Wer hat Angst vor Spinnen? (Joh 20,11-18)

Joh 20,11-18
11 Maria aber blieb draußen vor dem Grab stehen; sie weinte. Und während sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen. 12 Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen am Kopfende und den anderen am Fußende. 13 »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragten die Engel. Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben.« 14 Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn, erkannte ihn jedoch nicht. 15 »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragte er sie. »Wen suchst du?« Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.« – 16 »Maria!«, sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: »Rabbuni!« (Das bedeutet »Meister«; Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.) 17 Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.« 18 Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. »Ich habe den Herrn gesehen!«, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte.

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde!
Wer von euch, wer von Ihnen hat Angst vor Spinnen?
Manche sollen ja panische Ängste bekommen, wenn sie Spinnen sehen, wenn sie Spinnen begegnen. Andere sind ganz cool und es macht Ihnen gar nichts aus.
Übrigens ist ein Haus gesund, wenn Spinnen da sind. Dann befinden sich in der Regel keine Gifte im Haus: Holzschutzmittel oder Ähnliches. Aber Spinnen haben einen Nachteil: sie sehen schlecht.
Da kommen eines Tages zwei Spinnen miteinander ins Gespräch: Die eine fragt die andere: „Hast du schon jemals ein größeres Wesen gesehen als uns?“ Nein,“ sagt sie, „wie kannst du überhaupt daran denken, dass es ein größeres Wesen als uns gibt?
Ja, das habe ich mir auch schon gedacht, sagt jene, es kann doch kein größeres Wesen als uns geben!“
In diesem Augenblick kommt der Waldaufseher im Abstand von einem Meter vorbei. Aber beide Spinnen können ihn nicht sehen, denn sie sehen nur 8 cm.
Jemand hat einmal zu mir gesagt: „Also, Herr Pfarrer, wissen Sie: ich sehe nur, was ich glaube.“
Aber was sehen wir wirklich? Neulich kam im ZDF eine interessante Sendung: Terra X und zwar ging es um die Frage: Was Tiere sehen und wie sie sehen. Tiere sehen ganz anders als wir Menschen. Viele sehen in Zeitlupe. Bienen sehen in Zeitlupe. Da können sie ihr Ziel den Nektar ganz anders anvisieren.
Wenn ich mit meinem Hund am morgen nach Hirschbronn hochgehe am Wald entlang. Dann komme ich an einem Bienen- haus vorbei und beobachte dann immer wieder mal, wie die Bienen da rein und raus und raus und rein fliegen und das mit einer Präzision. Und ich bete innerlich: Herr ich danke dir, wie hast du alles so herrlich gemacht. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele wohl.
Mit dem Sehen ist das so eine Sache. Nur weil wir etwas nicht mit unseren menschlichen Augen sehen, dürfen wir nicht meinen, es gäbe es nicht.
Nur weil wir Gott nicht sehen, dürfen wir nicht glauben, es gäbe ihn nicht. Er ist sehr wohl heute morgen mitten unter uns in diesem Gottesdienst, zwar unsichtbar, aber er hat ja gesagt, wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Wir dürfen nicht meinen, nur was wir sehen existiert. Es existiert weit mehr.
Es gibt ja das theoretische Sehen und das wahre Sehen.
Wenn wir die Auferstehungsgeschichten ansehen, wird das deutlich. Da ist ein Wort im Griechischen für „sehen“ gebraucht das „theorein“ heisst, also an die Theorie, an das theoretische erinnert. Theorie, das ist eine Behauptung die nicht wahr sein muss. Und so geht es der Maria aus Magdala in unserem Predigttext. Sie sieht im Predigttext einen Gärtner, und da steht das griechische Wort theorein. Sie sieht zwar und sieht doch nicht. Erst als er sie mit ihrem Namen anspricht und sagt „Maria“. Erkennt sie ihn. Und da steht das andere Wort für sehen, das auch erkennen meint: „haptein“.
Es gibt also ein oberflächliches Sehen und es gibt ein tieferes Sehen. Es gibt das Sehen das bei der Schale aufhört und es gibt das Schauen, das bis zum Kern sieht.

An der Konfirmation, liebe Konfirmanden bekommt ihr zusammen mit einem Bibelwort den Segen Gottes, dass ihr liebe Konfirmanden bis zum Kern vordringt. Bis zum Erkennen. Dass er nicht nur an der Oberfläche bleibt, der Glaube. Sondern es tief in das Herz hineingeht.
Dass euch Gott dieses Glaubenswachstum schenken möge, darum bete ich für euch. Überhaupt ist beten ganz wichtig.
Betet einmal am Tag, die ihr hier seid bitte betet wenigstens einmal am Tag:
Ein Konzertpianist sagte: Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich es.
Wenn ich zwei Tage nicht übe, merken es meine Freunde.
Wenn ich drei Tage nicht übe, merkt es mein Publikum.
So ist es auch beim Glauben an Gott.
Nehmen wir ganz konkret das Beten. Wie halten wirs damit? Ich könnte nun den Vergleich bringen.
Wenn ich einen Tag nicht bete, merkt es Gott, wenn ich zwei Tage nicht bete, spüre ich es selber. Wenn ich drei Tage nicht bete, spürt es meine Umgebung.
So ist es, wenn ich etwas nicht übe, wenn ich keine Regelmäßigkeit pflege. So ist es auch beim Fussball.
Es soll Bundesligamannschaften im Fussball geben, die verlieren ein Spiel nach dem anderen. Was passiert? Da wird dann in der Regel der Trainer entlassen. Da wird dann ein neuer angestellt. Und dann liest man in der Zeitung: Der neue Trainer sei entsetzt, weil er den schlechten konditionellen Zustand der Mannschaft entdeckt habe.
Genau so ist das mit dem Glauben. Wenn der Glaube nicht gepflegt wird, dann kann er verloren gehen, da kann man auch absteigen. Und das will Gott ja nicht.
Deshalb gibt es die Konfirmation. Konfirmare heisst bestärken. Und deshalb gehen wir auch auf die Konfirmandenfreizeit an den Bodensee, um noch einmal den Glauben tiefer zu erleben und ganz anders, international. Da lernen wir Christen kennen, die aus der ganzen Welt da sind. Das ist für mich das allerwichtigste, die Konfirmandenfreizeit. Und das ist der Kirchengemeinde und dem Kirchenvorstand viel wert. Da investieren wir. Da schiessen wir nochmals was zu an Geldmitteln, damit ihr das erleben könnt.
Worum geht es?
Dass euer Glaube wächst und gestärkt wird. Es kann ja nicht nur darum gehen, das im Unterricht zu erleben. Der Glaube soll wachsen, soll Freude machen. Es soll weitergehen nach der Konfirmation. Also nicht aussteigen und aufwiedersehen sagen. Nein, dann geht es erst richtig los.
In der Gemeinde bleiben ist das Stichwort. Ist ja auch ein Teil des Konfirmationsversprechens. Und das fällt vielen schwer. Auch frommen Gemeindegliedern.
Bleiben in der Gemeinde.
Dort wo Gottes Wort verkündigt wird, ist die Gnade und der Hl. Geist spürbar.
Es geht darum, dass wir Ja sagen zu Jesus Christus, nicht nur äußerlich, sondern innerlich. Dass wir vom äußerlichen Sehen zum Schauen kommen.
Diese 2 Begriffe gibt es in der Bibel: Es wird beschrieben, dass gesehen wird und gesehen wird, und gesehen wird. Die Welt heute ist visuell geworden. Wir sehen im Internet. Wir navigieren mit dem Smartphone. Bilder auf dem handy vor 20 jahren, noch undenkbar.
Glauben ist aber mehr als nur äußerlich sehen. Glauben bedeutet, hinter die Dinge schauen. Glauben bedeutet Gott schauen. Gott sehen. Das wird dem geschenkt, der betet. Beten ist notwendig, um gerettet zu werden.
Apropos Rettung. Wir haben ja neulich einen eurer Mitkonfirmanden getauft, den Tim. Was ist da passiert, wie kann man das beschreiben? Ich will das an einem Beispiel erklären: Ich habe ja gesagt, manche haben ihre Taufe nun das erste Mal verstanden. Also ein Beispiel:?Die Taufbewerber sollten geprüft werden: Der Missionarin fragte die alte Afrikanerin aus Transvaal: „Was hast du in diesen 2 Jahren gelernt?“ Die Frau sah stumm vor sich hin. „Dann sage uns doch, was Jesus für dich getan hat.“ Da holte die Frau vom Lagerfeuer glühende Holzstückchen und legte sie in engem Kreis um einen Käfer. Der sucht vergeblich einen Ausweg. Immer näher züngeln die Flammen. Im letzten Augenblick, ehe das Tierchen sich versengen muss, greift die Frau in den Kreis hinein, hebt den Käfer heraus und gibt ihm die Freiheit. Dann schaut sie auf und sagt: „Das tat Jesu für mich!“
Und wenn man das erlebt hat, dann ist man befreit, dann kann man vergeben.

Wie merke ich, dass ich ein wirklicher Christ bin. Anmaßende Frage?
Aber ich denke doch, dass es Kriterien gibt.
Ein wirklicher Christ bin ich dann:
Nämlich, wenn ich dem vergeben kann, der mir Unrecht getan hat.
Begeben wir uns auf dem Weg. Wenn ich dem vergeben kann, der mich Unrecht getan hat, und zwar so, dass ich nichts von ihm verlange.
Es heisst ja im Vaterunser: und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben haben denen, die an uns schuldig geworden sind.

Dazu ein Beispiel eines heiligen Mannes.

LUDWIG IX von Frankreich kam schon mit 12 Jahren auf den Thron. Während seiner Minderjährigkeit erhoben sich verschiedene Adelsgeschlechter gegen ihn, wurden aber von seiner tatkräftigen Mutter niedergeworfen.
Als Ludwig dann die Herrschaft übernahm, flüchteten verschiedene seiner Widersacher ins Ausland. Grund zu dieser Flucht war das Gerücht, der König habe eine Namensliste
derer anfertigen lassen, die ihm die Krone streitig gemacht hatten. Hinter jedem Namen habe er ein Kreuz gemacht. Das wurde so gedeutet, dass der König alle Männer, die auf der Liste standen, umbringen lassen wollte.
Als der König Ludwig davon hörte, liess er den Geflüchteten mitteilen, sie möchten ruhig nach Frankreich zurückkommen, es werde niemanden etwas Böses widerfahren.
Und die Kreuze hinter den Namen? Ludwig erklärte. Das Kreuz bedeutet nicht den Tod meiner Feinde. Es soll mich allezeit an das Kreuz meines Erlösers erinnern und mich zur Vergebung bereitmachen!
Machen wir uns auf den Weg und werden wir Christen.

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