Der Tod ist tot und es lebe das Leben!

Liebe Schwestern und Brüder!
Achtung heute wird ein Glaubensgeheimnis gelüftet.
Und so lautet es:
"Der Tod ist verschlungen vom Sieg" heißt es hier im Predigttext für den heutigen zweiten Ostertag so überschwänglich. Der Tod ist tot, Christus lebt, mit ihm auch ich, singen wir im Osterlied. So jubilierend klingt sie und so fantastisch anmutend ist die Osterbotschaft. Freude und Osterjubel sollen sich ausbreiten. Das Geheimnis von Ostern ist und bleibt die Auferstehung Jesu Christi von den Toten und somit auch die Hoffnung und das Bekenntnis, dass wir alle dereinst auferstehen von den Toten. Dies ist ein großes offenes Geheimnis, für jedermann offensichtlich im Glauben, aber nicht mit menschlichen Gedanken zu fassen. Ein Geheimnis Gottes, faszinierend, mächtig und heilig.

Doch auch der Tod ist mächtig und die Hauptwörter der paulinischen Gedanken lauten auch hier: Verweslichkeit, Endlichkeit, Sterblichkeit und Tod. Der Tod ist mächtig und seine Gewalt macht uns Menschen stumm, zerstört bisweilen das Leben und jegliche Hoffnung und macht uns alle gleich.
Wer würde dies bestreiten. Der Tod und alles Tödliche scheint uns zu besiegen, plötzlich und unerwartet kommt er oder allmählich, langsam und grausam, je nach Situation. Der Tod scheint der eigentliche Herrscher über unser Leben zu sein. Der letzte und endgültige Feind des Lebens ist er.
Diese Erfahrung bleibt keinem von uns im Leben erspart und nicht erst beim eigenen Tod trifft sie uns.
Und ab und zu wird der Tod als Erlösung empfunden, was eher eine sprachliche Unschärfe ist, denn eigentlich ist Jesus Christus der Erlöser. Der Tod ist niemals Erlösung, er ist immer das Ende von irdischem Leben und er nimmt uns das, was wir lieben, auch wenn wir den Tod als Erlösung von Leid und Qual empfinden. Vielleicht sollte man dabei von gnädigem Tod reden.

Dagegen verkündigt der Apostel vom Sieg des Glaubens an Jesus Christus über den Tod, und
dadurch schafft der Apostel Hoffnung und Zuversicht auf ein Leben nach dem Tod. Gott spricht das letzte Wort über Leben und Tod. Ja Gott siegt über den Tod mit der Auferstehung von den Toten.
Und der Glauben an den Auferstandenen und seine Heilstat trägt eben das Geheimnis des ewigen Lebens mit sich. Der Tod ist tot, es lebe das Leben mit, durch und in Jesus Christus. Das ist die Botschaft von Ostern. Und dieses Geheimnis soll uns heute umtreiben. Ein tiefes Geheimnis des Glaubens, das für die Gläubigen ein offenes Geheimnis ist. Für Ungläubige, Atheisten und Verächter der Religion ist es niemals ein Geheimnis, sondern eine fromme Illusion, die gegen alle wissenschaftliche Erkenntnisse steht. Jedoch Glauben ist mehr als Wissen und Geheimnisse des Glaubens bleiben für die geheimnisvoll, machtvoll und unbestreitbar, die daran glauben. Geheimnisse gibt man weiter, aber man verrät sie nicht. Auch der Apostel verrät uns nicht wie die Auferstehung von den Toten konkret vonstatten geht. Und doch verkündigt er ein offenes Geheimnis, an dessen verborgener Information ein jeder Teil haben kann, wenn er sich auf Jesus Christus einlässt. Das Geheimnis wird gelüftet, aber es entzieht sich unserem Verstand und unseren denkerischen Möglichkeiten.
Und nur ungläubige Thomasse wollen das Geheimnis gänzlich gelüftet haben. "Ich glaube nur, was ich sehe!" Sie kennen das. Ob diese Menschen auch die Liebe unter den Menschen spüren, ob sie jemals das Verborgene im Herzen erkennen oder leider nur in der Oberflächlichkeit der Welt behaftet bleiben. Wir wissen es nicht. Geheimnisse, wahre und große Geheimnisse, selbst offen vor ihnen liegende werden sie vielleicht niemals entdecken. Doch auch die Sehnsucht nach dem Geheimnis des Glaubens ist bei ihnen groß.

Das Geheimnis des Paulus, das offene Geheimnis lautet:
wir werden verwandelt nach unserem Tod. Und so wie normalerweise Verweslichkeit, Endlichkeit; Sterblichkeit und Tod die natürlichen Begrenzer unserer menschlichen Existenz sind, so wird Gott uns im Glauben an ihn Unverweslichkeit, Ewigkeit, Unendlichkeit und Auferstehung von den Toten schenken.
Und wer sich fragt, wer und was ist Gott, der denke an die Auferstehung von den Toten! Gott ist das ewige Leben und die Auferstehung von den Toten.
Eine Verwandlung geschieht, eine Veränderung, ein neues Leben, das unser bisheriges Leben unendlich verändert und vor allem qualitativ überschreitet. Um diesen Glaubensvorgang zu begreifen, braucht es die Geheimnisse des Glaubens
Hierbei helfen nur Bilder, Metaphern und Vergleiche, die letztendlich hinken. Jedoch Verwandlung und Veränderung kann jeder jetzt im Frühjahr selbst genau sehen. Aus dem Samenkorn wird ein Halm, später eine Ähre, die neue Samenkörner hervorbringt. Und auch die Schöpfung ist ein offenes Geheimnis Gottes über das man immer wider neu staunen kann. Und wer Gott als seinen Schöpfer ansieht, der wird hoffentlich alles Geschöpfliche achten und wird sein Leben unter Gottes Segen und Schutz stellen. Dann ist das eigene Leben nicht nur ein Zufall, eine biologische Tatsache oder Mühsal, sondern ein Geschenk Gottes, das es täglich Neuzugestalten gilt.
Und so wie aus der Saat die Ernte erwächst, aus Samenkorn eine Ähre wird, so wird aus dem Tod neues Leben entstehen, ewiges Leben und doch nur bildhaft in seinem Geheimnis begreifbar: es ist die Verwandlung durch die Auferstehung von den Toten. Davon berichtet der Apostel, wenn er so überschwänglich vom Sieg über den Tod und seinen Stachel schreibt.
Doch genug der vielen Worte: Was geschieht bei der Auferstehung?
Ich lese eine nichtbiblische Gleichnisgeschichte vor, die das Geheimnis der Verwandlung illustriert; auch darin kommt das Eigentliche -die Auferstehung von den Toten- nur bildhaft, metaphorisch und unzureichend zum Ausdruck, weil es eben ein göttliches Geheimnis bleibt.

Geschichte verlesen!

ÖSTERLICHE PARABEL

Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem häßlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen – keine Ahnung von der Sonne, dem Regenbogen in den Wolken, den Liedern der Nachtigall! Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüsten, was da einmal sein wird! Wenn diese Raupen ahnten, was ihnen als Schmetterling blühen wird: Sie würden ganz anders leben, froher, zuversichtlicher, mit mehr Hoffnung. Sie würden erkennen: Das Leben besteht nicht nur aus Fressen und der Tod ist nicht das letzte.
So dachte der gute Mensch, und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren! Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein!
Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte lies sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. – Er versuchte, Vergleiche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut … Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dach¬ten sie nur ans endlose Fressen.
Nein, so ging es nicht. Und als der gute Mensch neu anfing:
Ihr Puppensarg sei nicht das letzte, sie würden sich verwandeln, über Nachtwürden ihnen Flügel wachsen, sie würden leuchten wie Gold-da sagten sie: Hau ab! Du spinnst! Du hältst uns nur vom Fressen ab! -Und sie rotteten sich zusammen, um ihn lächerlich zu machen.
o.A
(aus: Schenk dir Zeit, Texte –Bilder- Lieder, epb Karlsruhe 1993,S.331):

Auch in dieser Parabel und Gleichniserzählung wird vom Geheimnis der Verwandlung berichtet und im MA benutzte man dieses Bild häufig, um den Vorgang der Auferstehung zu illustrieren. Denn so wie es ein offenes Geheimnis ist, dass aus Raupen Schmetterlinge werden, so ist es ein großes göttliches und offenes Geheimnis, dass für Christen auf den Tod die Auferstehung vom Tod und das ewige Leben folgen.

Und wenn ich hoffe und glaube, dass die Auferstehung nicht nur ein "Symbol" oder Bild ist, sondern ein Heilsereignis und offenes Geheimnis Gottes, dass Veränderung in mir bewirkt, dann kann ich jeden Tag neu ‚aufstehen‘ mit der Gewissheit der Gnade und Treue Gottes, denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt, wie es im Kirchenlied heißt.
Dann schenkt Gott mir auch die Kraft um einen Neuanfang zu beschreiten, wenn es mich in die Irre führen sollte. Verkrustete Beziehungen können sich verändern. Menschen werden durch die Macht der göttlichen Kraft und Liebe erneuert.
Und weil Gott ein lebendiger Gott ist, der die Macht des Todes ein für alle Mal besiegte und ewiges Leben verheißt, weil er uns Menschen als seine Kinder kennt, will er, dass wir seine Lebendigkeit, seine Kraft und Dynamik als Auftrag im eigenen Leben umsetzen.
Der Glaube an die Auferstehung ist kein statisches und leeres Dogma, sondern eine wunderschöne verändernde Tat Gottes für uns Menschen. Ein großes Geheimnis Gottes.
Gott will, dass wir mit und durch Ostern leben. Und die österliche Lebenspraxis, die Verkündigung des lebendigen Gottes Sohnes, unser Auftrag, kann im eigenen Leben vielfältig geschehen. Es bedeutet sowohl Freude über die Liebe der Nächsten, das Glück des wortlosen Verstehens in der Familie oder in der Partnerschaft, das Einssein und die Fülle, aber auch das Wissen um den Schmerz, das Nichtverstehen, die Fremdheit und das Entbehren. Beides gehört zum Glauben und zur Liebe, beides kommt aus Gottes Hand, beides gehört zur Verkündigung des lebendigen Gottes.
Und Jesus Christus bekennen heißt dem lebendigen Gott Vertrauen zu schenken und zu folgen und davon auszugehen, dass Jesus mitten unter uns aufersteht, gleichwie wir dereinst auferstehen vom Tode. Und.
Psst. Geben Sie dieses Geheimnis weiter, aber verraten sie es nicht.
Amen.

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