Rottorf, sondern unsere ganze Landeskirche. Ja, er ist deutschlandweit zu beobachten. Das Interesse der Menschen an der Religion/am Religiösen ist ja schon in den vergan­genen Jahren gewachsen. Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach einer spirituellen Heimat. Davon wird auch zunehmend das Christentum profitieren und damit auch und vor allem unsere evangelischen Kir­chen.

Woher ist das alles habe? Wie ich darauf komme? Ob das stimmt? → Na klar stimmt das. Und wie das stimmt.
Ich erzähle immer mal wieder die Geschichte vom Straßburger Münster: Als die Menschen in Straß­burg begonnen haben die riesige Kirche zu bauen, haben sie sie so geplant, dass mindestens 5000 Men­schen hineinpassen. 5000. Straßburg hatte damals aber gerade mal 3000 Einwohner.
→ So baut man eigentlich Kirchen.
Meine Heimatgemeinde, meine Taufkirche wird in diesem Sommer abgerissen, weil sie baufällig ist und einen Sanierungsbedarf von über 2 Mio. € aufweist. Es wird dann ein neues Gemeindezentrum gebaut, aber das wird viel kleiner sein, weil das die Richtli­nien der hannoverschen Landeskirche so vorsehen. Bei 3000 Gemeindegliedern hat man nur noch An­spruch auf Platz für 300, oder ähnlich.
→ So baut man Kirchen heute.
Und auch wenn ich das verstehen kann und von der finanziellen Seite her eben nichts anderes möglich ist, ist das Denken dahinter falsch.

Und deshalb glauben Sie mir bitte: In den nächsten Jahren wird sich hier einiges ändern: Wir werden wachsen, unsere Kirche wird voller werden. Das ist so. Und das ist auch kein Geheimnis: Das werden wir ab sofort allen hier in Rottorf auch sagen. Das dürfen ruhig alle wissen, dass hier bald der Platz knapp wird.

Ich weiß, die Statistiken sagen etwas ganz anderes. Demografischer Wandel, was nichts anderes heißt als Bevölkerungsrückgang, säkularisierte (kirchenferne) Gesellschaft, Kürzungen im landeskirchlichen Haus­halt, Stellenreduzierung usw.
Das mag alles so sein. Aber ich finde, das ignorieren wir ab sofort. Wir werden hier in Rottorf jetzt nur noch positiv in die Zukunft schauen und von unserer vollen Kirche reden.
Und bitte, wenn Sie mich mal wieder ertappen, wenn ich was anderes sage, dann wiedersprechen Sie mir sofort!
Unsere Kirche wird jetzt voll.

Das erste, was wir dafür tun müssen, ist natürlich beten.
Ohne Gottes Hilfe, ohne Gottes Heiligen Geist werden wir nicht weit kommen, bei diesem Plan. Also: Betet mit aller Ausdauer, voll Dankbarkeit gegenüber Gott und ohne in eurer Wachsamkeit nachzulassen. Das steht schon im Kolosserbrief.
Tretet auch für uns ein – also für alle Menschen, die an unserem Plan „Volle Kirche“ mitmachen –, wenn ihr betet! Bittet Gott, uns eine Tür für seine Botschaft zu öffnen. Dann können wir das Geheimnis weiter­geben, das Christus uns enthüllt hat.

Denn natürlich geht es nicht nur einfach darum, dass die Kirche voll ist, weil das besser aussieht und wir uns besser damit fühlen. (Obwohl auch das wichtig ist.)
Es geht darum, dass wir unseren Glauben ausbreiten unter den Menschen im Ort und in unserer Umge­bung. Wir wissen, dass der Glaube etwas schönes ist, was das Leben bereichert, aber die anderen müssen das ja auch erfahren. Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, euren Glauben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch.
Wenn wir an der Kirche bauen, dann bauen wir nicht nur für uns, sondern auch für die anderen. Nicht nur für uns 3000 sondern für noch mindestens 2000 mehr.

Wir sind in Rottorf nicht 3000? Sondern nur etwas mehr als 300? Was macht das schon? Heute sind wir auch nur 30 (oder so ähnlich) und wir bauen Kirche nicht nur für uns sondern für die anderen 300 in Rottorf noch mit und für noch mindestens 200 weitere auch. Und wir werden erfolgreich sein, denn Gott ist an unserer Seite. Darum betet, dass wir unseren Auftrag erfüllen und dieses Geheimnis klar und verständlich verkünden können.
Es ist unser Auftrag daran zu arbeiten, dass wir wachsen. Den haben wir zu erfüllen und das geht mit frohem Mut immer besser.

Verhaltet euch klug im Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinde gehören. Wenn sich euch eine Gelegen­heit bietet, euren Glauben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch.
Das ist die eigentliche Herausforderung an der Sache. Wenn sich eine Gelegenheit bietet… Welche Gelegen­heiten bieten sich? Und nutzen wir sie wirklich?
Ich ehrlich gesagt nicht. Mit Sicherheit könnte ich viel öfter und mit viel mehr Menschen über den Glauben reden. Darüber, welche Chancen er bietet. Wie der Glauben hilft die Krisen im Leben zu meistern. Viel öfter könnte ich mit Menschen beten und tue es eben oft nicht.
Aus falscher Bescheidenheit und übertriebener Zurückhaltung. Weil ich Angst habe Menschen zu verprellen und abzuschrecken, wenn ich allzu deutlich von Jesus Christus rede.
Aber das ist Unsinn und ich weiß es eigentlich auch. Sicherlich gibt es Menschen, ablehnend reagieren, wenn man mit der Tür ins Haus fällt, die eben nichts mit dem Glauben zu tun haben wollen. Aber wer das in unserem Umfeld ist, wissen ja auch eigentlich.
Wie viele Menschen hingegen sind dankbar, wenn man ihnen sagt, was man selbst denkt und glaubt und hofft? Viele Menschen freuen sich, wenn man sich als Christenmensch zu erkennen gibt, als einer oder eine, die etwas vom Glauben erzählen kann – selbst wenn es keine großen Worte sind.

Probieren Sie es aus. Probiert es aus. Z.B. wenn jemand von seinen Problemen erzählt. Von der Krankheit, die ihn plagt. Was sagen wir dann meistens? „Gute Besserung.“ Sagen Sie mal: „Ich werde für dich beten.“ Das freut die Menschen ungemein. Das öffnet ihr Herz – für den, der das sagt, aber auch immer ein Stück weit für Gott. Probieren Sie das mal aus: „Ich werde für dich beten.“
Und dann tun Sie es natürlich später auch. Und schon ist gleich zwei Menschen geholfen.
Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, euren Glau­ben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch.
Oft sind es gerade die kleinen Gelegenheiten, die wir verstreichen lassen: Wie wäre es z.B…
Stellen Sie sich mal vor. Jemand lädt sie ein und sagt: „Du, ich hab ja am Sonntag Geburtstag. Wir machen einen Brunch bei uns zuhause. So ab 11 Uhr geht’s los, komm doch vorbei. Du bist eingeladen.“ Sie freu­en sich über die Einladung. Und denken: „Ach ja, das ist nett. Da gehe ich hin. Naja, eigentlich ist um 11 Uhr ja Gottesdienst. Aber denn gehe ich halt das nächste Mal hin.“ Das denken Sie so…. Aber dann sagen Sie: „Oh danke für die Einladung. Das ist nett. Ich komme sehr gerne. Aber darf ich vielleicht ein bisschen später kommen. Um 11 Uhr ist nämlich auch Gottesdienst in der Kirche. Das ist mir wichtig. Ich komme aber danach direkt zu dir.“
Das wäre mal was. Das macht man nicht? Warum nicht? Würde ich das so machen? Ja klar, nur leider hätte das bei mir nicht die gleiche Wirkung, denn zu mir würde der Gastgeber ja sagen: „Ach ja, du armer, du musst noch arbeiten.“

Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, euren Glau­ben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch.
Das ist der Schlüssel zum Erfolg beim Projekt „Volle Kirche.“ Machen Sie mit? Ich finde es ist ein lohnendes Ziel, dass wir sagen können. Bei uns werden die Gottesdienste immer voller. Es wird schon langsam eng in der Kirche. Und damit es so wird, heißt es ab sofort auch entsprechend zu denken. Also: Wenn Sie gleich nach Hause gehen, dann gewöhnen Sie sich gleich an den Gedanken: Unsere Kirche wird voller.
Und Ihr Konfirmanden: Wenn Ihr zuhause gefragt werdet, was los war, was der Pastor gesagt hat, dann gebt das gleich mal weiter: Die Sitzplätze werden demnächst knapp! In Zukunft lieber früher losgehen, wenn man noch einen Sitzplatz haben will.

Lasst uns einfach mal diesen Mut haben! Lasst und einfach mal richtig positiv auf die Zukunft unserer Kirche und unserer Gemeinde schauen. Und lasst uns dafür beten.

Jesus Christus,
du bist das Haupt unserer Kirche,
wir sind deine Glieder.
Schenke uns den Mut Unvorstellbares zu wagen.
Schenke und den Mut Undenkbares zu sagen.
Befreie uns von aller Menschenscheu
und lass uns allezeit mutig an deiner Kirche bauen
auf dass der Glaube uns
und unsere Mitmenschen erfülle
– der Glaube, der uns alle dir näher bringt.

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