In Jesus hat das Opfern ein Ende!

Predigt zu Heb 9,15.26b-28

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!

Lesung des Predigttextes: Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen. Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen bestimmt ist, “einmal” zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus “einmal” geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Gott, lieber himmlischer Vater, Wir brauchen deinen heiligen Geist, damit wir deine Worte begreifen und für unser Leben Heil daraus schöpfen können. Amen.

Liebe Gemeinde,

Karfreitag, die Liebe geht zu Grunde, Jesus wird grausam hingerichtet am Kreuz und stirbt gottverlassen und allein. Ein grausiges Geschehen, das einem immer wieder den Schauder über den Rücken laufen lässt. Und wozu das Ganze? Zu unserer Erlösung aus unserer tödlichen Verstrickung in die Sünde, in die Abkehr von Gott, zur Erlösung aus unserer Gottverlassenheit, die wir immer wieder vorziehen, weil wir denken, wir allein sind unseres Glückes und Lebens Schmied.

Abkehr von Gott, Abkehr vom Grund allen Seins, Abkehr von der Liebe, die das Leben will, Abkehr von der lebendigen Kraft allen Lebens, das ist die Sünde, die letztendlich ganz zwangsläufig zum Tode führt.

Kennen Sie die Werbung, die neulich im Fernsehen lief, wo ein gestresster Manager sich durch die vielen aufstehenden Menschen im Flugzeug drängelt? Der Stewardess, die ihn an der Tür freundlich darauf hinweisen will, noch nicht auszusteigen, sagt er freundlich aber bestimmt: Termine, Termine und tritt durch die Tür und fällt in die Tiefe. Die Sache mit der Werbung geht gut aus und der Mann landet im Krankenhaus und weil er so eine tolle Versicherung hat im Einzelzimmer.

Dieser Mann schlägt die lebensdienliche Warnung der Stewardess aus und fällt in die Tiefe – Verletzung, oder sogar Tod sind die unausweichliche Konsequenz aus seinem Eigensinn. So ähnlich könnten wir das mit den lebensdienlichen Hinweisen Gottes für unser Leben auch sehen: Wer sich von Gott, wer sich von seinen guten Hinweisen für unser Leben abwendet fällt in die Tiefe. Ganz klare Geschichte.

Aber was sind die lebensdienlichen Hinweise Gottes und wie befolge ich die? mögen Sie jetzt vielleicht fragen. So ähnlich hat das Jesus mal einer in der Bibel gefragt nur ein bisschen anders formuliert: Was muss ich tun, damit ich das ewige Leben erlange?! Jesus verweist ihn auf die Bibel und der Mann erkennt: Gott lieben und die Menschen lieben wie mich selbst und die Gebote Gottes einhalten. Ganz einfach, eigentlich, könnte man meinen, aber wenn es konkret wird, dann merken wir: Das schaffen wir ja gar nicht: Den Mitschüler, der mich immer wieder lächerlich macht und dauernd fiese Filmchen über mich ins Internet stellt und alle anderen gegen mich aufhetzt, den soll ich lieb haben?! Unmöglich! Ich soll freundlich mit dem Nachbarn umgehen, der mich schon zweimal bei der Stadt angezeigt hat, nur weil ich meinen Garten nicht ganz so in Ordnung halte, wie er sich das vorstellt? Ich soll mit meiner Schwester wieder reden, obwohl sie mich um mein Erbe betrogen hat? Schaffe ich einfach nicht, um nur einige Beispiele zu nennen. Da gibt es so vieles in der Bibel, das ich nicht schaffe, einzuhalten, besonders, wenn es um die Botschaft Jesu geht: Meine Feinde lieben, meine Leben aufgeben, um es zu gewinnen, die andere Backe hinhalten, akzeptieren, dass Jesus auch und gerade die liebt und annimmt, die ich für Deppen halte… Ich merke: Wenn ich Gottes lebensdienliche Hinweise befolgen will, komme ich andauernd und immer wieder an meine Grenzen und ich begebe mich sozusagen übertragen gesprochen damit in Todesgefahr.

Wohlgemerkt, nicht weil Gott so jähzornig ist und mich für meinen Ungehorsam bestraft, sondern weil es einfach die Konsequenz aus meinem eigenen Verhalten ist. Natürlich sterbe ich nicht wirklich, wenn ich meinen fiesen Nachbarn nicht liebe, aber es macht mich auch nicht ausgesprochen glücklich und lebensfroh, wenn immer ein Groll in mir hochkommt, wenn mein Nachbar mir begegnet.

Weil ich also immer wieder an Gott vorbei laufe und manchmal dabei lächelnd „Termine, Termine!“ sage und dabei ins Leere tappe, brauche ich eine Art Lebensversicherung und weil Gott seine Geschöpfe, seine Kinder, mich und dich lieb hat, gibt es diese Lebensversicherung – sonst hätte er ja nach der Sintflut, als er gemerkt hat, dass bei den Menschen Hopfen und Malz verloren sind, gleich sagen können: Hat gar keinen Zweck. Aber nein, gerade da sagt er: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Dafür hat Jesus gelebt, dafür ist Jesus gestorben und ist, wie es im Glaubensbekenntnis heißt: Hinabgestiegen in das Reich des Todes und dafür ist er von Gott wieder auferweckt worden.

Es hat also zwei lebensentscheidende Vorteile mit Jesus im Bunde zu sein und auf ihn zu hören. Der eine Vorteil: Wer es schafft, seine Hinweise für ein gutes Leben zu befolgen, der hat ein gutes Leben – klingt irgendwie logisch… Jesus gibt also mit seinem Leben und mit seiner Botschaft vom Reich Gottes Hinweise wie unser Leben gelingen kann. Das ist schon mal super und hilfreich. Aber weil er weiß, dass wir es nicht schaffen werden, alle Hinweise zu befolgen, begibt er sich schon mal, sozusagen im Voraus mit der grausamen Kreuzigung, mit seinem Leiden und seinem Tod, an die Stelle, wo wir landen, wenn wir uns von Gott abwenden, nämlich in den Tod und ist seit dem auch an diesem gottverlassensten Ort da, ja eigentlich kann man den Tod seit diesem ersten Karfreitag vor ca. 2000 Jahren nicht mehr als gottverlassen bezeichnen, denn Jesus ist ja da hingegangen und dieser Weg dorthin geht eben nicht am Sterben vorbei. Jesus musste sterben, damit er da bei uns sein kann, wo niemand sonst bei uns ist, wo wir ganz allein sind. Noch im Tod schlägt er den Vorhang zwischen Tod und Leben, zwischen Gottverlassenheit und Gott beiseite und lädt uns ein, mit ihm zum Vater zu gehen. Und wir können wählen: Jesus folgen oder immer noch auf unseren Eigensinn bestehen und die Gottverlassenheit wählen und in die Tiefe fallen. Wer Jesus folgt, sich ihm anvertraut wird leben auch wenn er stirbt, wer das nicht tut, trägt im ewigen Tod die letzte Konsequenz aus seiner Abwendung von Gott.

Das alles drückt der Hebräerbriefabschnitt aus, der heute Predigttext ist. Er bleibt dabei in einer Opferterminologie, die manchem fremd vorkommt und Gott als so wütend erscheinen lässt, dass er zur Besänftigung ein Opfer brauche. Das war damals die herrschende Meinung, weil hier menschliches Gerechtigkeitsempfinden angelegt wurde. Jemand hat etwas Böses getan, also muss er bestraft werden und wenn er seine Strafe abgebüßt hat, dann ist wieder alles gut. Damit die Liebe und die Gnade Gottes nicht zu billig wird, hat man sich also gedacht, eigentlich muss Gott die Menschen bestrafen, weil sie ihn dauernd verlassen, also sündigen. Weil er das aber gar nicht will, bestraft Gott sich selbst, indem er in Jesus hingerichtet wird und dieses Opfer, das anstelle der vielen Menschen, die eigentlich bestraft werden müssten, macht dann wieder alles gut und Gott kann letztendlich den Himmel aufmachen, für alle, die im Namen Jesu Einlass begehren und Jesus nachfolgen.

Der Hebräerbrief sagt, dass mit diesem Opfer Jesu das Opfer schlechthin gebracht wurde und dass jetzt keine weiteren Opfer mehr nötig sind, um Gott gnädig zu stimmen. Gott ist seit diesem einmaligen Opfer ein für alle mal gnädig gestimmt, die Tür zu ihm offen. Die Sünde ist damit aus der Welt und steht nicht mehr zwischen Gott und den Menschen.

Jesus nimmt also die Konsequenz der Sünde, unsere Abgewandheit von Gott auf sich und stirbt den Tod am Kreuz. Deutlicher kann es nicht gemacht werden: Die Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart, wird von den Menschen verachtet, ja einfach so weggeworfen und getötet. Das zeigt genau unsere menschliche Ich-schaffe-das-schon-selbst-Mentalität und unsere –Ich-weiß-schon-was-gut-für-mich-ist-Attitüde, dass wir, dass die Menschen Gottes Liebe kreuzigen. Und allein darin besteht der Einsatz Jesu für uns Menschen, dass er sich töten lässt, um dann an dem Ort auf uns zu warten, den wir uns durch unser Handeln ausgesucht haben und uns wieder ins Leben und zurück zu Gott zu schicken.

Insofern könnte man sagen, um im Bilde der Werbung vom Anfang zu bleiben: Jesus sagt uns, was gut für uns wäre – geh (noch) nicht durch diese Tür – und wenn wir es doch tun, dann bewahrt er uns nicht vor dem Fallen – vielleicht kann man darin so etwas wie ein Gericht sehen – wir bekommen die Konsequenzen unseres Handelns ganz deutlich zu spüren – aber dann ist Jesus nicht derjenige, der von oben herunterschaut und sagt: Siehste, das haste jetzt davon, sondern der unten steht, mit offenen Armen und sagt, ich bin schon da, wo dich dein selbstgewählter Weg hingeführt hat und wenn du dich mir anvertraust, dann führe ich dich durch den Tod hindurch ins Leben bei und mit Gott, wo es wunderbar sein wird. Wir können wählen!

Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.

Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen bestimmt ist, “einmal” zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus “einmal” geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ablauf

Gottesdienst am 6.4.2012 in Rengershausen um 15.00 Uhr und in Guntershausen um 16.15 Uhr

1. Die Orgel und die Glocken schweigen
2. Begrüßung
3. Lied: EG 97,1-3 Holz auf Jesu Schulter
4. EG 709 (bitte anschlagen!) Psalm 22, Antwort:
5. „Herre Gott erbarme dich“
6. Schriftlesung Joh 19,16-30 (KV)
7. Glaubensbekenntnis (KV)
8. Lied: EG 93,1-2 Nun gehören unsere Herzen
9. Predigt
10. Lied: EG 93,3-4 Doch ob tausend Todesnächte
11. Abkündigungen
12. Fürbitten / Vaterunser
13. Lied: EG 97,4-6 Wollen wir Gott loben
14. Bekanntmachungen (KV)
15. Segen

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